Projekt in Vöhl wird fortgesetzt - Finanzierung kommendes Jahr ungewiss

Kulturboten in der Synagoge: Ein Ferienjob der anderen Art

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Sie sind die neuen Landkulturboten der Vöhler Synagoge: (von links) Marius Putscher, Silas Schwehn, Benjamin Grön, Johanna Albrecht, Celine Iemmolo und Regina Nazarenus. 

Gästen die Synagoge zeigen, die Geschichte der jüdischen Einwohner Vöhls und der Region erläutern, Einblick in die aktuelle Ausstellung geben: Sechs junge Menschen werden in diesem Jahr ihren Ferienjob in der alten Vöhler Synagoge machen.

Bereits zum dritten Mal beginnt damit in Vöhl das Projekt Landkulturboten. In diesem Jahr dabei: Marius Putscher und Silas Schwehn, beide aus Korbach und Schüler der Alten Landesschule, Celine Iemmolo (Thalitter), Regina Nazarenus (Ederbringhausen), Benjamin Grön (Marienhagen) und Johanna Albrecht (Dorfitter).

Warum sie sich für den ungewöhnlichen Ferienjob beworben hatten, erläuterten die Sechs bei einer Vorstellungsrunde in der Synagoge am Dienstagabend. Sie möchte mehr erfahren über die Geschichte der eigenen Gemeinde und der Region, sagte beispielsweise die 17-jährige Johanna Albrecht, bis vor kurzem noch Schülerin der Ederseeschule. Und Regina Nazarenus, 16 Jahre alt und ebenfalls frisch gebackene Absolventin der Herzhäuser Schule, habe nicht einmal gewusst, dass es eine Synagoge in Vöhl gibt, räumte sie ein. Nun will sie dafür sorgen, dass sie bekannter wird.

Gedenktafeln und Online-Führung geplant

Jeweils zwei Wochen lang werden die Schüler in Zweier-Teams Besucher des ehemaligen jüdischen Gotteshauses betreuen und mit Infos versorgen. Nebenbei arbeiten sie aber auch an eigenen Projekten. Marius Putscher und Johanna Albrecht konzipieren eine Online-Führung für die Internetseite der Synagoge, Celine Iemmolo und Regina Nazarenus wollen die Geschichte des Hauses bis in die heutige Zeit verdeutlichen und Benjamin Grön und Silas Schwehn planen, Gedenktafeln für einzelne Häuser in Vöhl zu entwickeln.

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge, ist gespannt auf die Ergebnisse, sagte er bei der Einführung der Landkulturboten. Er ist sicher: So wie die beiden vorherigen Male werde das Projekt auch dieses Jahr „ein voller Erfolg“. Und Vöhls Bürgermeister Karsten Kalhöfer sprach den jungen Menschen Dank und Respekt aus, „ihr habt euch einen Ferienjob der etwas anderen Art ausgesucht“. Damit übernehmen sie eine wichtige Aufgabe, denn die Landkulturboten würden mit dafür sorgen, dass Vergangenheit nicht gleichzeitig vergessen bedeute. Das Projekt insgesamt stärke den ländlichen Kulturtourimus und, so hofft er, binde die jungen Menschen auch stärker an ihre Heimat.

Daniel Teppe von der Grimmheimat Nordhessen, die sich in das Projekt eingeklinkt hat und es in weiteren Einrichtungen umsetzt, betonte, wie wichtig es sei, Botschafter der Region zu haben.

Kosten liegen bei rund 5000 Euro

Im ersten Jahr stemmte der Förderkreis der Synagoge Vöhl die Finanzierung des Projekts Landkulturboten, auch mit Hilfe von Sponsoren. Für 2019 und 2020 trägt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Kosten.

Doch die Förderung läuft Ende des Jahres aus, sagte Daniel Teppe von der Grimmheimat Nordhessen. Das Beispiel Vöhl zeige, dass es auch auf anderem Wege möglich sei, die Kosten zu decken. Man hoffe nun auf Sponsoren, die Grimmheimat wolle das mit Kontakten unterstützen. Laut Förderkreis-Vorsitzendem Karl-Heinz Stadtler brauche man rund 5000 Euro für die Umsetzung. Das Projekt solle auch im nächsten Jahr wieder stattfinden, sagte er. „Wir werden alles daransetzen.“

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