Ortsbeiräte und Betrieb sehen zu viele Nachteile für Gäste und Anwohner

Gegenwind für Modellversuch: Orte sind gegen Fahrradstraße am Edersee

Viel los ist auf der Kreisstraße 59 zwischen Asel-Süd und Herzhausen, vor allem in diesem Sommer sind dort viele Radfahrer unterwegs.
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Viel los ist auf der Kreisstraße 59 zwischen Asel-Süd und Herzhausen, vor allem in diesem Sommer sind dort viele Radfahrer unterwegs.

Der Landkreis möchte einen Modellversuch starten und die Kreisstraße 59 als Fahrradstraße ausweisen. Dort hätten die Zweiräder dann – zumindest zunächst für eine Saison – Vorrang vor anderen Fahrzeugen. Die Ortsbeiräte aus Asel und Harbshausen sprechen sich jedoch deutlich dagegen aus, auch ein Betrieb sieht den Plan kritisch.

„Hier sind alle absolut dagegen“, sagt Axel Hoer, Ortsvorsteher von Harbshausen. Die Einwohner würden schon jetzt auf die Barrikaden gehen. Der Grund: Sollte ab dem Abzweig von der Bundesstraße nur noch Tempo 30 gelten und zudem Fahrradfahrer Vorrang haben, hätten Landwirte mit ihren breiten Fahrzeugen und Pendler ein Problem. Alles dauere dann viel zu lange. „Und was machen Fahrer von Wohnmobilen, Lieferwagen und Bussen“, fragt Hoer.

Außerdem, so sagt er, sei eine Fahrradstraße gar nicht nötig. Zum einen, da es in den vergangenen Jahren zu keinen Unfällen mit Fahrrädern gekommen sei, zum anderen, weil die Zahl der Radfahrer nicht größer sei als die der Autofahrer, so Hoer. Selbst, wenn sich die Zahl der Radfahrer verdoppelt hätte, sei das nicht der Fall. Ende August wird es eine Sitzung des Ortsbeirats in Harbshausen geben, dort soll dann gemeinsam mit Bürgermeister Karsten Kalhöfer über das Thema gesprochen werden. Dann wird der Beirat eine Stellungnahme für die Gemeindevertretung abgeben.

Schon vor gut zweieinhalb Jahren hatte der Ortsbeirat Asel schriftlich Stellung bezogen zu einer möglichen Fahrradstraße und damals deutliche Kritik geübt. Daran habe sich im Prinzip auch nichts geändert, sagt Ortsvorsteher Thomas Ruch. Für Anwohner, aber auch für Dienstleister wie die Post und die Müllabfuhr sei das eine „enorme Zeitbelastung“ und das regelmäßig, während Touristen nur einmal die Strecke mit dem Rad abfahren würden. Wo da der Mehrwert sei, frage sich Ruch. Zudem sei die Strecke schon jetzt durch zahlreiche Kurven „risikobehaftet“.

Bei Bewertung nicht nur Radfahrer einbeziehen

Aber: Gegen einen Probelauf spreche nichts, findet der Ortsbeirat. Das Ergebnis könne aber nicht sein, dass am Ende „auf Biegen und Brechen“ eine Fahrradstraße kommt. Vielleicht laufe es aber auch gut und man mache sich umsonst Gedanken, sagt Ruch. Doch das müsse man eben genau beobachten und in die Bewertung auch die Nutzer vor Ort einbeziehen, nicht nur die Radfahrer.

Ralph Fährmann, Inhaber des Ferienzentrums Albert Schweitzer, ist wenig begeistert von einer Fahrradstraße. Er sei nicht komplett dagegen, sagt er, „hier sind aber nicht nur Radfahrer unterwegs“. Für Auto- und Motorradfahrer und Reisende mit Wohnmobilen sei das eine „große Beeinträchtigung“, fürchtet er. „Unsere Gäste werden sich sicher beschweren.“ Er verstehe, dass die Suche nach einer Alternative schwierig sei, dennoch müsse man mit Blick in die Zukunft eine andere Lösung finden. (Julia Janzen)

Dass eine komplette Kreisstraße als Fahrradstraße ausgewiesen würde, wäre einmalig in Hessen.

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