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Twister holt Kriegsflüchtlinge nach Deutschland: „Wir bringen euch in Sicherheit“

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Von: Julia Janzen

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Zelt, Flüchtlinge, Hilfsorganisation
An der Grenze zwischen der Ukraine und der Slowakei sind Hilfsorganisationen im Einsatz, Geflüchtete warten dort auf Hilfe. © Marco Haselkamp/privat

19 Ukrainer sind dank des gebürtigen Twisters Marco Haselkamp und seiner Freunde in Sicherheit in Deutschland. Zwei Mal waren die Helfer an den Grenzen des Landes, um Geflüchtete zu holen. Eine dritte Tour ist geplant. Dafür hoffen sie auf Hilfe aus Waldeck-Frankenberg.

Twiste/Polen/Slowakei – Die Idee, vor dem Krieg geflohene Ukrainer in Sicherheit zu bringen, sei spontan gekommen, erzählt Marco Haselkamp, geborener Trotte. Mit seinem Kollegen und Freund Mike Hermann hatte er vergangenes Jahr nach der Flut im Ahrtal angepackt, Anfang März entschieden sie dann, nun wieder zu helfen.

Die erste Fahrt wurde schnell organisiert: Die Helfer riefen in den sozialen Medien dazu auf, Kleidung, Medikamente und Lebensmittel zu spenden, nahmen spontan Urlaub und ein Unterstützer stellte einen Neunsitzer bereit. Mit dem ging es rund 1400 Kilometer bis zur Grenze zwischen Polen und der Ukraine.

Menschengruppe mit Fahrzeug im Hintergrund
Starke Truppe: Marco Haselkamp (Vierter von links) und Oleg Doroch (Dritter von rechts) vor der zweiten Fahrt in die Ukraine. © privat

„Dort haben wir uns zunächst durchgefragt“, sagt Haselkamp. Sicherheitspersonal habe sie bis zu einem riesgien Gelände gelotst, auf dem bereits unzählige Menschen gewartet hätten. Was sie dort gesehen haben, hat sie tief bewegt: In Bussen seien viele Ukrainer untergebracht worden „wie im Viehwaggon, das war erschreckend.“ Polnische Soldaten nahmen die Hilfsgüter entgegen und Haselkamp und sein Freund stellten sich an den Rand des Geschehens, mit beschrifteten Schildern in der Hand.

Übersetzt habe dort gestanden „Mitfahrgelegenheit nach Deutschland“ und „Wir bringen euch in Sicherheit“. Geschrieben hatte sie ein ehemaliger Kollege des Twisters, Oleg Doroch, selbst Ukrainer. Er war bei der ersten Fahrt der wichtigste Unterstützer im Hintergrund, war als Übersetzer ständig am Telefon, sprach mit den Geflüchteten, die auf die Deutschen zukamen. Vier Frauen und Mädchen und zwei Jungs nahmen sie schließlich mit zurück.

In dicke Decken eingepackt – minus zehn Grad war es dort – seien die Ukrainer schon nach wenigen Minuten eingeschlafen vor Erschöpfung, „sie alle waren seit Tagen auf den Beinen“. Haselkamp und Mike Hermann aber hätten „unter Strom gestanden“. Sie fuhren die Nacht durch.

Zurück in Deutschland brachten sie die Flüchtlinge gleich in ihre neuen Bleiben, die die Helfer ebenfalls über die sozialen Medien organisiert hatten. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, wo Marco Haselkamp selbst lebt, seien sie untergekommen. Und schon an dem Tag, an dem sie zurück in Deutschland waren, fiel die Entscheidung, noch einmal Kriegsflüchtlinge zu holen.

Dieses Mal fuhren sie mit drei Fahrzeugen und sieben Fahrern an die Grenze der Slowakei zur Ukraine. Und wieder waren die Autos bis unters Dach voll mit Hilfsgütern. Die Resonanz sei unglaublich gewesen. Privatpersonen, Kindergärten und Unternehmen hätten sie mit Spenden unterstützt. Zwölf Frauen und Mädchen, einen Jungen und einen Hund haben die Helfer geholt.

Mann geht durch eine Flüchtlingsunterkunft, in der viele Liegen stehen
Zweckmäßig: So sind viele Geflüchtete an den Grenzen untergebracht. © Marco Haselkamp/privat

Emotional seien die Touren und das Drumherum „ein Brett gewesen“, sagt Haselkamp: Das Leid der Menschen, die fliehen und oft Angehörige zurücklassen mussten, aber auch die große Hilfsbereitschaft derer, die gespendet und Wohnraum zur Verfügung gestellt haben.

Am 24. März werden sie wieder aufbrechen. „Wir haben so viel Leid und Elend gesehen. Und wenn wir es schaffen, einen ganz kleinen Teil der Menschen vor Flüchtlingscamps zu bewahren, machen wir weiter“, sagt der 39-Jährige. Voraussetzung sei, dass es weiterhin genügend Wohnraum gebe. Haselkamp hofft deshalb, dass auch Waldeck-Frankenberger bereit sind, Ukrainern Zuflucht zu gewähren. Wer Möglichkeiten hat, meldet sich bei ihm per Mail mail@haselkamp.de und schreibt, wie viele Personen für welchen Zeitraum untergebracht werden könnten. Wer die Fahrten finanziell unterstützen möchte, für Sprit und Zwischenübernachtungen, kann das per PayPal machen ebenfalls über diese Mailadresse. (jj)

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