Gewässervielfalt soll erhöht werden

Baustart an der Eder: Ein Altarm wird angelegt und Kies in den Fluss zurückgegeben

Der Biologe Christoph Dümpelmann, der das Marburger „Büro für Fischbiologie & Gewässerökologie“ leitet, zeigt, wo der Kies eingesetzt werden soll.
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Das Gewässer vielfältiger gestalten: Der Biologe Christoph Dümpelmann, der das Marburger „Büro für Fischbiologie & Gewässerökologie“ leitet, zeigt, wo der Kies eingesetzt werden soll.

Zwei Maßnahmen in einem Bauprojekt – am vergangenen Samstag starteten die Arbeiten an der Eder bei Schmittlotheim.

Vöhl-Schmittlotheim – In den nächsten Wochen soll dort ein sogenannter Altarm künstlich entstehen, also ein Stillgewässer. Außerdem wird Kies in den Fluss eingesetzt, um diesen ökologisch aufzuwerten, betonte der Biologe Christoph Dümpelmann, der die Maßnahmen als Experte betreut.

Die momentanen Wetter-Bedingungen könnten dafür besser nicht sein. „Solche Baumaßnahmen werden grundsätzlich im Winter durchgeführt“, erklärte er, „kaltes Wasser ist sauerstoffreicher. Die Fische haben zurzeit einen geringen Stoffwechsel, sind dementsprechend träger und benötigen weniger Sauerstoff als in den Sommermonaten, in denen der Sauerstoffgehalt im wärmeren Wasser abnimmt.“ Baumaßnahmen würden den Fischen dann mehr schaden und die Wahrscheinlichkeit eines Fischsterbens erhöhen.

Um die Lebewesen zusätzlich zu schützen, hat Dümpelmann mit seinem Team bereits am 12. Dezember damit begonnen, die Bachmuscheln an der Stelle des Flusses zu sammeln, an der der Kies eingebracht werden soll.

Erster Schritt: Zunächst wurden Bachmuscheln gesammelt und anderswo eingesetzt.

Das Abfischen fand dann kurz vor dem Baustart statt. Der Biologe berichtete: „Es waren nur wenige Tiere. Die niedrigen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass sich die meisten Fische in die tieferen Bereiche zurückgezogen haben.“

Diese aufwendigen Arbeiten im Vorfeld seien von Bedeutung, denn: „Es wäre fatal, wenn Lebewesen von dem Kies überschüttet würden.“ Deshalb arbeitete das Team sorgfältig und ging erst nach vier Wochen in die nächste Bauphase über.

Eine Firma startete am Montag damit, Schicht für Schicht im Bereich des neuen Nebenarms abzutragen. Der Oberboden habe für das Gewässer keine große Bedeutung und solle Landwirten als fruchtbare Erde zur Verfügung gestellt werden. Der Kies darunter sei viel entscheidender. „Über viele Jahre hat sich der Auenkies an den Ufern des Flusses abgelagert. Nun möchten wir dieses Material nutzen und den Fluss damit anreichern“, so Dümpelmann.

Zweiter Schritt: Erst danach starteten die Baumaßnahmen, um keine Lebewesen zu gefährden.

Die Strömung sorge dann für eine natürliche Verteilung. Er sagte: „Das ist eine bedeutende Maßnahme, denn so wird die Vielfalt unterschiedlicher Strömungsgeschwindigkeiten und Gewässertiefen erhöht.“ Das ist wichtig für verschiedene Tierarten, aber auch für Wasserpflanzen.

Der Altarm sorgt zudem dafür, dass ein Bereich vollständig ohne Strömung entsteht. Der Anschluss zum Fluss ist gegen die Strömungsrichtung angelegt und nur etwa zehn Meter breit. Während beim Einlauf die Tiefe der Eder beibehalten wird, flacht das Becken ab. Von dieser Vielfalt profitieren nicht nur die Bachmuscheln, sondern beispielsweise auch Jungfische, die ein ruhiges Gewässer zum Aufwachsen benötigen. Zudem bietet es Lebensraum für Vögel und Insekten, wie zum Beispiel Libellen.

Nachdem am Mittwoch damit begonnen wird, den Kies in die Eder zu baggern, sollen die Arbeiten noch bis Mitte oder Ende Februar andauern. In Auftrag gegeben wurde das Projekt von der Gemeinde Vöhl in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Kassel. Die Finanzierung läuft über den hessischen Klimaschutzplan 2025.

Eine Trübung des Wassers ist in Folge der Arbeiten möglich. Die Teilchen setzen sich aber nach wenigen Tagen wieder ab. Nicht anders, als bei einem Hochwasser. (sk)

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