Promotion an der Uni Göteborg

Tobias Andermann aus Berndorf forscht in Schweden über Artenschwund

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Leben und arbeiten in Schweden: Der gebürtige Berndorfer Tobias Andermann beim Zelten in seiner Wahlheimat in Skandinavien.

Der 31-Jährige Tobias Andermann, der aus Twistetal-Berndorf stammt, forscht, arbeitet und lebt seit sechs Jahren in Göteborg.

Wenn Tobias Andermann von seiner Arbeit spricht, dann überschlagen sich seine Worte bald vor Enthusiasmus. Auch bei seinen Erzählungen von seinem Zuhause in Schweden mit einer reizvollen Küstenlandschaft, wo er mit seiner Frau gerne wandern geht und zeltet, lässt er seine Freude durchklingen.

Der 31-Jährige, der aus Twistetal-Berndorf stammt und regelmäßig die alte Heimat im „schönen Fleckchen Erde“ besucht, forscht, arbeitet und lebt nun seit sechs Jahren in Göteborg. So schnell wird ihn auch nichts von dort vertreiben, vermutet er. Zu gut sind die Umstände zum Leben und Arbeiten für Ausländer wie ihn und seine Frau Britt, die aus den USA kommt.

Naturverbunden: Tobias Andermann mit seiner Frau Britt in Schweden.

Gemeinsam haben sie sich nahe Göteborg ihren Lebensmittelpunkt ausgewählt und sind dort glücklich – auch zu dieser Jahreszeit, wenn es am Nachmittag sehr früh dunkel wird, bevor es überhaupt richtig hell geworden ist. Graue Wintertage nutzt Tobias Andermann verstärkt, um seine Forschung voranzutreiben. 

Der Biologe war als Master-Student nach Göteborg gekommen, wo alle Studiengänge auf Englisch angeboten werden und sich somit auch seine Lebensgefährtin, die Englisch als Muttersprache spricht, gut aufgehoben fühlte.

Verwandtschaftsverhältnisse von Tier- und Pflanzenarten

Mittlerweile promoviert Tobias Andermann seit vier Jahren im Bereich der Evolutionsbiologie. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Phylogenetik und erforscht das Verwandtschaftsverhältnis verschiedener Tier- und Pflanzenarten. 

„Unsere Forschungsgruppe entwickelt neue statistische Methoden.“ Es gebe bereits zahlreiche Datenbanken mit frei verfügbaren Daten, die es nun gelte in Meta-Analysen zusammenzufassen.

Diese Art der Grundlagenforschung – die Phylogenetik – sei in Schweden ein beliebtes Forschungsgebiet, berichtet er. Überhaupt trifft er im Land von Greta Thunberg den Zeitgeist. Als Bio-Informatiker sammelt er gemeinsam mit seinen Forschungsgruppen Daten aus der ganzen Welt und aus mehreren Jahrzehntausenden.

Junge Wissenschaftler: Tobias Andermann mit Forschern aus aller Welt in Madagaskar.

Diese wertet er aus, um zu verstehen, woher die Arten kommen, unter welchen Umständen sie sich fortentwickeln und was dazu führt, dass sie aussterben. „Wenn wir betrachten, wie zum Beispiel das Klima die Artenvielfalt beeinflusst hat, können wir aus der Vergangenheit lernen und verstehen, wie die Natur reagiert, wenn sich jetzt das Klima erwärmt.“

Ursachen fürs Aussterben

Er untersucht die Lebensumstände und Ursachen fürs Aussterben anhand von genetischen Daten und Fossilien – zurzeit arbeitet er mit Säugetierarten. Dabei werde unterschieden zwischen natürlichen Prozessen und solchen, die von Menschen beeinflusst werden. 

Seine ernüchternde Erkenntnis: „Sehr viele Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Wir verlieren zurzeit Arten in einer noch nie dagewesenen Rate. Die Ergebnisse sind schockierend, und doch schwer zu begreifen.“

Der menschengemachte Artenschwund falle gravierender und rascher aus als natürliche Aussterbe-Prozesse, die es schon immer gegeben habe. Er warnt: „Der Klimawandel ist nur ein Teil des Ganzen. Wir stecken vor allem in einer Biodiversitätskrise.“ Beides habe es schon immer gegeben.

Nur noch Inseln von Lebensräumen

Aber vor allem der Mensch verkleinere die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. In der Vergangenheit hätten Lebewesen, deren Verbreitung sich über riesige Areale erstreckte, die Chance gehabt in andere Bereiche auszuweichen. „Jetzt sind hingegen nur noch Inseln von Lebensräumen vorhanden.“

Viele Einflüsse bewirkten den aktuellen Verlust der Artenvielfalt, der laut den Wissenschaftlern sogar extremer ausfallen könnte als das aus wissenschaftlicher Sicht dramatische Aussterben der Dinosaurier. Ein Aspekt sei etwa der Handel mit seltenen, vom Aussterben bedrohten Tierarten. 

Er habe sich bereits damit abgefunden, dass „in 50 Jahren so viele Arten verloren gegangen sein werden, die wir heute kennen“, sagt Tobias Andermann.

Sein Appell: Ressourcen schonen

Diese Entwicklungen machen ihm Angst, gesteht er. Dennoch will er hoffnungsvoll sein und in den Willen der Menschen glauben, die Natur so weit es geht zu erhalten. „Daher ist es wichtig, auf Prozesse aufmerksam zu machen“, sagt Andermann. Denn jeder Verbraucher habe Einfluss und könne zum Beispiel über sein Konsumverhalten dazu beitragen, dass Ressourcen geschont würden.

„Wir Menschen schätzen und genießen Ökosysteme, die intakt sind und viele setzen sich deshalb dafür ein.“

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