Um Havarie zu verhindern, wird das Gas kontrolliert vernichtet

Wilke Wurst: Ammoniak aus Kühlung  verbrannt - Firma klagt, um Kosten nicht tragen zu müssen

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Zwei Brenner stehen auf dem Hof der Firma Wilke. In ihnen wird das Ammoniak verbrannt. Um die Nachbarschaft vor dem hohen Ton zu schützen, der dabei erzeugt wird, stehen Lkw und Container um die Brenner herum. 

Gut drei Tonnen Ammoniak werden seit Dienstag bei Wilke Wurstwaren in Berndorf abgebrannt.

Update am 28.11.2019, 17.36 Uhr: Nachdem  insgesamt gut fünf Tonnen Ammoniak aus den Kühlsystemen verbrannt wurden, hat Wilke jetzt Klage beim Kasseler Verwaltungsgericht eingereicht. „Die Firma begehrt die Feststellung, dass diese Anordnung rechtswidrig ist, um die Kosten für diese Maßnahme nicht tragen zu müssen“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. 

Wann in der Sache eine Entscheidung fällt, sei derzeit noch nicht absehbar. Noch Wochen nach der Schließung des Betriebs lief der Strom bei Wilke in Berndorf, andernfalls hätte es durch das Ammoniak zu einer Havarie kommen können.

Wilke Wurst: Tonnenweise Ammoniak aus Kühlung wird verbrannt

Erstmeldung am 19.11.2019, 11.57 Uhr: Das Gas steckt noch in den Kühlsystemen – und war der Hauptgrund, warum der Strom in dem stillgelegten Betrieb bisher nicht abgestellt wurde: Wird das Ammoniak nicht gekühlt, kann es die Behälter zum Bersten bringen.

Auf dem Hof hinter dem Betrieb haben zwei Spezialfirmen zwei große Brenner aufgestellt, jeweils gut 2,50 Meter hoch. Angeschlossen daran ist unter anderem eine Mess-Station, ein Schlauch führt aufs Dach des Betriebs. Darüber wird das Ammoniak zu den Brennern geleitet, über die es schließlich verbrannt wird. 

Rund 300 Kilo schaffen die Brenner in der Stunde, sagt Timo Mänz, der beim Regierungspräsidium in Kassel im Bereich Arbeitsschutz arbeitet. Sein Kollege Klaus-Dieter Stichnoth aus der Abteilung Immissionsschutz hat die Verbrennung veranlasst. Damit soll, so erklärt er, der Schutz der Allgemeinheit sichergestellt werden.

Lkw und Anhänger als Schallschutz

„Die Verbrennung ist die unschädlichste Art, das Ammoniak zu entsorgen“, sagt Stichnoth. Es sei nicht gefährlicher als der Betrieb eines Gaskochers, sagt der Mitarbeiter einer Spezialfirma. Flammen sind nicht zu sehen, dafür ist ein hochfrequenter Ton zu hören. Damit der nicht die Nachbarschaft störe – unter anderem die Grundschule – seien mehrere Lkw und Anhänger um die Brenner herum aufgestellt worden, sagt Stichnoth. Diese würden den Lärm absorbieren. Auswirkungen auf die Umwelt habe die Verbrennung nicht.

Spätestens am Ende der Woche sollen die 4000 Liter Ammoniak abgebrannt sein. Beaufsichtigt wird der gesamte Vorgang von den beiden Mitarbeitern des RP und denen der Spezialfirmen. Ihre Blicke richten sich dabei vor allem gen Himmel, unter anderem auf einen Windsack, der auf dem Dach des Betriebs angebracht wurde. Weht der Wind zu stark, muss abgebrochen werden, erklärt Stichnoth. Denn dann könne die Flamme ausgehen, das Gas würde herausströmen, ohne dass es verbrannt würde.

Kosten übernimmt das Land - vorläufig

Mehrfach werde am Ende kontrolliert, ob das gesamte Ammoniak aus den Kühlsystemen entfernt wurde. Unter anderem gebe es Sensoren, die die Werte in der Anlage messen. Zudem werde zum Schluss Stickstoff durch das System geleitet. Das dränge auch die letzten Reste des Ammoniaks heraus.

Kosten wird das alles eine mittlere fünfstellige Summe, sagt Klaus-Dieter Stichnoth. „Das ist auch abhängig von der Dauer.“ Muss wegen des Wetters mehrmals abgebrochen werden, dauert die Verbrennung länger und die Kosten steigen. Zunächst werde das Land dafür aufkommen. Später werde versucht, das Geld von Wilke einzutreiben. Gelinge das nicht, „kommt letztlich die Allgemeinheit dafür auf“. Die Firma Wilke war nach einem Listerien-Skandal, dem bisher drei Todesopfer zugeschrieben werden, geschlossen worden. Mittlerweile liegt der Abschlussbericht vor und der enthüllt eine mangelhafte Kontrolle.

Wilke-Skandal: Nur neun der vorgeschriebenen 22 Kontrollen haben stattgefunden

Der Wurstwaren-Hersteller Wilke wurde trotz hoher Risikoklasse zu selten kontrolliert. Wurden die Kontrolleure zudem bei ihren Besuchen getäuscht?

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