Land übernimmt Großteil der Kosten für Renaturierung

Schmittlotheim: 200.000 Euro für naturnahes Bachbett der Lorfe

+
Blick in die Lorfe: Vöhls Bauamtsleiter Volker Ashauer, Ortsvorsteherin Kerstin Ziegler und Beigeordneter Friedrich Schenk waren mit Anwohnern unterwegs, um sich die Lorfe anzuschauen. Der Bach soll renaturiert werden

Vöhl-Schmittlotheim. Die Lorfe, die durch den Vöhler Ortsteil Schmittlotheim fließt, soll naturnaher gestaltet werden und damit auch eine größere Artenvielfalt ermöglichen. Auch der Hochwasserschutz könnte verbessert werden. Jetzt haben sich Gemeinde Vöhl, Behörden und Anrainer bei einer Gewässerschau die Situation vor Ort angeschaut.

Vor allem die ökologische Verbesserung soll durch die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Mittelpunkt stehen. Bislang ist das Bachbett mit glatten Steinen gepflastert, berichtete Bauamtsleiter Volker Ashauer bei der Gewässerschau. „Das war damals der Versuch, Hochwasser schnell durch den Ort zu leiten.“ Das habe durchaus auch funktioniert. Trotzdem kommt es in Schmittlotheim immer mal wieder zu Hochwasser-Situationen, beispielsweise im vergangenen Herbst, wie Anwohner berichteten. Bei manchen stehe das Wasser dann im Keller.

Förderung vom Land

Mit der naturnahen Gestaltung der Lorfe-Sohle und der stellenweisen Verbreiterung des Bachs – der teils nur durch eine schmale Rinne fließt – soll dann auch die Fließgeschwindigkeit etwas verringert werden. Insgesamt soll es weniger Ablagerungen geben, die den Abfluss verhindern könnten.

Schon jetzt greift die Gemeinde immer mal wieder ein, um Ablagerungen aus dem Gewässer zu baggern. Zu solchen Ablagerungen kann es auch nach der Strukturverbesserung noch kommen, sagte Ashauer. Doch auch dann dürfe man diese herausholen, signalisierte ein Vertreter der Unteren Wasserbehörde vom Landkreis.

Sand und Kies sollen nach Abschluss der Maßnahme das rund 700 Meter lange Bachbett bilden, sagte Ashauer. Größere Steine oder gar Büsche und Bäume soll es aber nicht geben, weil das den Bach zu stark bremse. „Das große Ziel ist eine ökologische Verbesserung“, sagte Ashauer. Gleichzeitig dürfe sich der Hochwasserschutz nicht verschlechtern, solle möglichst sogar verbessert werden.

Mit der Renaturierung der Lorfe sollen es auch Fische und andere kleine Lebewesen leichter haben, durch den Bach zu kommen. „Viele Fische kommen hier bislang kaum hoch“, sagte Ortsvorsteherin Kerstin Ziegler. Untersuchungen des Marburger Biologen Christoph Dümpelmann hätten im Herbst gezeigt, dass im Oberlauf in Richtung Altenlotheim nur wenige Fischarten schwimmen, berichtete sie. Dagegen seien es am anderen Ende, nahe der Edermündung, sehr viele verschiedene Arten. „Sie kommen wegen der Hindernisse aber nicht weiter.“ Kerstin Ziegler hofft darauf, dass sich das mit der erhöhten Durchlässigkeit nach der Umstrukturierung bessern wird.

Finanziell könnte die Gemeinde Vöhl die Renaturierung nicht allein stemmen, sagten Volker Ashauer und Bürgermeister Matthias Stappert. In diesem Jahr sind im Haushalt rund 5000 Euro für die Planungen und Vorbereitungen der Maßnahme vorgesehen, für das Jahr 2020 dann für den Bau rund 200 000 Euro. Das Land könnte das Vorhaben mit bis zu 95 Prozent fördern, so Matthias Stappert.

Zunächst soll, wenn der Gemeindevorstand zustimmt, ein Fachplaner ausgewählt werden, der eine Planung sowie eine Kostenschätzung erarbeitet.

Neue Tierarten ansiedeln

Schon jetzt gibt es Bemühungen, die Biodiversität in der Lorfe zu verbessern, sagte Ortsvorsteherin Kerstin Ziegler. Immer wieder seien in den vergangenen Jahren im Oberlauf Exemplare des Deutschen Edelkrebses eingesetzt worden, vor kurzem wurde das erste tragende Weibchen nachgewiesen.

Der Bachmuschel, die vor allem in der Eder beheimatet ist, wurde im Herbst nahe der Dreschhalle eine Vermehrungsfläche freigebaggert. Wie sich die Population dort entwickle, müsse man abwarten, so Ziegler.

Beide Projekte werden vom Biologen und Fischereiexperten Christoph Dümpelmann aus Marburg wissenschaftlich begleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare