Erstmals Familienangehörige beim Gedenken an bei Herzhausen ermordete Polen

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An der Gedenkstätte „Polenkreuz“: Dort, wo bei Herzhausen vor 75 Jahren ihr Onkel Miecyslaw Kolczynski von Gestapo und SS erhängt worden ist, legte seine Nichte Barbara Dukielska zusammen mit (von links) ihrem Sohn Dariusz Dukielski, Krystof Holtz und Tochter Ewa Krynska ein Blumengebinde nieder.

Vöhl-Herzhausen. Am Polenkreuz bei Herzhausen ist der 1942 einem "Sühnemord" zum Opfer gefallenen Zwangsarbeiter gedacht worden - erstmals waren Angehörige dabei.

 „Als ich jung war, hing im Zimmer meiner Großmutter ein Bild eines unbekannten Mannes. Es war ihr Bruder. Sie erzählte mir, dass er während des Krieges zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden sei und sie niemals mehr etwas von ihm gehört habe“, erinnert sich die 67-jährige Barbara Dukielska aus Warschau. 

In eisigem Wind steht sie am dritten Adventssonntag vor dem hölzernen Kreuz bei Herzhausen und liest neben der Inschrift zum Gedenken an die hier am 19. Dezember 1942 ermordeten sechs polnisches Zwangsarbeiter auch den Namen ihres Onkels: „Miecyslaw Kolczynski“.

Er war 24 Jahre alt, als er im Dezember 1942 zusammen mit fünf anderen aus dem von der Geheimen Staatspolizei Kassel betriebenen „Arbeitserziehungslager Breitenau“ zunächst in das Zuchthaus Kassel Wehlheiden abgeholt und zwei Tage später zum Waldstück „Am Knapp“ bei Herzhausen transportiert wurde.

Kurze Pseudo-Urteile „im Namen Himmlers“, die den Polen Vergehen wie „Sabotage“ oder „Sittlichkeitsdelikte“ vorwarfen, wurden verlesen, bevor sie um 12.48 Uhr erhängt wurden. Aus dem Kreis Frankenberg zusammengetriebene polnische Schicksalsgenossen mussten an den Toten vorbeigehen und wurden mit Kolbenstößen gezwungen, zu ihnen aufzuschauen.

Zum 75. Jahrestag der NS-Mordaktion lud der Frankenberger Ulrich Dolenschall Barbara Dukielska mit ihren Kindern ein, um sie zur Gedenkfeier des Geschichtsvereins Itter-Hessenstein mit der Gemeinde Vöhl an der Hinrichtungsstätte „Polenkreuz“ zu begleiten. Sie legte dort ein Blumengebinde mit rotweißen Bändern in Anwesenheit von mehr als 100 Teilnehmern nieder.

Von Karl-Hermann Völker

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