Vöhl und weitere Gemeinden sehen sich bei Personalkosten nicht richtig dargestellt

Kritik an Zahlen des Statistischen Landesamts

Vöhl – In der Hessischen Gemeindestatistik nimmt das Statistische Landesamt jedes Jahr Kommunen und Kreise unter die Lupe: Zahlen bei Einwohnern und Beschäftigten, in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe werden dargestellt. Eine Position sind die Personalkosten je Einwohner für jede Stadt und Gemeinde. Daran, wie diese Zahl erhoben wird, gibt es nun Kritik.

Die Daten von mehr als 450 hessischen Kommunen haben die Statistiker in Wiesbaden aufgeschlüsselt, veröffentlicht wird die Gemeindestatistik für 2018 offiziell Ende des Monats.

Dass die Stadt Frankenberg beim Blick auf die Personalkosten je Einwohner besonders gut dasteht, hatte Bürgermeister Rüdiger Heß bereits Ende Januar verkündet. Mit 281 Euro Personalkosten je Einwohner landet die Stadt im Vergleich auf Platz 19 von 458 Kommunen insgesamt. Dass dort Äpfel mit Birnen verglichen würden, äußerte kurz darauf nicht nur Hatzfelds Bürgermeister Dirk Junker. Auch in Vöhl regt sich Widerstand.

Dort sind 530 Euro Personalkosten je Einwohner von den Statistikern berechnet worden – was bei manchen Vöhlern „den Kamm schwillen lässt“, wie ein WLZ-Leser schrieb. Allein, wenn man die vier Gemeindekindergärten herausrechne, ergebe sich ein komplett anderes Bild. Denn während Vöhl die vier Einrichtungen selbst betreibe, seien es in Frankenberg lediglich drei kommunale Kitas. Drei weitere würden von den Kirchen und je eine von Lebenshilfe und DRK getragen.

Matthias Stappert, Bürgermeister der Gemeinde Vöhl

Matthias Stappert, Bürgermeister von Vöhl, kann die Kritik nachvollziehen. Einfach die Summe der Personalkosten durch die Anzahl der Einwohner zu teilen, sei angreifbar, so Stappert. Allein durch die vier Kindergärten würden in der Gemeinde rund 20 Stellen zusammenkommen. „Sofern eine Gemeinde die Kindergärten über freie Träger betreibt, fallen dort überhaupt keine Personalaufwendungen an, sondern lediglich Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Gleiches gilt für sonstige ausgelagerte Funktionsbereiche, etwa Wasser und Abwasser“, so der Rathauschef. „Man muss dort genau hinschauen, viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.“

Beispiel Bauamt: Die Gemeinde Vöhl und die Stadt Lichtenfels teilen sich aktuell noch einen Bauamtsleiter. Die Kostenerstattung, die man von Lichtenfels dafür bekomme, müsste man für eine korrekte Berechnung noch von den Vöhler Personalkosten abziehen, erklärt der Bürgermeister.

Natürlich sei es möglich, dass die Stadt Frankenberg eine höhere Produktivität als vergleichbare Kommunen habe. Doch die Einwohnerzahl als Grundlage heranzuziehen, „verfälscht das Bild“. Personalkostenvergleiche würden sich nur mit Blick auf einzelne Arbeitsfelder lohnen. Im Bereich Personal beispielsweise müsste die Zahl der tatsächlichen Abrechnungsfälle herangezogen werden, nennt er ein Beispiel. Stappert „kritisiert ausdrücklich“, dass die Zahlen ohne entsprechende Kommentierung und Einordnung veröffentlicht werden.

Das sagt Frankenbergs Bürgermeister

Die Stadt Frankenberg nehme „einen ausgezeichneten Platz im hessischen Vergleich“ ein, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Er sei in der Pflicht, einen „solchen Spitzenplatz“ den Mitarbeitern und Bürgern gegenüber zu kommunizieren. Für diese Position werde auch viel getan, beispielsweise ständige Überprüfungen von Organisationsaufbau und -ablauf. Auch die Mitarbeiter würden sich engagieren. Zu anderen Kommunen im Kreis habe er „keinen Vergleich ziehen wollen“, so Heß. Wenn überhaupt, sei eine Vergleichbarkeit nur zwischen den Mittelzentren möglich.

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