Ehrenamtliche fahren Mitbürger aus Basdorf, Vöhl, Ober- und Nieder-Werbe

Bürgerbus Basdorf: Auf vier Rädern für die Heimat im Einsatz

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Ein Teil des Bürgerbus-Teams: von links Susanne Frede, Bernd Höhle, Heinz Schluckebier, Werner Hohmeister und Eberhard Lamm. Das Foto entstand vor einem Jahr, als der Förderverein den Bürgerbus bekommen hat.

Nach und nach füllt sich der Kleinbus: In Ober-Werbe und Vöhl steigen die insgesamt sechs Freunde zu Bernd Höhle in den Kleinbus. Ihr Ziel: Willingen. Höhle fährt die Gruppe nicht privat, sondern als ehrenamtlicher Fahrer des Basdorfer Bürgerbusses.

Es schüttet wie aus Eimern, als sich der Bürgerbus in Bewegung setzt. Doch den sechs Freunden macht das nichts aus, sie freuen sich auf ihren Männertag. Seit mehr als 20 Jahren, so erzählen sie, geht es einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Ausflug, in diesem Jahr geht es für ein gemeinsames Essen nach Willungen.

Und schon im vergangenen Jahr hat die Truppe dafür den Bürgerbus genutzt. Der ist zwar in Basdorf stationiert, fährt aber auch für Menschen aus Vöhl sowie Ober- und Nieder-Werbe. Basdorf allein sei zu klein für einen Bürgerbus, sagt Bernd Höhle.

Ehrenamtlicher Fahrer: Bernd Höhle ist von Anfang an dabei.

Der 66-Jährige ist einer von 15 Fahrern und, wie die meisten anderen, von Anfang an dabei. Der Basdorfer Förderverein „Verein der Freunde und Förderer Basdorf’s“ ist Träger des Bürgerbusses – und damit auch selbst dafür verantwortlich, die Kosten zu decken. In anderen Kommunen seien die Fahrzeuge an die Stadtverwaltungen angebunden, sagt Höhle. In Vöhl war das nicht möglich wegen der schwierigen Finanzlage der Gemeinde. Reparaturen, Benzin, neue Reifen: Der Förderverein muss alles selbst finanzieren. Geld für die Fahren darf der Verein nicht nehmen. Spenden dürfen allerdings sehr wohl angenommen werden, auch einige Sponsoren gibt es.

Als der Bürgerbus vor einem Jahr zum ersten Mal im Einsatz war, gab es noch feste Fahrzeiten: Immer dienstags und freitags gab es Linienfahrten, unter anderem nach Korbach und Sachsenhausen. Gut angenommen wurde das aber nicht, sagt Eberhard Lamm, Vorsitzender des Fördervereins. Der Grund dafür ist jedoch eigentlich ein positiver: Die familiären und nachbarschaftlichen Strukturen, gerade in Basdorf, sind gut ausgeprägt. Die Kinder fahren ihre Eltern zum Arzt, die Nachbarn nehmen sich auch mal gegenseitig mit zum Einkaufen. Die Zukunft sieht Lamm eher in Einzel- und Gruppenfahrten.

So wie die der Freunde, die zusammen nach Willingen fahren. Aber auch die Vereine aus Basdorf nutzen den Bus rege: Ob die Landfrauen oder der Fußballverein, der damit regelmäßig zu Auswärtsspielen fährt. Kinder und Jugendliche, aber genauso auch Senioren nehmen den Bus in Anspruch. Noch am Abend vor der Willingen-Fahrt war der Bürgerbus beim Schlachteessen des Sportvereins im Einsatz. Dabei geht es oft auch um Geselligkeit, diesen Aspekt dürfe man nicht unterschätzen. „Die Gemeinschaft ist ein echter Pluspunkt,“ sagt Eberhard Lamm.

Männertag: Die Freunde (hinten von links) Stefan Zembellini, Reinhard „Joe“ Heidel, Andreas Daum und (vorne von links) Jörg Benndorf, Bernd Vogelgesang und Björn Tauber haben sich mit dem Bürgerbus nach Willingen fahren lassen.

Das würden die sechs Freunde so sicherlich unterschreiben. Im Bus herrscht zwar Alkoholverbot, trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Bernd Höhle hat derweil den Blick konzentriert auf die Straße gerichtet. Wie alle anderen ehrenamtlichen Fahrer hat auch er den kleinen Personenförderungsschein gemacht. Jetzt sitzt er gut zehn Stunden jeden Monat hinter dem Steuer. Ein Drittel der Fahrer ist im Ruhestand, der Rest noch berufstätig. Jeder Ehrenamtliche kann den Online-Kalender einsehen.

Im ersten Jahr sei der Bus keine 6000 Kilometer gefahren, sagt Bernd Höhle. Doch in diesem Jahr werde es mehr, sagt er. „Es gibt mehr Zuspruch, die Mundpropaganda ist gut.“ Den Taxiunternehmen wolle man aber nicht das Wasser abgraben, betont er. Das Konzept soll den ÖPNV ergänzen.

Eberhard Lamm ist sicher, dass Bürgerbusse funktionieren im Ländlichen Raum. „Und ich bin mir sicher, dass er auch in Basdorf Zukunft haben wird.“

Kontakt zum Team

Genutzt werden kann der Bürgerbus von Einwohnern aus Basdorf, aus Vöhl sowie aus Nieder- und Ober-Werbe. Das Alter der Fahrgäste spielt dabei keine Rolle. Ermöglicht werden neben Einzelfahrten auch Gruppen- und Vereinsfahrten. 

Wer den Bus nutzen möchte, muss mindestens einen Tag vorher bei der Hotline anrufen und die Fahrt anmelden. Erreichbar sind die Fahrer unter Tel. 0151 / 56 90 15 80.

Rund 30 weitere Bürgerbusse für Hessen

Das Bürgertaxi in Basdorf gab es bereits vier Jahre, vor gut einem Jahr wurde das Taxi durch den Bürgerbus ersetzt. Finanziert wurde der Neunsitzer über das Land im Rahmen des Programms „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“.

In den Jahren 2018 und 2019 lief das Förderprogramm Bürgerbus, und mittlerweile ist auch klar: Das Programm wird fortgesetzt, sagt Martin Gehl, Projektleiter für den Bürgerbus bei der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“. Die Stiftung unterstützt Kommunen, Gruppen und Vereine, die einen Bürgerbus betreiben wollen. Das Geld kommt letztlich aus dem hessischen Verkehrsministerium. Im Etat des Landes sei das Förderprogramm 2020 wieder vorgesehen. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass es fortgesetzt werden soll“, sagt Gehl.

In den beiden Jahren 2020 und 2021 werden wahrscheinlich um die 30 Bürgerbusse finanziert werden. „Das Interesse ist groß, wir wollen versuchen, dass es noch einige mehr werden.“ Schon bevor klar war, dass das Programm fortgeführt wird, habe es Gruppen gegeben, die Interesse gezeigt hätten. Vier Bürgerbusse gibt es derzeit in Waldeck-Frankenberg, neben Basdorf auch in Diemelstadt, Gemünden und Battenberg. Allein 2018 und 2019 seien hessenweit 60 neu dazu gekommen. Insgesamt gebe es nun 110 Bürgerbusse.

Konkurrenz für Taxiunternehmen?

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob das Prinzip Bürgerbus eine Konkurrenz für Taxiunternehmen sei. Das sei nicht wegzudiskutieren, so Gehl. Dennoch seien Fahrten mit dem Bürgerbus keine Individualfahrten wie mit einem Taxi.

Aus Sicht der hessischen Landesstiftung ist der Bürgerbus eine Ergänzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), kein Taxi, das einzelne Personen von A nach B bringt. Nutzer des Bürgerbusses seien keine klassischen Taxikunden, sagt der Projektleiter. Allerdings: Touristen sollten nicht mit dem Bürgerbus gefahren, sondern an Taxiunternehmen verwiesen werden. Bislang hätten sich aber keine Taxibetriebe geschädigt gefühlt, sagt Martin Gehl. Beschwerden habe es nicht gegeben.

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