Land Hessen fördert Entwicklung in Berndorf

Zuschuss für Abriss bei Wilke macht Weg frei für Millioneninvestitionen

Bauschutt und ein Kanalrohr vor der Kulisse der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf.
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Einen Zuschuss für den Abbruch der ehemaligen Wurstfabrik Wilke hat die Gemeinde Twistetal bekommen. Dies ist aber nur der Lagerplatz einer anderen Baustelle.

Der Abriss der klobigen Betongebäude, die den Ortskern von Berndorf prägen, ist finanziert. Der Abriss der ehemaligen Wurstfabrik Wilke kann nun konkret geplant werden.

Der gebürtiger Berndorfer Jens Deutschendorf hat gestern in seiner Eigenschaft als Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium einen Zuschussbescheid über 1,5 Millionen Euro für den Abriss und die Neugestaltung des rund 30 000 Quadratmeter großen Geländes überbracht. Das Geld stammt aus dem europäischen EFRE-Fonds für regionale Entwicklung und ist zum Abbruch der Gebäude und der versiegelten Flächen bestimmt.

Bereits am Mittwoch hatte Landrat Dr. Reinhard Kubat dem Twistetaler Bürgermeister Stefan Dittmann einen Zuschussbescheid über 500.000 Euro aus dem Strukturfonds überreicht.

Gemeinde unbeteiligt in schwierige Lage geraten

„Das ist der höchste Zuschuss, den die Gemeinde Twistetal jemals erhalten hat“, kommentierte der Rathauschef die finanzielle Zuwendung aus Wiesbaden und fügte hinzu, dass die kleine Gemeinde ohne die Unterstützung aus Wiesbaden, Korbach und Europa gar nicht in der Lage sei, die Mammutaufgabe Wilke-Gelände zu stemmen.

Jens Deutschendorf (rechts) hat als Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium einen Zuschussbescheid über 1,5 Millionen Euro zur Finanzierung des Abrisses der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf an Bürgermeister Sefan Dittmann überbracht.

Dittmann: „Die Gemeinde Twistetal ist ganz unbeteiligt in die Situation geraten, dieses große Grundstück entwickeln zu müssen. Wir haben uns redlich bemüht, Lösungen zu finden.“ In den Gremien sei lange über alle Details diskutiert worden, aber am Ende sei man zu einem einstimmigen Beschluss gekommen. Nun gebe es noch viele Details zu klären, etwa zu möglichen Altlasten auf dem Gelände und zur Baupreisentwicklung.

Abriss ist ein Gewinn für Berndorf

Staatssekretär Deutschendorf ermunterte den Bürgermeister dazu, nicht nur die Herausforderungen zu sehen, sondern auch die großen Chancen, die mit der Umgestaltung des Wilke-Geländes verbunden seien: „Ich glaube, dass hier große Potenziale liegen.“

Allein der Abriss des unschönen Baukörpers unmittelbar an der Ortsdurchfahrt sei schon ein Gewinn für Berndorf. Und wenn dann noch neue Wohnungen und Gewerbeflächen entstünden, könne langfristig auch die Gemeindekasse profitieren. Zunächst gelte es, sichtbaren Verfall zu verhindern.

Grundstückskauf war wichtige strategische Entscheidung

„Die strategische Entscheidung, das Wilke-Gelände in Berndorf zu kaufen, war richtig.“ Das stellte gestern noch einmal der Stadtplaner Ulrich Türk von der NH-Projektstadt GmbH fest. Ohne selber Eigentümerin der rund 30 000 Quadratmeter großen Fläche an der Ortsdurchfahrt von Berndorf zu sein, habe die Gemeinde überhaupt keinen Einfluss auf die künftige Entwicklung dort. So aber halte die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand.

Das sieht offenbar auch die hessische Landesregierung nicht anders, denn sonst hätte sich Staatssekretär Jens Deutschendorf nicht für die städtebauliche Entwicklung in seinem Heimatdorf einsetzen und einen Zuschuss für den Abriss der mächtigen Wilke-Produktionsstätten zusagen können.

Investitionen sind rentabel

Die Planer der NH-Projektstadt rechnen damit, dass sich auf dem weitläufigen Gelände Investitionen von rund 60 Millionen Euro verwirklichen lassen. Dazu gelte es, Investoren zu suchen, die gewillt seien, Gewerbeflächen, Mehrfamilienhäuser und Altenwohnungen zu errichten.

Die Berechnungen der NH-Projektstadt sprechen dafür, dass diese Investitionen rentabel sein müssten. Der Bedarf an Wohnungen für Senioren und junge Familien sei groß im Raum Korbach. Und auch Gewerbeflächen würden gesucht.

Tiefgarage ohne Mehrkosten machbar

Das Areal an der Ortsdurchfahrt sei bereits gut mit Kanalleitungen erschlossen. Das drücke die Kosten. Außerdem böte sich der Bau einer Tiefgarage an, wenn die Gebäude im Steilhang ohnehin abgetragen würden.

Die Kosten für Abriss und Entwicklung des Geländes werden auf rund 5,6 Millionen Euro geschätzt. Nach Abzug der Zuschüsse und der Grundstückserlöse könnten rund eine Million Euro Eigenanteil der Gemeinde übrig bleiben. Dieses Geld sei aber gut angelegt, so die Planer, weil auf diese 150 neue Arbeitsplätze und Wohnraum für 285 neue Bürger und Steuerzahler entstehe.

Gemeindevertreter besorgt wegen Finanzierbarkeit

Rolf Jäger wies als Vorsitzender der Gemeindevertretung darauf hin, dass bei den Beratungen im Gemeindeparlament die Sorge der Finanzierbarkeit des Projektes dominiert habe. Diese Sorge sei nun durch die Zuschüsse geringer geworden.

Bürgermeister Stefan Dittmann betonte daher, dass sich die Gemeinde bei weiterem Planungsfortschritt noch einmal um weitere Zuschüsse bewerben wolle.

Frömmrich: „Als Erstes muss das Wilke-Schild weg“

Der Landtagsabgeordnete Armin Schwarz (CDU) erklärte dazu: „Hier wird nach dem Motto gehandelt: Gemeinde und Land, Hand in Hand. Und auch der Kreiszuschuss sei hier gut angelegt.

Ähnlich äußerte sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Frömmrich: „Das ist eine große Chance für Berndorf.“ Als Erstes müsse das große Wilke-Schild abgebaut werden. Kreisausschussmitglied Fritz Schäfer (CDU) stellte fest: „Von dieser Investition profitieren nicht nur Berndorfer, sondern auch Wohnungssuchende in Korbach.“ (Elmar Schulten)

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