Nach Wiederwahl in Vöhl

Bauernpräsident Karsten Schmal fordert Verlässlichkeit von der Politik

+
Wiedergewählt: (von links) Der Hessische Bauernpräsident Karsten Schmal nimmt vor der Henkelhalle in Vöhl die Glückwünsche seines Generalsekretärs Peter Voss-Fels entgegen.

Vöhl. Der Vertrauensbeweis ist groß, die Aufgaben bleiben schwierig: Mit 95 Prozent der Delegiertenstimmen ist der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal auf der Vertreterversammlung am Donnerstag in Vöhl im Amt bestätigt worden.

„Die Landwirte sind im Moment nicht zufrieden“, sagt Schmal im Pressegespräch im Anschluss an die Vertreterversammlung in der Henkelhalle. Nicht nur die Dürre habe alle betroffen. Auch die Politik lasse die Bauern ziemlich sparsam schauen. Schmal spricht von einer „zunehmend ideologisch geprägten Landesagrarpolitik“ und meint die Umsetzung des sogenannten Kastenstandurteils, das größere Flächen für Säue notwendig macht, und das absehbarer Ende der betäubungslosen Ferkelkastration.

Kritik übt der Bauernpräsident auch am abrupten Auslaufen der Schulmilchförderung in Hessen und am Glyphosat-Ausstieg auf Landesebene. „Das alles belastet die Landwirtschaft, weil es mit Investitionen verbunden ist“, sagt Schmal. Viele Bauern würden sich deshalb dafür entscheiden, ihren Beruf an den Nagel zu hängen.

„In Deutschland schränken wir uns durch überbordende Auflagen ein“, so der 53-jährige Agraringenieur. Symptomatisch dafür sind für Schmal die gesetzlichen Vorgaben für Kastenstände: Bisher wird die Sau während der Rausche und Besamung sowie zur Abferkelung in einem Beobachtungs- und Besamungsstand fixiert. Dies geschieht insbesondere zum Schutz anderer Sauen, der Ferkel und des Menschen. Auf das gesamte Kalenderjahr gerechnet ist die Sau rund 80 von 365 Tagen fixiert. Das Magdeburger Oberverwaltungsgericht urteilte dazu: Die Kastenstände müssen so breit sein, dass die Tiere sich hinlegen können, ohne mit ihren Beinen in den Kastenstand der Nachbarsau zu kommen.

Viele Sauenställe in Deutschland sind nun nicht mehr rechtskonform. Dabei gehe es auch anders, meint Schmal, die Zeit der Fixierung könne noch weiter eingeschränkt werden. Andere Länder – die Niederlande und vor allem Dänemark – machten es bereits vor. Dort sind die Sauen für die Zeit der Besamung im Kasten, und kommen kurz darauf wieder in die Gruppe. Laut Bauernverband sind jedoch politisch und rechtlich haltbare und planbare Rahmenbedingungen in Deutschland derzeit nicht vorhanden. „In Deutschland tun wir uns schwer“, so der Bauernpräsident.

Karsten Schmal will vor allem eines von der Politik: Verlässlichkeit. „Natürlich müssen wir über Tierhaltung diskutieren, wir müssen aber auch jungen Landwirten eine Perspektive bieten“, sagt er. Denn wer einen Stall baue, investiere für 20 Jahre. „Da kann es nicht sein, dass das, was vor drei Jahren noch in Ordnung war, nun plötzlich nicht mehr gilt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare