Sorge um die Naturverjüngung der kranken Wälder

Twistetaler Gemeindeparlament: Das Damwild soll weg

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Die Jäger im Raum Twistetal sollen mehr Damwild schießen: Das fordern zumindest die Gemeindevertrete r quer durch alle Fraktionen, denn sie sorgen sich um die Zukunft des arg gebeutelten Gemeindewaldes. 

Der aktuelle schlechte Zustand des fast 300 Hektar großen Gemeindewaldes und die Chancen für eine nachhaltige Wiederaufforstung der durch Trockenheit und Borkenkäfer freigeräumten Flächen stehen im Mittelpunkt der Forstbetriebsplanung, die vom Landesbetrieb HessenForst aufgestellt und vom Gemeindeparlament diskutiert wurde.

Twistetal. Der Gemeindewald sei immer eine sichere Bank für die Gemeinde gewesen und habe über Jahrzehnte gleichbleibende Erträge für die Gemeindekasse abgeworfen, stellte dazu der SPD-Gemeindevertreter Günter Lindenborn fest. Nun sei es wichtig auf den ehemals von Fichten bewachsenen Flächen Baumarten zu pflanzen, die gute Chancen hätten, unter den veränderten klimatischen Bedingungen langfristig zu bestehen.

Allerdings seien großflächige Neuanpflanzungen und der Schutz durch Wildgatter nicht zu finanzieren. Die Gemeinde müsse auf Naturverjüngung setzen. Die aber könne nur gelingen, wenn sich das Damwild nicht so ungehindert wie in den vergangenen Jahren vermehren könne.

Wiederaufbau des Waldes hat Vorrang

Hier seien die Jagdpächter gefordert, ihre Abschussquoten zu erfüllen. Deshalb beantrage die SPD, dass sich der Gemeindevorstand mit den Jagdpächtern zusammensetze und auf die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen dränge.

Dem stimmte auch die Grünen-Vertreterin Ilka Deutschendorf zu: Das Ausmaß der Verbissschäden sei erschreckend. Deutschendorf: „Naturverjüngung bedeutet Zukunft. Die Wildschäden bedrohen die Zukunft unseres Waldes“, warnte Deutschendorf. Der Wiederaufbau des Waldes sei im Interesse aller Bürger. Vor diesem Hintergrund sei es unerträglich, dass einzelnen Jagdpächter nicht ihren Verpflichtungen nachkämen, die Abschussquoten zu erfüllten.

Am besten  „komplett zu eliminieren“

Einzelne Jagdpächter hätten seit vielen Jahren eine Freude daran, sich eine Wildtierherde aufzubauen. Dabei gehöre Damwild einfach nicht in diese Gegend. Der Gemeindevorstand und die Jagdaufsichtsbehörde müssten Druck auf die Jagdpächter ausüben.

In die gleiche Kerbe schlug der SPD-Gemeindevertreter Patrick Paul, der sogar forderte, das Damwild in den Twistetaler Wäldern „komplett zu eliminieren“. Manche Jagdpächter argumentierten, das Damwild sei ein „schönes Reh, das gut schmecke“. Deshalb könne es sich in Twistetals Wälder ruhig vermehren. Aus waldbaulicher Sicht forderte Paul jedoch: „Das Damwild muss weg!“

Kahlschlag nach Trockenschäden

Bürgermeister Stefan Dittmann bemühte sich, den Dampf aus der Diskussion zu nehmen. Die Jagdbehörde beim Landkreis habe bestätigt, dass zumindest in einigen Revieren in Twistetal die Abschusspläne erfüllt würden. Für die Verbissschäden würden Ausgleichszahlungen gelistet. Im Übrigen verstünden sich die Jäger als Naturschützer. Die Hauptschäden im Wald würden durch den Borkenkäfer verursacht, so Dittmann.

Der nachgerückte CDU-Gemeindevertreter Friedrich Jäger bestätigte jedoch, dass die Damwild-Populationen vor allem in Berndorf so groß geworden seien, dass sie durch die normale Jagd nicht mehr in den Griff zu bekommen sei. Manche Jagdpächter machten sich über die Klagen aus dem Gemeindeparlament lustig. Nun müssen alleine in Berndorf 25 Hektar Kahlschlag nach Trockenschäden wieder aufgeforstet werden. Das sei von der Gemeinde nicht zu finanzieren.

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