Ungewöhnliche Gottesdienst-Formate füllen die Dorfkirchen jeweils bis auf den letzten Platz

Predigt vom Hochsitz und Jagdhorn-Signale prägen die Hubertusmessen in Hesperinghausen und Twiste - Zwei Bildergalerien

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Falkner Christian Ladage aus Landau mit seinem prächtigen Gerfalken und seine Petra Ladage mit einem Wüstenbusssard bei den Hubertusmessen in Hesperinghausen und Twiste.

Hesperinghausen/Twiste. Das Falkner-Ehepaar Petra Christian Ladage aus Landau war mit dem prächtigen Gerfalken und einem Wüstenbussard zu Gast bei den Hubertusmessen in Hesperinghausen und Twiste.

In beiden Kirchen fanden die Inszenierungen mit herbstlich geschmückten Altären und Jagdhornbläsern großen Anklang. In Hesperinghausen war sogar die Kanzel zu einem Hochsitz umgewandelt worden. Von hier sprach die Rhoder Pfarrerin Claudia Engler. In Twiste gestaltete Prädikant Karsten Meyer aus Helsen die Liturgie.

In mehreren Twistetaler Jagdrevieren war am Sonnabend zur Jagd geblasen worden. Da passte es hervorragend, dass am Abend in der Twister St. Veit-Kirche eine Hubertusmesse gefeiert wurde. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Parforcehornbläser aus Vöhl, der Jagdhornbläser aus Bad Arolsen und der MGV Liedertafel-Einigkeit unter Leitung von Bernd Stallmann. 

Liturg war der Prädikant Karsten Meyer aus Helsen, der freimütig bekannte: „Das ist meine erste Hubertusmesse, ich bin selber gespannt, welche Überraschungen uns heute Abend erwarten.“ Tatsächlich hatten die Jagdpächter Willi Rüsseler sowie Sandra und Willi Bergmann den Altarraum waidmännisch ausschmücken lassen. Ein ausgestopfter Dachs und ein Waschbär waren dort ebenso zu sehen wie zwei Falkner mit unüberhörbar lebendigen Darstellern.

 Das Falkner-Ehepaar Petra und Christian Ladage aus Landau hatten ihren prächtigen Gerfalken und einen Wüstenbussard mitgebracht. Dazu passte die humorvolle Mahnung an alle Kirchenbesucher, ihre Handys während der Hubertusmesse auf leise zu stellen, schließlich seien die Greifvögel darauf abgerichtet, klingelnde Handys aus dem Verkehr zu ziehen. Tatsächlich kam es bei dieser Hubertusmesse darauf an, die Ohren zu spitzen und die Sinne zu schärfen für die Musikvorträge der Bläser und Sänger. 

Alle liturgischen Programmpunkte einer (katholischen) Hubertusmesse wurden abwechselnd von Bläsern dargeboten, so die Kyrie, das Gloria, das Sanctus, das Agnus Dei und sogar das Glockengeläut. Dazu kamen zur Eröffnung ein Introitus und nach dem Segen der Hirschmarsch. 

Das Vaterunser wurde vom MGV Liedertafel-Einigkeit gesungen. Prädikant Karsten Meyer ging in seiner Predigt auf die zuvor vorgetragene Hubertuslegende ein und arbeitete heraus, dass Hubertus ähnlich wie Paulus nach einer Gottesbegegnung sein Leben radikal verändert habe.

Die Hubertusmessen haben seit gut zehn Jahren Tradition in der Hesperinghäuser Dorfkirche. Sehenswert ist vor allem die herrliche Dekoration, mit der Altar und der gesamte Kirchenraum in eine Waldlandschaft verwandelt werden. Buntes Herbstlaub auf dem Fußboden, Hase und Igel auf dem mit Ästen verzierten Altar und dann der ausgestopfte Fasan und ein Eichhörnchen neben dem Altarkreuz. 

Die Kanzel ist zum Hochsitz umgebaut und mit einem Jagdgewehr und einem Feldstecher dekoriert. Und vorne vor den ersten Sitzbänken stehen die Landauer Falkner Petra und Christian Ladage mit lebendigen Greifvögeln in prächtigem Gefieder. 

Wie mag diese jagdliche Kulisse wohl zur evangelischen Liturgie passen? - Eröffnet wurde der Gottesdienst zur „ Hubertusmesse“ am Freitagabend vom MGV „Vaterland“ mit dem Hubertuslied. Zum Halali bliesen die Jagdhornbläser aus Rhenegge, nachdem Jagdpächter Josef Freiherr von Twickel die Hubertuslegende vorgetragen hatte. Von der Kanzel meldet sich Pfarrerin Claudia Engler. 

Ihre Aufgabe: die aus dem mittelalterlich-katholischen Glaubenskontext stammende Hubertuslegende in moderne evangelische Theologie umzudeuten: Da war also jener Hubertus, der ausgerechnet am Karfreitag den Frevel beging, eine große Jagd anzusetzen. Und just in dem Moment, als der stattlichen Hirsch gestellt hatte und zum Schuss ansetzen wollte, erschien in dessen Geweih ein leuchtendes Kreuz. 

Hubertus ließ den Bogen sinken, wurde gläubiger Christ und Bischof von Maastricht, später auch von Lüttich. Die Legende gleiche der Geschichte vom Christenverfolger Saulus, der durch ein Erweckungserlebnis zum Paulus wurde und sich für die Verbreitung des christlichen Glaubens einsetzte, so Pfarrerin Engler. 

Ihre Botschaft daher: Auch die heutige Jagd nach Renditen und Ruhm sei ebenso falsch wie die Jagd des bloßen Trophäenjägers. Moderne Jagd habe ein Gleichgewicht von nachwachsenden Bäumen und Tieren zum Ziel und diene damit dem Naturschutz. Engler zitierte den Paulusbrief an die Tessalonicher: „Jaget allezeit dem Guten nach.“

Bildergalerie von der Hubertusmesse in Hesperinghausen

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