Bürgermeister und Landtagsabgeordnete warnen vor Verschärfung des Schutzes

Steilhänge am Edersee: Der Schutz reicht aus

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Besondere Gebiete am Nordufer des Edersees: Die Bäume am Knorreichenstieg bei Basdorf, hier auf der Hünselburg (linkes Foto) und ein Ausblick von der Kahlen Hardt auf die Bringhäuser Bucht (rechts). 

Vöhl/Waldeck. Die Diskussion um weiteren Schutz der Steilhänge am Nordufer des Edersees ist aus Sicht der Anrainerbürgermeister Matthias Stappert (Vöhl) und Jörg Feldmann (Waldeck) überflüssig. Schon jetzt seien die Gebiete wirksam geschützt. Würde das weiter ausgebaut, hätte es massive Auswirkungen auf den Tourismus, warnen sie.

Unterstützung bekommen die Rathauschefs von der Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg (CDU), die im Umweltausschuss sitzt, und von Vöhls Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen. Ob nun eine Ausweitung des Nationalparks oder die Auszeichnung als Nationales Naturmonument: Mehrere Optionen, um den Schutz der Steilhänge auszubauen, wurden ins Spiel gebracht. Doch für Stappert, Feldmann, Hütte-von Essen und Ravensburg ist klar: Einen weiteren Schutz der Steilhänge brauche und wolle man nicht.

Naturschutzgebiete, die es in diesem Bereich bereits gebe, würden so geschützt wie der Nationalpark selbst, erklärt Hütte-von Essen. Dazu gehörten auch die Kahle Hardt sowie die Hünselburg. „Die Kerngebiete stehen unter einem besonderen Schutz“, sagt er. Dass dennoch einige Bereiche von Hessen-Forst bewirtschaftet würden, sei wichtig für die Biodiversität, also die Artenvielfalt. Nicht zuletzt wolle das Land aber auch etwas Geld verdienen.

Dass die Bewirtschaftung unter strengen Auflagen erlaubt sei, sagte Jörg Feldmann. „Der Schutzstatus darf nicht angegriffen werden und der Zustand des Gebiets darf sich nicht verschlechtern.“ Wer lediglich sehe, dass Bäume gefällt wurden, könne die Gründe dafür oft nicht kennen. Teilweise sei es sogar eine Aufgabe des Naturschutzgroßprojekts, Nadelhölzer aus dem Gebiet zu nehmen. „Wir würden uns unser eigenes Standbein kaputt machen, würden wir Raubbau an der Natur betreiben“, sagt Ravensburg. Alles, was schützenswert sei, werde geschützt.

Naturschutzgebiete, FFH-Bereiche und Prozessschutzflächen: Dass es an den Steilhängen unterschiedliche Schutzkategorien gibt, ist aus Sicht von Feldmann, Stappert, Hütte-von Essen und Ravensburg sinnvoll. Das ermögliche unterschiedliche Nutzungen.

„Müssen attraktiv bleiben“

Reiten, Zelten, Wandern und einiges mehr seien möglich „und wir wollen Tourismus dort auch bewusst zulassen“, sagt die Landtagsabgeordnete. Würden die Steilhänge zum Nationalen Naturmonument, wären diese Möglichkeiten eingeschränkt – für Touristen und Einheimische. „Das würde in das Leben der Menschen eingreifen“, sagt Stappert. „Wir müssen als Region attraktiv bleiben,“ betont Ravensburg.

Die Sorge, dass der Schutz der Steilhänge leide, sobald die Förderung für das Naturschutzgroßprojekt Ende des Jahres auslaufe, sei unbegründet. „Der Schutzstatus bleibt auch weiterhin bestehen.“

Wichtig ist den Bürgermeistern und der Abgeordneten auch das Versprechen, das vor Jahren der Region gemacht wurde, als der Nationalpark Kellerwald-Edersee eingerichtet wurde: Eine Ausweitung dieses Gebiets werde es nicht gegen den Willen der Bürger geben. „Es gibt einen parteiübergreifenden Konsens, an dem nicht gerüttelt werden soll“, sagt Ravensburg.

Nichts werde gegen den Willen der Menschen in der Region entschieden. „Das Versprechen ist nicht verjährt, sondern aktueller denn je“, sagt Matthias Stappert.

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