Förderkreis der Vöhler Synagoge und Kirchengemeinde erinnern an Pogromnacht

Gründe für das Gedenken

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Nach und nach entzünden Jugendliche 72 Kerzen, um der ermordeten Vöhler Juden zu gedenken.

Vöhl. Vergessen wollen die Besucher in Vöhler Kirche und Synagoge nicht – schließlich sind sie zusammengekommen, um sich an die Pogromnacht des 9. Novembers 1938 zu erinnern. Je länger der Abend dauert, desto mehr Gründe für das Erinnern nennen die Redner.

„Wenn wir die Namen der Opfer vergessen würden, dann hätten die Mörder gewonnen, die aus Menschen Nummern machen wollten“, befindet Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg. Gegen das Vergessen zünden Jugendliche in der Synagoge für jeden von den Nazis ermordeten Vöhler Juden eine Kerze an, die Vorstandsmitglieder des Förderkreises der Synagoge verlesen deren Namen, ihr Alter und den Ort ihres Todes. Jeder Name hat Zeit, zu wirken.

Eine Besonderheit: Ein israelischer Verwandter der jüdischen Familie Frankenthal hat dem ehemaligen Pfarrer Günter Maier eine eigene Gedenkkerze mitgegeben, die er in der Synagoge entzündet.

Das Gedenken an die Nazi-Opfer steht im Mittelpunkt, ist aber nicht alles: „Die reine Fixierung auf den Nationalsozialismus muss endlich raus“, zitiert Eisenberg die Essener Synagogenleiterin Edna Brocke. Am 9. November 1938 sei eine Saat aufgegangen, die Menschen und Kirche über Jahrhunderte gesät hätten.

Matthias Stappert erinnert daran, dass selbst nach der formellen Gleichberechtigung Juden vielen Menschen grundsätzlich „suspekt“ blieben – lang bevor es zum traurigen Höhepunkt gekommen sei.

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