Förderkreis will Fortsetzung, Finanzierung ist aber noch ungewiss

Landkulturboten: Pilotprojekt in Synagoge abgeschlossen

Die ersten Landkulturboten: Synagoge Vöhl Förderkreis Landkulturboten von links Vanessa Herzen, Henriette Hennig, Sanja Mohnen, Malte Spreckelsen, Silas Klöcker.

Vöhl. Das Pilotprojekt „Landkulturboten“ des Förderkreises der alten Synagoge Vöhl ist abgeschlossen. Sechs (ehemalige) Schüler haben in den Sommerferien jeweils zwei Wochen lang im Rahmen eines Ferienjobs in der früheren Synagoge gearbeitet und dabei auch eigene kleinere Projekte erarbeitet. Diese wurden jetzt beim Abschluss des Pilotprojekts vorgestellt.

Die jungen Menschen – allesamt aus der Großgemeinde Vöhl – sollten für die Synagoge werben, Menschen über die Arbeit des Förderkreises informieren, über die Geschichte der Vöhler Juden und das ehemalige jüdische Gotteshaus – und sich so auch stärker mit ihrer Heimatregion identifizieren.

Und die Bilanz dieses Pilotprojekts fällt durchweg positiv aus, wie Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, betonte. Rund 120 Besucher sind in den sechs Ferienwochen in der Synagoge gewesen, „das ist für uns eine ganz gute Zahl“. Und: „Ich war begeistert, wie gut sich alle auf die Führungen vorbereitet und wie sie auf Fragen reagiert haben.“ Insgesamt seien die Ziele des Projekts erreicht worden.

Der sechste Kulturbote: Ronny Regel.  

Vanessa Herzen, Henriette Hennig, Sanja Mohnen, Malte Spreckelsen, Silas Klöcker und Ronny Regel hatten die Jobs als Kulturboten übernommen und in ihren je zweiwöchigen Einsätzen auch eigene Aufgaben bearbeitet. Die 16-jährige Sanja Mohnen hat über jüdische Fest- und Feiertage recherchiert, warum und wann sie gefeiert werden und sie mit christlichen Feiertagen verglichen. Die Zwölftklässlerin Vanessa Herzen hat eine Übersicht der ehemaligen Synagogen in Hessen samit ihren Angeboten erstellt und zusammengefasst, was der Vöhler Förderkreis ebenfalls ins Angebot aufnehmen könnte. Unter anderem könnten in Vöhl auch Filmveranstaltungen stattfinden sowie eine geschichtliche Dauerausstellung, schlug sie vor.

Silas Klöcker und Malte Spreckelsen haben an Strategien zur Erhöhung der Webpräsenz gearbeitet, um mehr junge Menschen und auch mehr Touristen anzusprechen. Der Förderkreis hat nun eine eigene Facebook-Seite und einen eigenen Youtube-Kanal, außerdem haben die beiden dafür gesorgt, dass auf der Facebook-Seite des Touristikservices „Waldecker Land“ ein Post der Synagoge erscheint.

Henriette Hennig hat sich mit einen umfangreichen Interview einer ehemaligen Vöhler Jüdin beschäftigt und eine Abschrift des Gesprächs angefertigt. Der 15-jährige Ronny Regel hat das Leben von Ilse Schönthal aus Marienhagen niedergeschrieben, die mit ihren Eltern nach Riga deportiert und dort erschossen wurde.

Die Arbeit der Landkulturboten werde der Förderkreis fortsetzen, auch Ideen der Schüler sollen aufgegriffen werden, sagte Karl-Heinz Stadtler. So solle es im kommenden Jahr Filmabende in der Synagoge geben.

Während des Pilotprojekts hat das Netzwerk für Toleranz des Landkreises ein Video über die Arbeit erstellen lassen. Dieses ist auf dem Youtube-Kanal der Synagoge Vöhl zu sehen.

Ob das Projekt fortgesetzt wird, ist noch unklar. Der Förderkreis möchte es gerne fortführen, abhängig ist das jedoch von der Finanzierung, da die Landkulturboten Geld für ihre Arbeit bekommen.

Die Sponsoren

800 Euro hat jeder Landkulturbote für seine Arbeit bekommen. Als Sponsoren haben die Waldeckische Landeszeitung, Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), die Gemeinde Vöhl und das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg vier Landkulturboten finanziert. Für zwei Jugendliche übernahm der Förderkreis der alten Synagoge die Bezahlung.

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