Mutige Aktion, um Krankheit in den Fokus zu rücken

Lipödem: Betroffene Frauen aus Nordhessen machen Fotoshooting

Vöhl – Als die Diagnose kam, sei sie nicht geschockt gewesen. „Ich habe damit gerechnet“, sagt Daniela Vetter. Die Vöhlerin hat Lipödem. Die Fettverteilungsstörung ist vielen unbekannt, deshalb wollen die 21-Jährige und andere Betroffene mit einem besonderen Projekt darauf aufmerksam machen.

Schon immer sei sie etwas kräftiger gewesen, erzählt Daniela Vetter. Doch selbst wenn sie abgenommen habe, blieben Arme und Beine fülliger. Früher wurde sie deshalb gemobbt, „jetzt habe ich eine starke Persönlichkeit, man wird selbstbewusster“. Und jetzt weiß sie endlich Bescheid darüber, warum sie stellenweise nicht abnimmt.

Ihre Tante hatte ihr geraten, einen Arzt aufzusuchen, denn die Krankheit ist familiär bedingt, sagt Vetter. Es sei aber schwierig gewesen, einen Arzt zu finden, der ihr sagen konnte, was los ist. Vor zwei Jahren stieß die junge Frau auf einen Mediziner in Fritzlar, der die Diagnose Lipödem stellte.

Daniela Vetter

Fast ausschließlich Frauen und Mädchen sind davon betroffen, Experten vermuten eine hormonelle Ursache hinter der Krankheit. Probleme habe sie in den Beinen bei längerem Sitzen, ein Druckgefühl sei zu spüren, erklärt Daniela Vetter. „Nach einem langen Tag fühlt es sich an wie ein Muskelkater.“ Oftmals trage sie Kompressionsstrümpfe. Medikamente würden nicht helfen, die Lymphdrainage, so hat sie festgestellt, kann die Symptome aber etwas lindern. Bei der Vöhlerin kommt noch hinzu: Sie leidet zusätzlich unter Lymphödem, also Wassereinlagerungen.

Eine Möglichkeit, etwas gegen die Krankheit Lipödem zu unternehmen, sei eine Fettabsaugung. Dabei würden krankhafte Fettzellen abgesaugt. Für die 21-Jährige ist das eine Option, allerdings übernehme die Krankenkasse die Kosten für den Eingriff nicht. Heilbar sei die Krankheit ansonsten nicht.

Austausch in sozialen Netzwerken

Im Sommer trage sie eigentlich ungern kurze Hosen und Röcke, oft genug musste sie die verurteilenden Blicke bereits ertragen. Verstecken will sich Daniela Vetter aber auch nicht. Sie will, dass ihr Umfeld Bescheid weiß über die Krankheit.

In sozialen Netzwerken ist sie auf andere betroffene Frauen gestoßen, ist in mehreren Foren aktiv. Der Austausch mit den Frauen habe ihr sehr geholfen. Dort entstand auch die Idee, ein Foto-shooting zu machen, bei dem sich Betroffene aus Nordhessen präsentieren – trotz oder gerade wegen der Erkrankung Lipödem. „Wir wollen gegen Vorurteile kämpfen. Und dafür sorgen, dass die Krankheit präsenter ist.“

Mehr als 20 Frauen seien bereits dabei, andere Betroffene – egal welchen Alters – seien willkommen. Stattfinden wird das Shooting am Sonntag, 16. Juni, am Kloster Haydau. Die Fotos sollen am Ende in jedem Fall eines zeigen: „Wir sind ganz normale Frauen und wir haben trotzdem Spaß“, sagt Vetter. 

Auch schlanke Frauen können betroffen sein

Seit November weiß Andrea Jacksteit, dass sie an der Krankheit Lipödem leidet. „Nach der Schwangerschaft ist es richtig ausgebrochen“, berichtet die 29-Jährige aus Homberg/Efze. Dennoch: Sie ist schlank, trägt Kleidergröße 36. Das zeigt: Jede Frau könne die Krankheit treffen.

Jacksteit war es, die den Anstoß zu dem Fotoshooting der besonderen Art gegeben hat. Durch Zufall entdeckte sie online eine ähnliche Fotoaktion einer jungen Frau aus Hannover. So wurde aus einem zunächst als Einzelshooting geplanten Termin eine größere Veranstaltung. Andrea Jacksteit will von Lipödem betroffene Frauen ermutigen, mitzumachen und sich zu zeigen. „Je mehr dabei sind, desto besser,“ ermuntert sie. Das Alter spiele keine Rolle, eine Operation wegen des Lipödems sollten die Frauen jedoch nicht gehabt haben.

Kloster Haydau: Hier findet das Shooting statt.

Sie weiß, wie viele Frauen nicht nur unter den Schmerzen der Krankheit leiden, sondern auch unter den Blicken anderer. Sie sei kürzlich mit pinken Kompressionsstrümpfen unterwegs gewesen und geradezu angestarrt worden. „Die Blicke waren krass.“ Deshalb sollen die Fotos auch in der Öffentlichkeit entstehen.

In Kompressionswäsche, kurzen Röcken und Hosen werden sich die Betroffenen vor der Kamera zeigen und so die Krankheit Lipödem in den Fokus rücken.

Kontakt bei Fragen

Daniela Vetter ist aktiv in mehreren Foren zum Thema Lipödem in sozialen Netzwerken. Wer Fragen hat zur Krankheit oder Tipps braucht, beispielsweise bei der Arztsuche in der Region, kann sich per Mail an sie wenden. Auch betroffene Frauen, die bei dem besonderen Fotoshooting mitmachen wollen, können sich bei ihr melden unter der Mail-Adresse DanielaVetter3010@hotmail.de

Rubriklistenbild: © Colourbox

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