Künstler Heinrich Groß zeigt mehr als 20 Bilder

Neue künstlerische Ausstellung in Vöhler Synagoge

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Geschichten aus dem Alten Testament und historische Ereignisse hat Heinrich Groß in Form von Holzschnitten dargestellt. Die Bilder – abstrakt und gegenständlich – sind in der Ausstellung „T orah und Schofar“ in der ehemaligen Vöhler Synagoge zusehen. 

Vöhl. Seit 2005 sind die Bilder des Künstlers Heinrich Groß  die erste Ausstellung, die es in den Sakralraum der ehemaligen Synagoge in Vöhl geschafft hat. 

Die Werke des Malers aus Niederwalgern bei Marburg passen nach Einschätzung des Förderkreises „wunderbar“ in die religiöse, historische Umgebung, sagte der Vorsitzende Karl-Heinz Stadtler bei der feierlichen Eröffnung.

Mehr als zwei Dutzend Bilder menschlicher und abstrakter Darstellungen, mithilfe der Holzschitt-Technik, zumeist in Schwarz-Weiß gehalten, zieren im Jahr des 20-jährigen Vereinsbestehens bis 11. August die Wände des Andachtsraums. Die technischen Voraussetzungen dafür hatten Peter Göbel und Walter Schauderna geschaffen.

Das Thema passt: Geschichten aus dem Alten Testament und weltliche Themen mit dem Schwerpunkt der jüdischen Kultur treffen hier unter dem Titel „Torah und Schofar“ aufeinander. Jüdische Rituale und Symbole finden immer wieder Beachtung. Der Künstler legt Wert darauf, Gemeinsamkeiten mit dem Christentum hervorzuheben und beschäftigt sich intensiv mit der Verfolgung der Juden und dem Holocaust.

"Bilder weiten unsere Perspektiven"

Heinrich Groß, geboren im Jahr 1935, habe seine Aufgabe als Zeitzeuge verstanden und sei ihr in diesem „Alterswerk“ gerecht geworden, lobte Dr. Siegfried Becker (Uni Marburg). Der ebenfalls in Niederwalgern wohnende Professor wertschätzte die vielseitige Hingabe des Künstlers, der bereits in „namhaften Galerien und Museen“ ausgestellt habe. Die aktuelle Ausstellung war 2018 nach zweijährigem Schaffen in der Landsynagoge Roth in der Gemeinde Weimar gezeigt worden. „Heinrich Groß überrascht mit seinen Bildern und weitet unsere Perspektiven.“ Der Künstler sei stets angetrieben von dem „Anderen, dem Experimentellen“. „Er hat sich nie beschränken lassen und gleichzeitig seine Bodenständigkeit bewahrt“, so Becker.

Diese Bodenständigkeit verbunden mit Tiefsinnigkeit werden beim Anblick der schlicht erscheinenden, aber ergreifenden Motive deutlich. Der erfahrene Künstler – gelernter Tischler – nutzt das ihm lieb gewonnene Material Holz als Medium für das künstlerische Ergebnis. Mit einem einfachen Schustermesser schneide er zumeist das Holz, das er dann oft mit Offsetdruckfarbe bemalt, bevor das Motiv auf Papier gebracht wird.

Erinnerungen aus der Kindheit

Inhaltlich greift der Christ in dieser Ausstellung ein Thema auf, das seine Kindheit geprägt und das ihn seitdem nachdenklich gestimmt hat.

Er habe erlebt, wie Juden verspottet wurden. „Wie muss sich das für die Menschen angefühlt haben?“, fragt Groß. In seinen Bildern zeige er die „bedrängte Existenz einer religiösen Minderheit“, so Becker.

„Erst die Erinnerungen machen die Bilder authentisch“, sagt Heinrich Groß. Bevor er ein Bild gestaltet, umtreibe es ihn oft tagelang. „Ich kann dann an nichts anderes denken.“

Der Vöhler Bürgermeister Matthias Stappert wünschte der Ausstellung breite Beachtung. Das wäre auch eine Herzensangelegenheit des Künstlers, dem daran gelegen ist, dass die Menschen Gemeinsamkeiten und Errungenschaften der verschiedenen Religionen achten. So hat er einem seiner Bilder diesen Namen gegeben: „Haltet Frieden“.

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