Baumreicher Betrieb am Ortsrand zieht viele Vögel an

Schleiereulen brüten auf Hof Kalhöfer in Mühlhausen

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Schleiereulen brauchen viel Platz für die Aufzucht ihrer Brut. Anfang Juni gelang dem Mengeringhäuser Naturfotograf Dieter Bark, den Schleiereulen-Nachwuchs auf dem Hof von Erhard Kalhöfer in Twistetal-Mühlhausen aufzunehmen. Auch Stare, Mehlschwalben und Turmfalken hat er dort fotografiert. 

Das ist selten geworden: Schleiereulen brüten auf Hof Kalhöfer in Mühlhausen, ziehen sieben Junge groß. Bislang scheint es die einzige Brut zu sein, die in Waldeck-Frankenberg gemeldet wurde. 

Twistetal-Mühlhausen – „Wenn du Vögel singen hören möchtest, musst du Bäume pflanzen“. Diesem weisen Spruch folgt die Familie von Erhard Kalhöfer in Mühlhausen, seitdem sie vor 99 Jahren den Hof am Rande des Dorfes erbaut haben. „Das, wo Sie die vielen Bäume sehen, gehört uns“, sagt der Landwirt. Entsprechend reich ist auch die Vogelwelt auf dem Hof. Sogar Schleiereulen brüten dort dieses Jahr wieder – bislang ist es die einzige Brut, die im Landkreis Waldeck-Frankenberg gemeldet wurde.  Das bestätigte Wolfgang Lübcke, Schriftleiter der Vogelkundlichen Hefte Edertal und Fachberater für Naturschutz und Vogelkunde, auf Anfrage.

Schleiereulen seien auch für Vogelbeobachter rätselhafte Nachtjäger, sagt Dieter Bark. Als ehemaliger Revierförster und Naturfotograf weiß er, wovon er spricht. „Früher brüteten sie in fast jedem Dorf. Heute beobachtet man brütende Hauseulen im Kreis Waldeck-Frankenberg nur in wenigen Orten“, erklärt er. „Es fehlen alte Scheunen als Nistplatz, sagen die Einen, es fehlen zur Zeit die Feldmäuse, die Anderen. Dabei sind von Naturfreunden Nistkästen für Eulen schon seit langer Zeit angebracht worden. Und sie wurden auch gern angenommen. Und Feldmäuse gibt es seit drei Jahren genug“.

Viele Bäume hat Erhard Kalhöfer auf seinem Hof gepflanzt – und viele Nisthilfen angebracht.  

Als der Landwirt Erhard Kalhöfer aus Mühlhausen bei Dieter Bark anrief, dass er Schnarchlaute – nach Nahrung rufen – von Jungen Schleiereulen aus dem Eulenkasten in seiner Scheune gehört habe, machte sich der Naturfotograf aus Mengeringhausen gleich mit der Kamera auf den Weg. „Wir fanden sieben junge Schleiereulen in allen Größen vor. Bei Eulen verschiebt sich die Eiablage um mehrere Tage und damit auch das Schlüpfen der Jungen“, erklärt Dieter Bark.

Die Turmfalken ziehen jedes Jahr fünf Junge groß. Die Nisthilfe ist hoch an der Kalhöferschen Scheune angebracht.

Der Brutplatz von Erhard Kalhöfer am Rande von Mühlhausen wurde schon früher gut angenommen, war dann aber einige Jahre nicht bewohnt. „Nun sind plötzlich sieben Junge da. Dass sie gerade auf den naturbelassenen Hof am Rande des Dorfes zurückgekehrt sind, wundert mich nicht. Den haben sich auch viele andere Vögel als Brutplatz ausgewählt“, weiß Dieter Bark, der dort eine Reihe seltener Aufnahmen machen konnte.

Seit seinem 16. Lebensjahr ist der inzwischen 58-jährige Erhard Kalhöfer Mitglied im Naturschutzbund (NABU) Twistetal, im kommenden Jahr wird sein Hof 100 Jahre alt. Zwei große Linden wurden zur Geburt der Mutter und der Tante am Hofeingang gepflanzt – seine Mutter ist inzwischen 97 Jahre alt. Er selbst hat auch einen Lebensbaum, ebenso wurden Lebensbäume zur Geburt seiner Kinder gepflanzt. Walnuss, Zirbe, Blutbuche, Kiefer, verschiedene Obstbäume, eine Sibirische Quitte, Trauerbirke, Holunderbeerbüsche und noch mehr andere Bäume bieten Raum zum Nisten und Nahrung. Im Efeu, das sich am Urweltmammutbaum hochrankt, brüten Vögel. Wenn sich in der warmen Frühjahrssonne die Zapfen der Kiefer öffnen und die Samen blank liegen, ist das ein Festessen für Stieglitze.

Um den Schleiereulen einen passenden Brutplatz zu bieten, hat Kalhöfer vor vielen Jahren eine große Holzbox in den ehemaligen Taubenschlag einbauen lassen. An anderer Stelle auf dem Hof hat er Starenkästen angebracht, die auch wieder besucht sind, sowie Nisthilfen für Turmfalken, die derzeit ebenfalls brüten, „jedes Jahr haben sie fünf Junge“, freut sich der Landwirt. Normalerweise würden sie in alten Krähennestern brüten, hätten die Nisthilfe aber sofort angenommen. Selbst ein Schwarzstorch habe den Hof schon besucht und auf der Miste nach Nahrung gesucht, erklärt Erhard Kalhöfer. (md)

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