Aseler wollen Atlantis-Besuchern zeigen, wie hoch der Wasserstand bei Vollstau ist

Pfähle zeigen's an: So tief ist der Edersee eigentlich

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Hoch hinaus: Ortsvorsteher Thomas Ruch und Annemarie Augustin vom Ortsbeirat. 

Vöhl-Asel. Stellenweise ist das Wasser im Edersee derzeit wieder verschwunden. Wie hoch es aber bei Vollstau steht, wissen viele Besucher gar nicht, sagt Thomas Ruch. Der Ortsvorsteher von Asel und seine Mitstreiter aus dem Ortsbeirat haben sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen: Sie haben in der Aseler Bucht zwei mehrere Meter hohe Pfähle aufgestellt, die zeigen, bis zu welcher Höhe das Wasser normalerweise reicht.

„Die Idee entstand vor gut drei Jahren“, sagt Ruch. Nicht nur die Herzhäuser, sondern auch die Aseler müssten damit leben, dass das Wasser immer wieder verschwinde. „Ändern können wir es nicht, deshalb müssen wir das Beste daraus machen“, findet er.

Täglich sind zahlreiche Besucher auf dem Grund des Sees unterwegs, um sich das Edersee-Atlantis anzuschauen „und viele kommen mit falschen Vorstellungen“. Die Besucher sollen künftig nicht nur die versunkenen Überreste betrachten, sondern auch den Blick nach oben richten bis zu den Spitzen der Messpfähle.

Zunächst gab es die Überlegung, an den Felsen am Ufer Markierungen anzubringen, sagt Thomas Ruch. Doch das sei zu abstrakt. Ein Pfahl rücke alles ins richtige Verhältnis. Zwei Exemplare – eines 6,38 Meter, eines 8,49 Meter hoch – hat der Ortsbeirat jetzt aufgestellt. Mehr als ein Jahr habe es gedauert, die Erlaubnis zu bekommen. Mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt gebe es jetzt einen Nutzungsvertrag.

Wimpel in Neonfarbe

Mit Hilfe einer Drohne und eines Lasers hat der Ortsbeirat ausgemessen, wie hoch die Pfähle sein müssen, um den Wasserstand bei Vollstau anzuzeigen. An den beiden Stellen in der Aseler Bucht sind jetzt Edelstahlhülsen in den Boden eingelassen. Die etwas mehr als zehn Zentimeter dicken Holzpfähle haben Adolf Hille aus Asel und Wilfried Schmal aus Vöhl zur Verfügung gestellt, tatkräftige Aseler haben sie mit neonfarbenen Wimpeln bestückt und aufgestellt. Die Wimpel sollen die Stäbe besser sichtbar machen. Dennoch seien die Pfähle nicht störend beim Fotografieren, sagt Ruch.

Hinweisschilder: An den Pfählen sind Schilder angebracht, die erläutern, wie hoch das Wasser stehen müsste.

Damit die Edersee-Besucher verstehen, wieso lange schmale Holzpfähle im Boden stecken, sind kleine Schilder angebracht. „Sie befinden sich unmittelbar in der Dorfstelle von Alt-Asel“ steht auf dem Schild am kleineren der beiden Pfähle. „Die weiße Markierung zeigt Ihnen, wie hoch das Wasser normal an dieser Stelle steht.“

Kommt das Wasser zurück, müssen die Pfähle entfernt werden, sagt der Ortsvorsteher. Andernfalls könnten sich Sportler verletzen oder Schiffe die Pfähle zerstören. Doch sobald das Wasser dann wieder weicht, sollen sie wieder aufgestellt werden. Für die nächste Saison machen sich die Aseler bereits jetzt Gedanken darüber, ob sich die ungewöhnliche Aktion noch weiter ausbauen lässt. Für Ruch ist klar: Man sollte nicht nur meckern über den niedrigen Wasserstand, sondern etwas machen – und wenn es nur Kleinigkeiten wie die Messpfähle sind.

Einige Hundert Euro hat die Umsetzung der Aktion gekostet, die die Ortsgemeinschaft übernommen hat. „So etwas geht nur mit dem ganzen Dorf,“ sagt Ruch.

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