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Südanbindung nach Protesten aus Plan für Umgehungsstraße Twiste gestrichen

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Von: Armin Haß

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Schwerverkehr in der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 252 Twiste. Durch eine Umgehungsstraße wird der 1200-Seelen-Ort deutlich entlastet.
Schwerverkehr in der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 252 Twiste. Durch eine Umgehungsstraße wird der 1200-Seelen-Ort deutlich entlastet. © Armin Haß

110 Bürger informieren sich seit Donnerstagnachmittag bei einer zweitägigen Veranstaltung von Hessen Mobil über die neuesten Pläne für die Südumgehung von Twiste.

Twistetal-Twiste – Wichtigste Änderung ist der Fortfall der südlichen Anbindung der Umgehungsstraße in ein Wohngebiet. Damit wurde dem von einer Bürgerinitiative vorgetragenen Einspruch von Anwohnern Rechnung getragen, wie Simone Putscher vom Fachdienst Planung bei Hessen Mobil berichtete.

Der Verlauf der Trasse

Die 4,6 Kilometer lange Trasse der Umgehung soll am Umspannwerk Twistetal von der jetzigen B 252 (Umgehung Mengeringhausen) südlich in den Korridor der jetzigen Landesstraße 3118 geführt und um den Berggrund in südwestlicher Richtung südlich um die Ortslage herum bis hinter den westlichen Bahnübergang geführt und an die vorhandene B 252 nach Korbach angebunden werden.

Für die 4,6 Kilometer lange Trasse sind acht Brücken-Bauwerke erforderlich: die längste Brücke mit 212 Metern und sechs Stützen führt über die Kreisstraße 12 (Berggrund an der alten Spulenfabrik vorüber. Weitere größere Bauwerke sind mit 48,5 Metern über den Weg nach Rocklinghausen und südlich des Baugebietes Auf dem Schilling erforderlich.

Neue Hauptgasleitung

Um eine Hauptgasleitung der Energie Waldeck-Frankenberg nicht sechsmal kompliziert queren zu müssen, wird die EWF eine 2,7 Kilometer lange neue Leitung mit einer neuen Gasdruckregelanlage bauen.

Die Erdmassen werden zur Modellierung des Geländes verwendet, daher sind keine weiteren Lkw-Fahrten erforderlich und müssen keine weiteren Erddeponien angelegt werden. Das hat auch den Vorteil, dass zusätzliche Erdwälle gebaut werden können , um den Lärmschutz zu verbessern. Das führt zu einer Senkung um bis zu zehn Dezibel. Drei Dezibel bedeuten die Verdoppelung der Verkehrsmenge, wie Simone Putscher erklärt.

Innovation bei Entwässerung

Innovativ wird das Problem der Entwässerung der acht Meter breiten Straße gelöst: So sollen keine Regenrückhaltebauwerke in die Landschaft gebaut werden, sondern kann das Wasser von den Straßen in die speziell mit Filterschichten unterfütterten Seitengräben abfließen und auf natürlichem Wege von Ölen oder anderen Stoffen gereinigt langsam versickern. Damit wird das Wasser gleichmäßig ins Grundwasser geführt und nicht über teurere Bauwerke etwa in die Twiste.

Insgesamt 40 Hektar Fläche werden für die Umgehungsstraße in Anspruch genommen. 35 Hektar davon sind landwirtschaftlich genutzte Flächen, ein Teil davon nur temporär während der Bauarbeiten.

Flurbereinigung geplant

Um einen Ausgleich zu schaffen, wird unter der Regie des Amtes für Bodenmanagement eine Flurbereinigung stattfinden. Darin eingebunden ist die für den Grunderwerb zuständige Hessische Landgesellschaft.

Um die Eingriffe in die Natur abzumildern, wurde ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt. Dazu wurden Lebensräume von verschiedenen Säugetieren, Vögeln, Insekten und Reptilien. Ein Beispiel für eine Schutzmaßnahme sind sogenannte Irritationsschutzwände, die Fledermäuse davon abhalten, in den Verkehrsraum zu fliegen.

Naturschutz

Analysiert wurden auch mögliche Horstbereiche von Greifvögeln und deren mögliche Flugbahnen im Bereich des Trassenlaufs.

Aufgrund der Corona-Pandemie bietet Hessen Mobil Bürgern in Gruppen zu je zehn Personen detaillierten Einblick in die Pläne für die Umgehungsstraße 252. Das habe sich bereits bei der Informationsveranstaltung Ende 2021 für die Umgehung Burgwald bewährt, wie Pressesprecher Dr. Hellwig Kamm und Simone Putscher, Fachdienst Planung, berichten.

Schwerverkehr aus dem Ort raus

Zu den bis Donnerstag um 19 Uhr angemeldeten Gruppen zählte am frühen Abend der Ortsbeirat von Twiste.

Die Kosten für die Umgehung werden mittlerweile mit 40 Millionen Euro beziffert. Dafür wird die Belastung der Ortsdurchfahrt mit 1900 Lastwagen und 11900 Pkw (Zahlen von 2015) auf 40 bis 80 Lkw und 850 bis 1150 Pkw deutlich gesenkt.

So geht es weiter

Die Straße ist im vordringlichen Bedarf eingestuft. Die aktuellen Planungsunterlagen gehen an das Verkehrsministerium, in dem ein Sichtvermerk erfolgt und eine Kostenberechnung. Dann wird das eigentliche Planänderungsverfahren beim Regierungspräsidium eingeleitet und erfolgt die Anhörung der Träger öffentlicher Belange und der Bürger.

Vom RP gehen die Unterlagen mit einem Bericht an das hessische Wirtschaftsministerium. Das entscheidet über die Planfeststellung und muss dazu alle öffentlichen und privaten Belange abwägen. Von der Planfeststellung bis zum Baurecht vergehen allgemein drei Jahre, wenn keine Klage erhoben wird.

Weitere Informationen

Alle wesentlichen Inhalte der vorgestellten Planung können in Kürze auch online unter www.mobil.hessen.de eingesehen werden. Weitere Auskunft beim Regionalbüro Bad Arolsen, E-Mail: nordhessen@mobil.hessen.de oder Telefon: 05691/893100. (Armin Haß )

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