Prozess wird im Herbst wieder aufgenommen

Mutmaßlicher Brandstifter von Dorfitter wird in Psychiatrie beobachtet

Die Feuerwehr verhinderte beim Brand im Januar schlimmeres.
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Der Einsatz von 75 Feuerwehrleuten verhinderte beim Brand im Januar schlimmeres.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter von Dorfitter ruht bis Anfang September und wird dann neu begonnen: Psychsische Probleme spielten eine Rolle - was genau vorliegt, muss geklärt werden.

Also wird der 21-jährige Eritreer in eine forensische Psychiatrie eingewiesen – zur Beobachtung für maximal sechs Wochen. Am zweiten Prozesstag am Korbacher Amtsgericht verdeutlichte sich, dass Geräusche und Stimmen, die er in seinem Kopf zu hören glaubt, zu einigen Vorfällen beitrugen.

Der Angeklagte bestritt zum Auftakt, das Feuer gelegt zu haben. Montag sagte ein Nachbar aus: Ein „Klopfen“ hatte den Angeklagten wohl in der Nacht auf den 16. Januar gestört, weshalb er ihnaus dem Bett holte. Der 40-Jährige sagte, nichts dergleichen gehört zu haben und schilderte in als aggressiv und scheinbar betrunken. Als der 21-Jährige den Streit am Morgen wieder losbrach, kam der Vermieter hinzu und habe damit gedroht, den 21-Jährigen rauszuwerfen. Am Abend entdeckte der Vermieter zwei Feuer in der Waschküche und dem Zimmer des Angeklagten, der verschwunden war. Niemand wurde verletzt, aber weite Teile des Hauses waren über Monate unbewohnbar.

Die Anklage umfasst 25 Punkte: 16 Schwarzfahrten, einen Ladendiebstahl und die Zerstörung eines Schaufensters räumte er ein. Am zweiten Prozesstag sagte ein 38-jähriger Zeuge aus Diemelsee aus, dem der Angeklagte von hinten eine Bierflasche über den Kopf geschlagen haben soll – seine Wunde musste mit vier Stichen genäht werden. Er hatte hatte einen Billard-Tisch in einem Korbacher Lokal bezahlt, was der Angeklagte offenbar nicht verstand. Auf dem Weg nach draußen, um ein klärendes Gespräch zu führen, wurde er niedergeschlagen – der Angeklagte sagte, er habe mit Handgreiflichkeiten gerechnet und zuerst zugeschlagen.

Wegen des Verdachts der Brandstiftung sitzt er in Südhessen in Untersuchungshaft. Auch dort zeigte er auffälliges Verhalten, schilderte eine Mitarbeiterin der JVA: Nachdem die Psychologin Suizidgefahr attestiert hatte, ordnete sie Videoüberwachung an – was ihm allerdings gar nicht gefiel. Er verklebte die Kamera mit feuchten Toilettenpapier. Da er sich anscheinend mit dem Abflussrohr des Waschbeckens bewaffnete, rückte ein gutes halbes Dutzend JVA-Mitarbeiter an. Während er sie wüst beleidigte, brachten sie ihn in einen Raum, in dem er sich nicht verletzen konnte. Doch seine Versuche, die Kamera zu verdecken, setzte er bis zur Selbstverletzung fort. „Wir haben versucht ihm zu erklären, dass das alles zu seinem Schutz ist“, berichtete die Mitarbeiterin – doch erreicht hätten sie ihn nicht. Dabei habe er auch davon gesprochen, dass Stimmen ihn zu seinem Verhalten aufforderten.

Noch bei anderen Anlässen kurz nach Haftbeginn beleidigte er Mitarbeiter. Zwischenzeitlich erhielt er Medikamente. Mittlerweile verhalte er sich ruhig und höflich. Doch sei er sehr zurückgezogen, dunkele sein Zimmer ab und hänge sich ein Handtuch über den Kopf, erklärt aber nicht, warum. Und wieder hört er ein Klopfen.

Akoasmen, also akustische Halluzinationen, seien nicht selten, erklärte der medizinische Gutachter – ebenso, Stimmen zu hören. Schizophrenie könnte er aufgrund des Geschilderten nicht feststellen – eine schizotype Störung könne aber vorliegen. Das ließe sich erst nach Beobachtung sagen.

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