Seit fast 60 Jahren Darbietungen unter freiem Himmel

Gute Unterhaltung auf der Freilichtbühne Twiste garantiert

 Twistetal Twiste – Wenn es die Freilichtbühne in Twiste nicht gäbe, dann müsste sie erfunden werden. Seit fast 60 Jahren bringen die Twister hier jeden Sommer zwei Stücke auf die Bühne, die für beste Unterhaltung unter freiem Himmel garantieren.

Ganze Generationen von Schauspielern haben hier freies Sprechen und sicheres Auftreten vor großem Publikum gelernt. Heute zählt die Freilichtbühne 425 Mitglieder, davon 180 aktive hinter und auf der Bühne.

"Man muss verrückt sein"

„Wir haben drei Kategorien von Mitgliedern: Passive, aktive und verrückte.“ Das bekennt Regisseur Karl-Heinz Röhle.

Verrückte, das seien diejenigen, die Woche um Woche, Stunde um Stunde investierten, um ein gutes Stück auf die Bühne zu bringen. Familienurlaube würden um die Aufführungen herum geplant.

100 Probenstunden

Für ein normales Theaterstück seien gut und gerne an die 100 Probenstunden nötig. Für die Aufführungen mit Gesang, die seit einigen Jahren auf der Freilichtbühne Twiste Konjunktur haben, seien zusätzliche 400 Stunden für Gesangs- und Tanzproben nötig.

Man müsse also schon ein wenig „verrückt“ sein, um so viel zeitlichen Einsatz freiwillig und ohne jede Vergütung zu leisten.

Davon  schwärmen sie

 Dafür aber sei die Stimmung im Freilichtbühnenverein unvergleichlich gut, schwärmt Theo Berlitz. Alt und Jung stellten gemeinsam etwas auf die Beine und alle verstünden sich prächtig. Jeder werde respektiert, auch die Mitspieler mit Handicaps.

Berlitz: „Andere graben Löcher im Garten und werfen mit Bällen. Wir brennen für die Freilichtbühne.“

Das zieht bei Zuschauern

Und diese volle Hingabe spüren auch die Zuschauer, die jedes Jahr im Sommer zur Freilichtbühne pilgern. Zwar erreichen die Besucherzahlen nicht mehr ganz das Niveau von vor 50, 60 Jahren, aber auch heute kommen zu den meisten Aufführungen 300 bis 400 Zuschauer ins Bachteringhäuser Tal.

In den Anfangsjahren wurden auch mal über 900 Zuschauer hier gezählt. Aber das waren andere Zeiten. Die Konkurrenz der Wochenendunterhaltung war noch nicht so groß. Damals konnte die Twister Freilichtbühne noch mit Schwänken aus dem Millowitsch-Theater punkten. Das „Wirtshaus im Spessart“, und der „Fröhliche Weinberg“ locken aber heute kaum mehr die Massen ins Theater. Angesagt sind jetzt moderne Stücke, gerne auch als Musical. Mit der „Heißen Ecke“ und „Schlager lügen nicht“ trafen die Twister Schauspieler 2016, 2017 und 2018 genau den Nerv ihres Publikums. Und auch das aktuelle Stück „Currywurst mit Pommes“ scheint mit seinen Urlaubsgeschichten sehr gut anzukommen.

Was wollen Kinder sehen?

Auch bei den Kinderstücken ist es nicht immer einfach, den Geschmack des Publikums zu treffen. Grimms Märchen sind für die Kleinen gut, aber Jugendliche fühlen sich davon weniger angesprochen. Daher die Stücke Ronja Räubertochter“, „Das Dschungelbuch“, „Die kleine Hexe“ oder wie dieses Jahr „Der kleine Tag“.

Bei der Auswahl der Stücke können zwar alle mitreden, aber die Regisseure geben in aller Regel die Richtung vor. „Die Verlage schicken uns regelmäßig ihre neusten Stücke zur Ansicht“, erzählt Theo Berlitz. Anregungen holen sich die Bühnen auch bei ihrem Bundesverband: „Man tauscht sich aus, welches Stück gut lief und schaut sich fremde Inszenierungen an. Anregungen darf man sich ja holen.“

Die nächsten Vorhaben

Glücklich sind die Macher von der Freilichtbühne über die Chance, mit Fördermitteln aus dem europäischen Leader-Programm endlich die notwendigen Renovierungen begonnen zu haben.

Der Anfang wurde mit dem Bau einer modernen Toilettenanlage gemacht. Berlitz: „Bisher mussten wir unsere Pausen ja immer von der Länge, der Schlangen an der Toilette abhängig machen. Diese Schlangen dürften nun kürzer werden.“

Das bringt mehr Komfort

Auch die neuen Sitzbänke seien eine spürbare Verbesserung für die Zuschauer. Ebenfalls verbessert wurden die Wege zu den Zuschauerreihen.

Nach der Sommersaison soll die zweite Phase der Umbauarbeiten beginnen. Die Schleichwege hinter den Kulissen sollen sicherer gemacht werden. Außerdem sind Verbesserungen am Technikturm geplant. All das sind Investitionen in die Zukunft, die die Fortbestand der Bühne garantieren.

Wie eine große Familie

Davon profitieren soll die neue Generation der Darsteller. Der zehnjährige Finn Bracht ist in der dritten Spielzeit mit dabei. Er genießt die Proben und die Aufführungen.

Für ihn ist die Freilichtbühne wie ein großer Abenteuerspielplatz, auf dem er sich so richtig austoben kann und dafür auch noch Applaus erntet.

Gemeinsam sind sie stark

Und es ist dieses Miteinander von Jung und Alt, das den Mitwirkenden so gut gefällt: „Wir sind hier alle wie in einer großen Familie“, schwärmt auch Finns Mutter Nadine Bracht. Und Regisseur Karl-Heinz Röhle ergänzt: „Wo gibt es das schon, dass so alte Leute wie wir zu einer Hausparty von Jugendlichen eingeladen werden?“

Das funktioniere nur, weil sich auf der Freilichtbühne alle mit gegenseitigem Respekt begegneten. Und es helfe eben auch, dass alle Theaterleute ein wenig verrückt seien.

Das sind die Ursprünge

Die Freilichtbühne Twiste ist 1960 zur 1100-Jahr-Feier der Gemeinde Twiste entstanden. Kern der Feierlichkeiten war die Aufführung des Historien-Stücks „Die Herren von Twiste“. Das Festspiel war so ein Erfolg, dass sich die Darsteller entschieden, im folgenden Jahr ein neues Stück aufzuführen: „Wallensteins Lager“.

 Bis 1975 wurden die „Herren von Twiste“ in lockerer Folge noch weitere drei Mal aufgeführt. Seit 1975 ist im Sommer regelmäßig Theater auf der Waldbühne, die der Freilichtbühne von der Waldeckischen Domanialverwaltung zur Verfügung gestellt wurde. Den Anfang machten die Theaterfreunde 1975 mit dem Stück „Das Wirtshaus im Spessart“.

Das erste Stück für Kinder

 1980 wurde mit Aschenputtel das erste Kinderstück einstudiert. Seitdem gehören Märchenaufführungen zum Markenzeichen der Freilichtbühne: Schneewittchen und Dornröschen oder die Bremer Stadtmusikanten.

 Aufgeführt wurden auch der Teufel mit den drei goldenen Haaren, die kleine Hexe, Kalif Storch und viele mehr. Untrennbar mit der Freilichtbühne verbunden ist der Name des langjährigen Regisseurs Eduard Thielemann. 

Die nächsten Termine

Das Abendstück „Currywurst mit Pommes“ wird zu diesen Terminen auf der Freilichtbühne Twiste aufgeführt: Samstag, 27. Juli, 3. und 10. August, Freitag, 16. August, Samstag, 17. August, Mittwoch, 21. August und Freitag 23. August, jeweils ab 20 Uhr. 

Das Kinderstück „Der kleine Tag“ ist am Sonntag, 28. Juli, um 14 Uhr und am Mittwoch, 31. Juli, um 17 Uhr zu sehen, außerdem am Sonntag, 4. und 11. August, jeweils um 14 Uhr, am Mittwoch, 14. August, um 17 Uhr, sowie am Sonntag, 18. und 25. August, jeweils um 14 Uhr.

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