Zuverlässiger Lieferant in vielen Dörfern

Rollender Supermarkt aus Twiste bleibt in der Garage

Willi Rüsseler aus Twiste steht am Eingang zu seinem rollenden Supermarkt.
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Der rollende Supermarkt von Willi Rüsseler aus Twiste hat nach 25 Jahren seine letzte Fahrt angetreten. Nun hofft Rüsseler, dass er im Januar 2021 vielleicht ein gebrauchtes Fahrzeug von einem Kollegen aus Westfalen übernehmen kann.

Seine Stimme stockt, wenn er ausspricht, welche Entscheidung er treffen musste: Aus Altersgründen wird Willi Rüsseler zum Monatsende, also am Montagabend, seinen Rollenden Supermarkt schließen.

Twistetal-Twiste – Nein, es liege nicht an seinem Alter versichert Rüsseler, der am 31. August seinen 79. Geburtstag feiert. An Altersschwäche leide vielmehr sein 25 Jahre alter Verkaufswagen. Der Bau eines vergleichbaren Neuwagens sei wohl zu teuer. Dafür reichen die Umsätze nicht.

Immerhin erreicht der rollende Einzelhändler jeden Tag zwischen 40 und 50 Kunden pro Tag. Dazu ist er ständig unterwegs, in den Stadtteilen von Waldeck ebenso wie rund um Twistetal, Korbach, Arolsen und Teilen der Diemelstadt.

Laden wurden 1934 von Erna und akrl Rüsseler gegründet

In all den Dörfern wird Willi Rüsseler von seinen Stammkunden sehnlich erwartet. Für viele der betagten Herrschaften ist der Twiste Supermarkt-Mann einer der wenigen sozialen Kontakte in der Woche. Kein Wunder also, dass Willi Rüsseler schon so manche Träne trocknen musste, wenn er von seinen Plänen erzählte.

Äußerlich noch okay, aber nicht mehr ganz dicht: Der rollende Supermarkt wird stillgelegt.

Immerhin: Zur Versorgung seiner Stammkunden ohne eigenes Auto will Rüsseler einen Lieferservice anbieten. Für fünf Euro Bringgebühr liefern er und seine Mitarbeiterinnen im Twister Lebensmittelmarkt Bestellungen aus, die telefonisch aufgegeben werden. Willi Rüsseler und seine Frau Ursula fühlen sich ihren Kunden verpflichtet, seit sie den kleinen, 1934 von Erna und Karl Rüsseler gegründeten Lebensmittelladen übernommen haben.

Ganz nah bei den Menschen

Vor 39 Jahren machte sich Willi Rüsseler erstmals mit einem rollenden Supermarkt auf den Weg. Vor 25 Jahren wurde das aktuelle Modell angeschafft, das nun aber technische Mängel aufweist, die nur teuer zu reparieren wären.

Mitte der Woche keimte neue Hoffnung auf. Ein Kollege aus Westfalen plant seinen rollenden Supermarkt Ende des Jahres für immer in die Garage zu fahren. Vielleicht kann Willi Rüsseler dann noch noch einmal im Januar durchstarten.

Ein erstaunlich großes Warensortiment hielt Willi Rüsseler über 39 Jahren in seinen rollenden Supermärkten bereit.

Der Senior macht sich nämlich gerne jeden Morgen auf den Weg in seinen 200 Quadratmeter großen Laden und hat sich vorgenommen, „mindestens noch bis 120“ weiterzuarbeiten. Sogar sonntags verkauft er frische Brötchen. Was ihm so große Freude bereitet, ist der Kontakt zu den vielen netten Waldeckern in den Dörfern.

Willi Rüsseler braucht keinen Urlaub

Aber auch die weit gereisten Kunden im Wohnmobilhafen am Twistesee sind ihm ans Herz gewachsen. Mit seinen flotten Sprüchen schafft es Rüssseler, auch den größten Morgenmuffel beim Brötchenholen aufzumuntern.

Sein Rat an all die gestressten Menschen: Alle sollten mal nachdenken, ob diese Hektik sein muss. Aber ganz ohne Arbeit kann auch er nicht sein. Sie ist sein Lebenselexir. Deshalb kann er auch nicht verstehen, warum im Angesicht der Corona-Krise so viele Menschen sich um ihren Urlaub sorgen und nicht im gleichen Maße über ihre Arbeit reden. Rüsseler erholt sich abends auf der Jagd. (Elmar Schulten)

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