Besonderes Vorhaben zum Umweltschutz von Silvia Steiner aus Ederbringhausen 

Architektin plant eine fast plastikfreie Ferienwohnung 

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Aufwändige Planung: Architektin Silvia Steiner aus Ederbringhausen entwirft eine nahezu plastikfreie Ferienwohnung. 

Eine Ferienwohnung ohne Plastik: Diese Idee hatte Silvia Steiner schon vor Jahren. Nun setzt sie sie um – zumindest, so gut es geht. Denn komplett ohne Kunststoff sei es nicht machbar.

Ökologisch gebaut habe sie schon immer, sagt Steiner. Nun soll aus einem ehemaligen Stall, direkt angrenzend an ihr Büro, eine gut 90 Quadratmeter große Ferienwohnung werden, in der so wenig wie möglich Plastik verbaut wird. Doch nicht nur am Ende soll sich in der Wohnung kaum Kunststoff finden. Schon in der Entstehung soll so wenig von dem Material wie möglich genutzt werden, so die Architektin. So will sie beispielsweise mit Großhändlern sprechen, ob sie Notwendiges wie Türen ohne Plastikverpackung bekommen kann.

„Ich weiß aber, dass ich einige Tode werde sterben müssen“, sagt die Ederbringhäuserin. Komplett ohne Plastik wird es nicht gehen, denn selbst in Holzfenstern sind Dichtungen aus Plastik, Ummantelungen von Elektroleitungen bestehen ebenso daraus.

Die Umsetzung sei „wahnsinnig komplex“, sagt Silvia Steiner. Manche Lösung sucht sie noch, einige hat sie bereits gefunden. So wird viel mit unbehandeltem Holz gearbeitet und die Dämmung beispielsweise der Bodenplatte wird aus Schaumglasschotter bestehen, die der Decke könnte dagegen aus Holzfasern sein. Aber auch diese Materialien würden in Plastik verpackt angeliefert. „Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.“ Vorstellbar sei aber auch schlicht eine Lage Stroh.

Zielgruppe: Erholungssuchende aus Großstädten

Das Ziel soll es sein, mit wenig Mitteln eine moderne Ferienwohnung einzurichten, die noch dazu komplett barrierefrei sein soll. Krankenhaus-Stil werde das Urlaubsdomizil aber keinesfalls haben, das ist Silvia Steiner wichtig. Sie plant ein Nebeneinander von älteren und moderneren Elementen, das vor allem erholungssuchende Familien aus Großstädten ansprechen soll.

Für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder wird Platz sein in der Ferienwohnung, zudem wird es eine überdachte Terrasse und einen Parkplatz geben. Noch könne sie die Kosten für das aufwändige Vorhaben aber nicht abschätzen, sagt Steiner. Sie hofft auf Fördermittel. Den Bauantrag hat die Architektin jetzt gestellt, im Jahr 2023 soll die Wohnung dann fertig sein.

Der alte Stall wurde in den vergangenen Jahrzehnten als Rumpelkammer genutzt. Als Silvia Steiner ihn ausmistete, ermöglichte das auch einen interessanten Einblick: Das Gerümpel, das aus der Zeit bis in die 50er-Jahre stammte, bestand hauptsächlich aus Holz und Metall, sagt Steiner. Der Großteil dessen, was sich anschließend angesammelt hat, war dagegen aus Kunststoff.

Vier gelbe Säcke pro Jahr

Seit gut vier Jahren versucht Silvia Steiner, weitgehend ohne Plastik zu leben. Mit vier gelben Säcken kommt sie derzeit aus – pro Jahr. Möglich sei das nur, indem sie vieles selbst herstelle, sagt sie. Auch Einschränkungen sind damit verbunden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Missionieren will Silvia Steiner niemanden. Ein Leben möglichst ohne Plastik ist das, was sie für sich entschieden hat, aufzwängen will sie ihren Lebensstil niemandem. Auch bei ihrem Sohn drückt sie gerne beide Augen zu: Wenn er eine Tüte Chips haben möchte oder ein Spielzeug, das aus Plastik besteht, bekommt er es – ebenso aber auch Spielsachen aus Holz. 

Silvia Steiner hat regelmäßig ihren Müll fotografiert, um sich bewusst zu werden, wie viel davon sie tatsächlich produziert.

Vor drei Jahren war Steiner für einige Zeit in den USA und hat dort registriert, dass plastikfrei leben ein Trend ist, „ich wusste bis dahin nicht, dass es eine solche Bewegung gibt“. Die Devise lautet: Less is more, also weniger ist mehr. Um herauszufinden, wie viel Müll sie selbst produziert, hat sie über zweieinhalb Jahre jeden Monat ein Foto von ihrem Plastikabfall gemacht. – mit dem Ziel, dass es immer weniger wird. „Ich wollte wissen, ob ich es schaffe“, sagt Steiner. Und das hat sie. Nun arbeitet die Architektin daran, die Menge noch etwas weiter zu reduzieren. Auf vieles verzichtet sie dafür, allerdings: „Ich leide nicht darunter.“ Für sie sei es eher ein Hobby. Vieles stellt sie selbst her: Von den Kokosflocken bis hin zum Putzmittel. 

Recyclingquote liegt bei 14 Prozent

Laut des „Plastikatlas 2019“ der Heinrich Böll Stiftung wurden neun Prozent des gesamten weggeworfenen Kunststoffs seit 1950, dem Beginn der Massenproduktion, recycelt. Heute liege die Recyclingquote bei 14 Prozent. Weitere 40 Prozent enden laut Plastikatlas auf Mülldeponien und 14 Prozent in Verbrennungsanlagen. Die restlichen 32 Prozent würden demnach in die Umwelt gehen, auf Mülldeponien, in Meere und andere Gewässer. Auch unkontrollierte Verbrennungen gebe es. Hergestellt wird Plastik aus Öl und Gas, durch Syntheseverfahren entstehen unterschiedliche Kunststoffarten. Ob Verpackungen, Textilien, Kosmetik oder Bodenbeläge. Je nach Art kann Plastikabfall über Hunderte von Jahren in der Umwelt bleiben. Biologisch abbaubar ist er nicht. Den gesamten Plastikatlas gibt’s hier.

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