23 Gebäude für Talsperre abgerissen

Herzhausen verlor für Bau der Sperrmauer viele Häuser, Höfe und Land

Das Seeufer in Herzhausen heute – bei Niedrigwasser.
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Das Seeufer in Herzhausen heute – bei Niedrigwasser.

Es ist das vergessene Dorf unter den versunkenen Dörfern: 23 Häuser und Höfe wurden vor über hundert Jahren für den Bau der Edertalsperre abgerissen, etliche Familien siedelten um – seitdem hat Herzhausen ein anderes Gesicht. Doch mit dem so genannten Edersee-Atlantis wird es nicht in Verbindung gebracht.

Herzhausen – Die Reste der versunkenen Dörfer Asel, Bringhausen und Berich finden jedes Jahr wieder große Beachtung, wenn sie bei Niedrigwasser am Grund des Edersees auftauchen. Doch was ist mit den weiteren Dörfern im Bereich der Eder, die einst zugunsten des Stausees umgesiedelt werden oder Land einbüßen mussten?

Herzhausen um 1895 – ein Bild aus der Sammlung von Friedrich Hoffmann: Mehr als die Hälfte dieser Gebäude musste dem Bau der Edertalsperre weichen.
Welche Orte waren betroffen?
Berich, Bringhausen und Asel mussten komplett dem See weichen, ebenso die Höfe Stollmühle, Gut Vornhagen und die Bericher Hütte. Darüber hinaus verloren Hemfurth und Harbshausen Landflächen, in Nieder-Werbe wurden zehn Höfe und die Kirche abgebrochen. In Herzhausen wurden 23 Häuser und Höfe abgerissen. Hier verlor man 130 Hektar Land.
Was bedeuteten die Verluste für Herzhausen?
„Herzhausen war ein wohlhabender Ort gewesen. Die Ernten der Bauern waren wegen des fruchtbaren Ackerlandes im Schwemmland des Edertales besser als anderswo“, betont Friedrich Hoffmann, der pensionierte Lehrer, der sich intensiv mit der Geschichte des Vöhler Ortsteils befasst. Mit seinem früheren Kollegen Helmut Göbel, der schon vor einigen Jahren starb, hat Hoffmann viel über die Vergangenheit geforscht. Göbel hatte die gravierende Veränderung den „Todesstoß für die Herzhäuser Landwirtschaft“ genannt. Hoffmann: „Das war bitter, sehr bitter. Die Menschen hätten gerne auf die Edertalsperre verzichtet. Nun mussten sie vom Bauerndorf zum Arbeiter- und Fremdenverkehrsdorf werden.“
Was ist aus den betroffenen Familien geworden?
Viele Bauern verloren ihre Existenzgrundlage, so dass sie in andere Orte umsiedelten oder nur noch Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben konnten. So baute etwa Adam Wissemann 200 Meter nördlich seines ursprünglichen Hofes einen Neubau. Auch Handwerker waren betroffen. Doch „alle wurden gut abgefunden, daran gibt es keinen Zweifel“, sagt Friedrich Hoffmann. „Da hat sich der Preußische Staat nicht lumpen lassen.“ Einige Familien nutzten das alte Material für ihren Neubau.
Welche Zeugnisse gibt es von diesem Teil der Geschichte, der sich vor über hundert Jahren ereignete?
Neben Ortsplänen und Familiennamen sind einige Fotos erhalten und beispielsweise in dem Buch „750 Jahre Herzhausen“, das im Jubiläumsjahr 2004 erschien, veröffentlicht worden. Doch direkte Nachfahren, die Überliefertes erzählen können, gibt es kaum.
Warum wird Herzhausen so gut wie nie im Zusammenhang mit den versunkenen Dörfern des Edersee-Atlantis genannt?
Im Gegensatz zu der Aseler Brücke beispielsweise, die bei niedrigem Pegel der Eder sichtbar wird und sogar betreten werden kann, ist von den damaligen Häusern und Höfen, die in Herzhausen abgebrochen wurden, nichts mehr zu sehen. Das Gelände am Ederufer wurde während des Baus der Talsperre zwischen 1908 und 1914 meterhoch aufgefüllt, was das Ortsbild zusätzlich veränderte.
Wie wird an die Höfe und Familien erinnert?
Zwei Informationstafeln des Kultur- und Heimatvereins weisen auf den Verlust der 23 Häuser und Höfe hin und gibt dem Betrachter einen Überblick über die damaligen Standorte. Zudem haben die Heimatforscher Helmut Göbel und Friedrich Hoffmann die bekannten Daten mit Namen der Familien in ihren Dorfchroniken festgehalten.

(Stefanie Rösner)

Der Verein Edersee-Atlantis will die erhaltenen historischen Kulturstätten gemeinsam vermarkten.

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