Tradition erhalten, Geschichte erleben

Kunstreferent stellt Abendmahls- Geschirr in Vöhler Martinskirche vor

Die bereits restaurierten Kelche aus Asel und Marienhagen stellten Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg (links) und Dr. Götz J. Pfeiffer, Kunstreferent der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, vor.
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Präsentation des Vöhler Abendmahlgeschirrs: Die bereits restaurierten Kelche aus Asel und Marienhagen stellten Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg (links) und Dr. Götz J. Pfeiffer, Kunstreferent der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, vor.

Vier wertvolle Kelche, mit einer langen, spannenden Geschichte – doch wie alt ist das älteste Stück der Vöhler Abendmahlskelch-Sammlung?

Vöhl – Diese Frage stellte Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg dem Publikum zu Beginn des Präsentationsabends in der Vöhler Martinskirche. Im Stil der Fernsehsendung „Wer wird Millionär?“, gab er vorab vier Antwortmöglichkeiten und ließ die Zuhörer abstimmen. „Die Antwort verrate ich aber noch nicht“, sagte er und übergab das Wort an Dr. Götz J. Pfeiffer, der die Veranstaltung leitete.

Als Kunstreferent der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck habe er die „Lizenz zum Schnüffeln“, startete Dr. Pfeiffer in den Vortrag. Über die Arbeit im Bereich Denkmalpflege wurde er auch auf das Vöhler Abendmahlgeschirr aufmerksam und sorgte zusammen mit Eisenberg dafür, dass mittlerweile zwei Stücke der Sammlung restauriert wurden.

In seiner Präsentation arbeitete er vor allem Herkunft und Merkmale jedes einzelnen Kelchs heraus. „Die Unterschiede sind groß, die Stücke daher sehr spannend“, betonte der Kunstreferent. Während das Aseler Gefäß aus Augsburg stammt und nur wenig restauriert werden musste, waren beim Kelch aus Marienhagen, den der Korbacher Goldschmied Johann Jakob Happel anfertigte, mehr Ausbesserungen nötig. Beide Behältnisse seien jedoch im 18. Jahrhundert entstanden, das entnimmt der Experte den Siegeln im Material.

Neben einem dritten Abendmahlskelch aus Vöhl, der keine Siegel aufweist, wohl aber den 30-jährigen Krieg überstanden haben muss, präsentierte Dr. Pfeiffer auch ein Stück, das sich von den anderen völlig unterschied. Ein Gefäß mit Deckel, das „eigentlich gar nicht in eine evangelische Kirche gehört“, verriet er. Es handele sich um ein Behältnis, das bei römisch-katholischen Messen zum Einsatz gekommen sei, etwa für die Hostien-Aufbewahrung.

Ganz besonders interessant sei in diesem Zusammenhang, dass es in der Jesuitenkirche in Innsbruck ein Parallelstück gebe, das sich nur durch die Größe von dem Vöhler Kelch unterscheide. Damit auch diese beiden Gefäße restauriert werden können, seien weitere Spenden nötig.

Die Aufarbeitung der geschichtlichen Kelche ist bei Pfarrer Eisenberg von größtem Interesse. Das machte er in diesem Zusammenhang deutlich: „Diese Behältnisse haben einen großen, symbolischen Wert. Ich möchte die Tradition und die Geschichte aufrechterhalten und fortführen.“

Ausstellungsstücke in der Vitrine werden die Objekte nicht, das versprach er, ganz dem Motto des Abends „Neuer Wein in alten Kelchen“. „So schöne Gefäße müssen benutzt werden“, betonte Eisenberg und verriet abschließend: „Antwort C, 327 Jahre, ist richtig.“ (sk)

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