Bürgermeister Stefan Dittmann zu Gast bei den Grünen:

Nur drei von 15 Themen in Berndorf abgearbeitet: Elternwünsche vorrangig

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Einziger Wahlkampftermin mit dem einzigen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Twistetal: Grünen-Gemeindevertreter Reinhard Deutschendorf (links) und Bürgermeister Stefan Dittmann (rechts) konnten an diesem Abend von der langen Themenliste nur drei abarbeiten.   

Twistetal-Berndorf. Die einzige Wahlveranstaltung vor der Bürgermeisterwahl in Twistetal hat am Mittwochabend nur 20 Wähler aus der Großgemeinde interessiert.

So plauderten Grünen-Chef Reinhard Deutschendorf und der einzige Bürgermeister-Kandidat und Amtsinhaber Stefan Dittmann in kleiner Runde im Berndorfer „Bistro“ über Themen, die von den Teilnehmern vorgeben wurden. Vorbereitet hatten die Twistetaler Grünen 15 Themenbereiche, von denen am Ende aus Zeitgründen aber nur drei abgehandelt wurden.

Am meisten juckte den Berndorfer Eltern die Frage nach der Nachmittagsbetreuung an der Grundschule unter den Nägeln. „Wir Mamas müssen arbeiten und haben keine Omas und Opas in der Nähe, der sich ab 14.30 Uhr um die Kinder kümmern“, hieß es.

Und so kämen die Berndorfer Schulkinder um 14.30 Uhr hungrig und ohne Hausaufgaben aus der Betreuung nach Hause. Das überfordere viele Familien, in denen beide Eltern arbeiten müssten.

Verständnis für Elternwünsche

Bürgermeister Dittmann schilderte, wie er sich vor fünf Jahren bei einer Bürgermeister-Dienstversammlung anhören musste, dass die meisten anderen Gemeinden im Landkreis schon eine Menge Angebote für Unter-Dreijährige in den Kindergärten aufgebaut hätten.

Deshalb sei es damals zunächst vorrangig gewesen, die U-3-Betreuung in den Kindergärten von Berndorf und Twiste auf den Weg zu bringen. Die Gemeinde ließ neue Räume bauen, der kirchliche Zweckverband als Träger der Betreuung schuf zusätzliche Stellen.

Inzwischen seien die Betreuungszeiten in den Kindergärten von Twiste und Berndorf von früher 7.30 Uhr bis 14 Uhr auf 7 bis 17 Uhr ausgeweitet werden. Ihm sei aber bewusst, dass es noch kein vergleichbares Angebot in den Schulen gebe. Immerhin funktioniere die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule Twiste.

Wann gibt es  Nachmittagsbetreuung an der Grundschule in Berndorf?

Die Berndorfer Pfarrerin habe ihm vor einiger Zeit berichtet, dass der Kindergarten in Berndorf ab 11.30 Uhr von bis zu 25 Schulkindern aufgesucht worden sei, die hier betreut und mit Mittagessen versorgt wurden. Das sei auf Dauer nicht zulässig gewesen. Immerhin könnten diese Kinder nun bis 14.30 Uhr in der Grundschule bleiben.

Mittagessen gebe es dort trotzdem nicht, berichteten die Eltern. Zur Begründung verweise die Schule darauf, dass der Betreuungsraum im Erdgeschoss und die Küche im keller liege. Die Betreuungskraft dürfe aber nicht die Kinder alleine lassen, um sich um die Vorbereitung der Essensausgabe zu kümmern.

Nach längerer, intensivere Diskussion regte Bürgermeister Dittmann an, dass sich Schulleitung, Elternvertreter und er an einem „Betreuungsgipfel“ treffen und nach Lösungen suchen könnten.

Wann werden weitere Radwege gebaut?

Zweites Thema beim Wahlkampf-Gespräch mit Bürgermeister Dittmann waren die Radwegeverbindungen in der Gemeinde. Nach Fertigstellung des Radwegs zwischen Berndorf und dem Mühlhäuser Hammer werde nun für den Lückenschluss bis Twiste geplant. Weitere Verbindungen seien zwischen Twiste und Mühlhausen sinnvoll, aber auch zwischen Twiste, Elleringhausen und Nieder-Waroldern. 

Der Bau des ersten Radweges habe aber schon gezeigt, wie schwierig die Grundstückverhandlungen seien, denn nur wenige Landwirte seien bereit, Land abzugeben. Im übrigen seien die Kosten für den Bau recht hoch. So habe der Bund für den Radweg zwischen Berndorf und dem Mühlhäuser Hammer 1,2 Millionen Euro ausgegeben. 

Dass das Ergebnis dennoch nicht alle überzeugt, machten mehrere Äußerungen von deutlich. Eine Mutter meinte, ihr sei der Radweg viel zu nah an der stark befahrenen Bundesstraße. Grünen-Sprecher Reinhard Deutschendorf regte zudem den Bau eines Rad-Schnellweges von Berndorf in die Kreisstadt Korbach an. Zumindest müsse die vorhandene Feldwege-Verbindung besser ausgeschildert werden. 

Verzichtet Twistetal auch weiterhin auf Straßenbeiträge

Kurz angerissen wurde die Frage der Straßenbeiträge, die in Twistetal noch nie erhoben wurden. Seit Jahren merken die Aufsichtsbehörden kritisch an, dass Twistetal nicht sämtliche Einnahmemöglichkeiten ausreize. Im Rathaus herrscht jedoch Einigkeit darüber, dass so lange keine Straßenbeiträge eingeführt werden, bis die Erhebung der Grundsteuer durch den Bundesgesetzgeber nicht neu geregelt ist. (es)

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