Harbshäuser sind sauer über Einschränkungen bei den Busverbindungen

Fahrpläne geändert: Probleme für Schulkinder

Vöhl-Harbshausen. Bis das aktuelle Schuljahr begann, lief in Harbshausen in Sachen Schulbus alles rund. Ohne Probleme kamen die Kinder zur Ederseeschule und wieder zurück. Doch mit vergangenem Sommer änderte sich das plötzlich, weniger Busse fahren seitdem. Ulrike Eitner-Huber will das nicht länger hinnehmen. Die Rentnerin, deren Enkelin selbst betroffen ist, kämpft seit Monaten für eine Änderung der Fahrpläne.

Ulrike Eitner-Huber

30 Anrufe und E-Mails stehen auf der Liste von Ulrike Eitner-Huber. Fein säuberlich hat sie aufgelistet, mit wem sie wann gesprochen oder wen sie angeschrieben hat. Mitarbeiter des Landkreises sind dort ebenso aufgeführt wie von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) und Vertreter aus Kreis- und Landespolitik. Konkret geholfen habe ihr bisher aber niemand, beklagt sie.

„Bis zum vergangenen Schuljahr lief alles gut“, berichtet die Großmutter der neunjährigen Hannah. „Es gab nie Probleme.“ Dann sei plötzlich der Hinweise gekommen, dass die Busse nicht mehr so oft fahren würden. Mehrere Verbindungen jeden Tag seien weggefallen.

Für zwölf Kinder aus Harbshausen und eines aus Asel-Süd bedeute das jetzt Probleme, sagt Eitner-Huber, die auch das Sprachrohr der betroffenen Eltern ist. Die Mädchen und Jungen müssten teils auf Nachmittagsangebote der Ederseeschule in Herzhausen verzichten, weil anschließend kein Bus mehr fährt und die berufstätigen Eltern nicht kommen und sie holen könnten. Das wirke sich auf Bildung und Sozialkontakte aus.

„Keine Rücksicht auf Kinder“

Als Ausweichmöglichkeit gebe es zwar das Anruf-Sammel-Taxi (AST), doch auch das sei problematisch. Zum einen, so sagt die engagierte Großmutter, würden die Kinder lernen, nicht bei Fremden ins Auto zu steigen – dann sollten sie es aber auf einmal machen. Zudem müssten die Kinder im Grundschulalter manches Mal bis zu eine Stunde auf das Taxi warten. „Und wer passt in dieser Zeit auf sie auf“, fragt Eitner-Huber, die selbst 40 Jahre lang Lehrerin war.

Hinzu kommt ein finanzieller Aspekt: Nicht jede Fahrt der Kinder mit dem AST-Taxi werde übernommen, manche müssten die Eltern aus eigener Tasche zahlen. Nach welchen Kriterien dies entschieden wird? Die Harbshäuserin weiß es nicht genau. Das Schülerticket, das die Landesregierung erst vor einigen Monaten eingeführt hat, dürften die Kinder aus dem Vöhler Ortsteil nicht nutzen. Warum? Auch das weiß sie nicht.

Eitner-Huber glaubt, dass es bei der Streichung der Busverbindungen rein um finanzielle Gründe geht. „Auf die Kinder wird keine Rücksicht genommen.“ Weil sie auf viele Anfragen nicht einmal eine Antwort bekommen hat, geht die Harbshäuserin nun an die Öffentlichkeit. „Ich fühle mich nicht ernst genommen. Aber ich lasse mich nicht kleinkriegen.“ Unterstützt wird sie von Ortsvorsteher Axel Hoer. „Überall hört man, dass die Politik ländliche Regionen beleben will. Aber dann können junge Familien nicht aufs Land ziehen, weil der ÖPNV nicht ausreicht“, sagt er.

Das sagen Landkreis und EWF

Dass Harbshausen „keineswegs verkehrstechnisch isoliert“ ist, teilt der Landkreis auf Anfrage mit. Die AST-Linie 581.5 erfülle den „flächendeckenden Stundentakt an 365 Tagen“. Aber: „Eine generelle tägliche Beförderung zu Schulbeginn und Schulschluss ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufgrund der Taktungen im Busverkehr bzw. der Kapazitätsgrenze im AST-Verkehr leider nicht möglich.“

Die zwölf Schüler, die betroffen seien, würden deshalb im Rahmen des Freigestellten Schülerverkehrs aus Harbshausen und vom Bahnhof Herzhausen zur Schule und zurück gebracht. Der Freigestellte Schülerverkehr erfolgt außerhalb des eigentlichen Linienverkehrs und basiert auf einem Vertrag zwischen dem Schulträger und einem Beförderungsunternehmen.

Weil es keinen Linienverkehr auf diesen Strecken gibt, haben die Schüler keinen Anspruch auf das Schülerticket Hessen (STH). Der Hinweis des Landkreises: „Gleichwohl können die Eltern privat ein STH für 365 Euro (...) erwerben.“

Auch wenn es sich um eine Kurzstrecke handele, müsse eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt werden, so der Kreis. Weil am Montag und Mittwoch nach der neunten Stunde sowie Donnerstag nach der achten Stunde nur zwischen ein und drei Schüler gefahren werden müssten, könnten „derzeit keine Abfahrten eingerichtet werden“.

Nehmen die Kinder zudem nur an Betreuungsangeboten teil und nicht am Unterricht, bestehe kein Anspruch auf Erstattung für private Abholung. Allerdings: „Gegebenenfalls“ könne nach freiwilligem Unterricht der Anspruch auf Kostenerstattung anerkannt werden, wenn öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden oder die Kinder privat abgeholt werden. Wartezeiten von bis zu einer Stunde seien auch an anderen Schulen nicht ungewöhnlich, so die Kreisverwaltung.

Dass es mehrere Gespräche von EWF-Mitarbeitern mit Ulrike Eitner-Huber gegeben habe, sagt EWF-Sprecher Axel Voigt. „Wir nehmen so etwas sehr ernst.“ Auch mit dem Landkreis habe man Rücksprache gehalten. Den Freigestellten Schülerverkehr gebe es seit Jahren in Harbshausen, weil er flexibel anpassbar sei. Man helfe immer, wenn möglich, so Voigt. An der Situation in Harbshausen werde sich aber nichts ändern.

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