Ende September war eine Radfahrerin in den leeren Edersee gestürzt

Kritik an Teilstück des Radfernwegs 5: „Höchste Vorsicht geboten“

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Grober Schotter, leichte Neigung, kein Geländer: Dieses Teilstück des Fernradwegs R5 zwischen Herzhausen und Asel gilt als durchaus gefährlich.

Vöhl – Zehn Meter tief fiel eine Radfahrerin Ende September bei einem Unfall auf dem Radfernweg R5 am Edersee. Die Polizei ging von einem Fahrfehler aus. Doch dass dieses Teilstück durchaus schwierig zu bewältigen ist, sagt Helmut Schomann, Radfahrer aus Frankenberg.

Teils abschüssig und grob geschottert ist das Radweg-Teilstück zwischen dem Jugendzeltplatz Herzhausen und Asel. Dort stürzte eine 68-jährige Touristin, die mit ihrem Mann eine Radtour machte. Sie fiel zunächst eine Böschung hinunter, anschließend eine Mauer und landete im leeren Edersee. Dabei verletzte sie sich am Rücken, musste von der Feuerwehr gerettet werden.

Helmut Schomann, selbst ein erfahrener Radfahrer, kennt den Hessischen Radfernweg R5 am Edersee. Anfangs sei der Weg noch geteert, man könne hervorragend fahren, so Schomanns Bewertung. Auch auf feinem Schotter sei das Radfahren noch gut möglich, problematisch werde es dann bei großen Steinen und grobem Schotter, das mache es rutschig. Das treffe auf Teile des R5 zu.

Auch habe der Weg zum See hin teilweise eine Neigung, ein Geländer gebe es aber nicht, zu schmal sei der Weg außerdem stellenweise, sagt Schomann, der jede Saison gut 1700 Kilometer mit dem Bike unterwegs ist. Auf einigen Kilometern des Fernradwegs R5 „ist höchste Vorsicht geboten“, man müsse durchaus damit rechnen, abzustürzen. Der Unfall der Touristin habe ihn deshalb nicht überrascht, sagt der Frankenberger.

Keine geteerten Wege, aber feste Fahrbahndecke

Ihn ärgert, dass man eine Tourismusregion sein wolle, dann aber solche Radwege anbiete. „Radfahrer brauchen keine geteerten Wege, aber es muss eine festgefahrene Decke geben. Gerade an abschüssigen Stellen“, betont Helmut Schomann. Die Wege müssten ordentlich hergerichtet sein, fordert er, andernfalls dürften sie nicht als offizielle Radwege ausgewiesen sein.

Rolf Seemann, im Landesvorstand des Fahrradclubs ADFC unter anderem für die Radfernwege im Bundesland zuständig, weist darauf hin, dass Radfahrer bei Touren im Wald mit „typischen Gefahren rechnen“ müssen. Dazu gehörten unter anderem herabgefallene Äste, Spurrinnen und verschmutzte Wege. „Waldwege, auch wenn diese als Radfernwege ausgewiesen sind, bleiben ihrer Natur nach Waldwege“, so Seemann. Dennoch sei der ADFC an einer Verbesserung der Situation am Edersee interessiert.

Für die Unterhaltung der Strecken zuständig seien die jeweiligen Baulastträger, erklärt der ADFC-Vorstand. In Hessen gehören demnach rund 40 Prozent der Waldflächen dem Landesbetrieb Hessen-Forst, gut 35 Prozent den Städten und Gemeinden, 25 Prozent seien im Privateigentum. Das Teilstück des R5 bei Herzhausen gehört zu Hessen-Forst.

Das sagt Hessen-Forst

Dass das Betreten von Waldwegen auf eigene Gefahr erfolgt, sagt Martin Klein, Leiter des Forstamts Vöhl. Dennoch versuche man immer, alle Gefahren aus dem Weg zu räumen. Ein gewisses Restrisiko bleibe aber immer, man könne sich nicht gegen alle Gefahren absichern.

Der Radweg R5 sei gleichzeitig ein forstwirtschaftlicher Weg, aber auch Wanderer seien dort unterwegs. Regelmäßig würden die Waldwege kontrolliert, man sei bemüht, entsprechendes Untergrund-Material einzubauen. Mit „waldtypischen Gefahren“ wie unebenen Wegen oder grobem Schotter müsse man als Nutzer rechnen.

Ein Geländer anzubringen sei ein großer Aufwand, vor allem die anschließende Instandhaltung, sagt Martin Klein. Denn es müsse stets funktionsfähig sein. Der Unfall mit der Radfahrerin sei tragisch gewesen, den genauen Grund für den Unfall kenne man aber nicht. Hessen-Forst sei „im Rahmen der Möglichkeiten“ besonders um die Radwege bemüht. Das Gelände dort sei insgesamt aber schwierig, es gebe große Höhenunterschiede.

Die Hinweise der Radfahrer nehme er auf, Umbauten seien dennoch aber nicht geplant.

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