24-jährige Julia Schnatz arbeitet in Kenia

Twistetalerin absolviert Praktikum in Deutscher Botschaft in Nairobi

Den eigenen Horizont erweitern: Julia Schnatz (Zweite von links) mit weiteren Praktikanten in der Deutschen Botschaft in Nairobi. Fotos: pr/Julia Schnatz

Twistetal/Nairobi.  In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ berichten wir über die 24-jährige gebürtige Berndorferin Julia Schnatz und ihre Erfahrungen in Kenia.

Afrika ist nicht gleich Afrika: Die einzelnen Länder des Kontinentes unterscheiden sich so sehr, dass sich Julia Schnatz davon selbst ein Bild machen wollte. Ihre Bewerbung beim Auswärtigen Amt um einen Praktikumsplatz in der Deutschen Botschaft in Kenia glückte. Und so arbeitet die 24-jährige gebürtige Berndorferin derzeit in der dortigen Hauptstadt Nairobi.

Wenn morgens zur Rushhour die Drei-Millionen-Stadt im Verkehrslärm fast erstickt, bahnt sich Julia Schnatz ihren Weg zu Fuß zur Botschaft. Vorbei an hupenden Mopedfahrern und qualmenden Autos, die über Schlaglöcher knattern. „Diese Stadt ist so groß wie Berlin, es gibt aber kaum öffentliche Verkehrsmittel“, berichtet sie uns übers Handy. Die „WhatsApp“-Telefonie klappt hervorragend – die Internetverbindung ist stabil.

In dieser Hinsicht wie auch bei vielerlei weiteren Aspekten sind die Kenianer fortschrittlich. Zumindest im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern. „Hier gibt es eine Skyline. Das erwarten wir nicht von einer afrikanischen Stadt.“ Nichtsdestotrotz sind Armut und Korruption weit verbreitet. „Das Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land ist riesig.“ Laut Weltbank leben mehr als 40 Prozent der Kenianer in Armut.

Armut ist ein Thema, das den Arbeitsalltag von Julia Schnatz dominiert. Denn sie ist hier im Referat für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung tätig und beschäftigt sich mit der Zusammenarbeit der Entwicklungspartner mit Kenia und Somalia. Auf Deutsch und Englisch verständigt sie sich, zum Beispiel in Konferenzen mit Institutionen wie UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, das seinen Hauptsitz in Nairobi hat.

Julia Schnatz will sich ihre eigene Meinung über Entwicklungsarbeit bilden. Wie sinnvoll ist die Unterstützung? Was bewirkt sie? Wo kommen die Millionen an, die aus Deutschland und anderen Ländern in Hilfsprojekte fließen?

Seit April ist die Studentin der Politik und Wirtschaft in Nairobi. Bis Ende Juni, also drei Monate lang, wird sie dort bleiben. Sie ist sich sicher, dass sie die Erfahrungen dort gut auf ihren nächsten großen Schritt vorbereiten werden: das Master-Studium der Entwicklungsökonomik an der Universität Oxford, das sie im Oktober beginnen wird.

In Kenia erlebt sie hautnah, wovon sie einige Semester lang in Vorlesungen hörte und in Büchern las. „Hier sehe ich die Herausforderungen und Probleme“, sagt Julia Schnatz.

Die Einblicke, die sie dort bekommt, werden sie und ihren Blick auf die Welt prägen. „Ich bin überrascht davon, wie intensiv die Abstimmung zwischen Deutschland und den anderen Entwicklungspartnern wie England und den USA verläuft.“

Außerdem findet sie es interessant zu sehen, wie die Verwaltungsarbeit zum Beispiel innerhalb der kenianischen Ministerien abläuft. Da geht es schon mal etwas chaotischer und langsamer zu als sie es von Deutschen kennt.

Das meiste nimmt die Studentin aus den Begegnungen mit den Menschen vor Ort mit, sagt sie. Mit anderen Praktikanten in der Botschaft wird sie in den Monaten in Kenia Ausflüge unternehmen. Zu ihrem Geburtstag wollte sie unbedingt eine Safari im Nationalpark Maasai Mara, einem Teil der Serengeti, machen. „Vielleicht sehe ich dann Zebras.“

Wichtig ist ihr auch, die Mentalität der Kenianer kennenzulernen. Neben Deutschen sind auch Kenianer in der Botschaft beschäftigt. Und über ihre Vermieter hat Julia Schnatz bereits „echte“ Kenianer getroffen. „Ich gehe auch in Bars, wo die Einheimischen sind.“

Sicherheit und Kriminalität

Nach der Ankunft in Nairobi hat Julia Schnatz als Praktikantin der Deutschen Botschaft ein Sicherheits-Briefing bekommen. Nachts durch die Stadt zu laufen ist dort aus Sicherheitsgründen nicht möglich, berichtet sie. „Man muss sich erst daran gewöhnen, dass das Leben dadurch weniger selbstbestimmt ist.“ 

Das Auswärtige Amt warnt generell vor Terroranschlägen und bewaffneten Übergriffen in dem ostafrikanischen Land Kenia. Gewisse Stadtteile Nairobis wie etwa die Slum-Gebiete sollten Reisende grundsätzlich meiden. „Kenia ist eines der korruptesten Länder überhaupt“, erzählt Julia Schnatz. Auch unter Regierungsmitgliedern und Polizisten sei dies verbreitet. Besonders in der Entwicklungsarbeit könne das sehr frustrierend sein. 

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