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Auftakt zum Regionalentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ in Asel und Basdorf

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Von: Stefanie Rösner

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Weil sich viele ehrenamtlich engagieren, hat Asel eine Zukunft, findet Ortsvorsteher Thomas Ruch, der Mitgliedern der Bewertungskommission unter anderem den Fledermausturm mit präparierten Tieren vorstellte.
Weil sich viele ehrenamtlich engagieren, hat Asel eine Zukunft, findet Ortsvorsteher Thomas Ruch, der Mitgliedern der Bewertungskommission unter anderem den Fledermausturm mit präparierten Tieren vorstellte. © Stefanie Rösner

Asel/Basdorf – Selbermachen lautet die Devise im kleinen Vöhler Ortsteil Asel. Was gebraucht wird, machen die Aseler einfach selbst, und was sie sich wünschen, setzen sie eben um. Diesen Eindruck gewannen die Teilnehmer der Dorfbereisung zum Auftakt des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“.

Das Dorf mit seiner besonderen Geschichte als umgesiedelter und vom Edersee gefluteter Ort, der neu aufgebaut wurde, zeigte seine vielen Besonderheiten und unterschiedlichen Facetten: Hier der Fledermauspfad, da ein privater Holzbackofen und dort die aufgehübschte Wassertretanlage. Mittendrin engagierte Bewohner, die die Jury stolz durch die Straßen führte.

Der touristisch geprägte Ort in „Top Lage“, wie Ortsvorsteher Thomas Ruch es ausdrückte, habe nur rund 200 Einwohner. Von denen sind regelmäßig viele bereit, Attraktionen im Dorf zu erhalten und Asel lebenswert zu gestalten. Auf die Lebensqualität im Dorf kommt es auch für die Bewertungskommission des Wettbewerbs an.

So staunt diese über die beiden Schwalbenhäuser, die von den Vögeln rege genutzt werden. Die Kommissionsmitglieder bewundern den Dorfplatz mit seiner Linde, die im Winter beleuchtet wird, was die Dorfgemeinschaft selbst finanziert. Und sie sind angetan von der Ansicht des Ortsbeirates, dass es besser sei, künftig lieber zum Verkauf stehende Häuser zu nutzen als ein neues Wohngebiet auszuweisen. Ein zukunftsfähiger Gedanke, wie die Jury findet. Das Geld für Investitionen, die das Dorf selbst trägt, stammt laut dem Ortsvorsteher aus Einnahmen bei Festen und Veranstaltungen.

Alten Schäferwagen umgebaut

So manche Schätze hat Asel vorzuweisen, die erst bei genauem Hinsehen zu finden sind: zum Beispiel ein alter Schäferwagen, den die Bewohner Asels als Verkaufswagen umgebaut haben, oder vier Teiche etwa, die im Zuge der Gebietsreform in Eigenleistung angelegt wurden. „Zwei von ihnen wurden als Biotope umfunktioniert“, erklärte Thomas Ruch. Hier kämen nun Kreuzotter, Ringelnatter, Frösche, Kröten und noch weitere Tierarten vor. Zudem seien die Teiche ein Treffpunkt zum Angeln.

Weitere Treffpunkte sind die „Aseler Ecke“ mit Sitzgelegenheit, eine Freizeitanlage mit Spielgeräten für Kinder und nicht zuletzt das Gasthaus Sauer, das künftig in fünfter Generation weitergeführt werden und im Außenbereich erweitert werden soll.

„Hut ab, was Sie alles zu bieten haben“, lobte die Kommissionsleiterin Sigrid Göbel die Infrastruktur und das ehrenamtliche Engagement. „Integration wird hier gelebt“, sagte sie mit Blick auf mehrere Flüchtlinge, die 2015 nach Asel kamen und schnell aufgenommen wurden. „Sie fahren mit Elan und vollen Segeln in die Zukunft“, sagte Sigrid Göbel beim gemeinsamen Abschluss im Dorfgemeinschaftshaus des kleinen Ortes am Edersee.

Basdorf mit all seinen vielfältigen Angeboten

Ihr Dorf mit all seinen Angeboten in nur zwei Stunden vorzustellen, ist den Basdorfern fast unmöglich. Sie schafften es dennoch, in kurzer Zeit an einem Nachmittag ein buntes Programm auf die Beine zu stellen, das die Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ überraschte und beeindruckte.

So erlebten die Teilnehmer eine Reise, die alle Sinne ansprach. Etwas fürs Auge bot freilich die unvergleichliche Umgebung mit Nationalpark und blühenden Wiesen in hügeliger Landschaft. Zwischendurch reichten die Basdorfer ihre selbst erzeugten Leckereien: Vanessa Höhle bot Holunderblütensekt an, die Familie Höhle servierte Wurstbrote, Laureen Seitz ließ von Knödeln mit „Basdorfer Schmandcreme“ kosten, und Andrea Beranek präsentierte ihren Fruchtwein.

Die Basdorfer ließen keine Gelegenheit ungenutzt, um ihr handwerkliches Geschick, ihre Kreativität und ihren Sinn für Gemeinschaft vorzuführen, vor allem auch ihren Charme und Witz. Lothar Treyse lud ein zum Jubiläum des Sportvereins, der 100 Jahre alt wird. Bernd Höhle stellte „nicht das Freibad von Basdorf“, sondern den Feuerlöschteich vor. Heinrich Göbeler präsentierte einen temperamentvollen Hengst seines Gestüts. Die älteren Männer des Dorfes benannten sich von der Wandergruppe spontan zur „Sitzwandergruppe“ um und nahmen Platz vor einem Walnussbaum, den sie gestiftet hatten.

Selbst gestalteter Film über das Dorfleben

Zum Auftakt hatte eine Gruppe Platt schwatzender Wanderer für Heiterkeit gesorgt, als sie mit ihrer Inszenierung den Ortsvorsteher Frank Frede bei seiner Begrüßung störten. Sie führten die Kommission zu einer Vorführung in die neue Festscheune mit Wärmedämmung. Max Henkler zeigte einen siebenminütigen gelungenen Film mit Aufnahmen von Basdorf aus der Vogelperspektive sowie mit O-Tönen einiger Basdorfer Bewohner.

Eine Vorstellung des Hutewald-Vereins, ein kurzer Abstecher auf den Hof Schultze-Ueberhorst, ein Einblick in die Arbeit des NABU und ein Besuch des ältesten Hauses im Dorf – anno 1627 – zählten zur Tour, bevor in der ansehnlichen Dorfmitte mit dem Ensemble aus Kirche, historischer Gerichtslinde und Restaurant Halt gemacht wurde. Auch ein Blick in die Kirche wurde der Jury nicht vorenthalten.

Landwirtschaftlich bewegt sich viel im Dorf. Hier wird eben an die Zukunft gedacht. So berichtete Fabian Treyse von Rubinien, Pappeln und Weiden, die er anbaue. Philipp Höhle nannte beispielsweise Rosenwurz als seltene Sonderkultur.

Die traditionsreichen Betriebe Zimmerei Mitze und Schreinerei Mitze durften sich kurz vorstellen und auf innovative Projekte verweisen. Zeitgemäß erschien den Teilnehmern der Dorfbereisung auch die öffentliche Fahrrad-Reparatur-Säule. Dass die Basdorfer gastfreundlich sind, ist zum Beispiel an der offenen Getränke-Tür zur Selbstbedienung zu erkennen.

Zu den Höhepunkten zählten gewiss die Tanzdarbietung der Landjugend und das Basdorfer Heimatlied zum Abschluss. Die Leiterin der Bewertungskommission Sigrid Göbel lobte das Durchhaltevermögen der Basdorfer. „Sie sind nie müde geworden, immer etwas Neues zu machen.“ Der Vöhler Ortsteil mit knapp 400 Einwohnern nimmt zum wiederholten Male an dem Wettbewerb teil. (Stefanie Rösner)

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