Theatergruppe

Schwank in Buchenberg: Engagiert, witzig und nah am Publikum

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Das Stück lebt von seinen Darstellern: (von links) Renate Hamel, André Blättler, Monika Weber, Carmen Denhof, Lisa Opfer und Sebastian Christ.

Die Theatergruppe in Buchenberg bringt seit 20 Jahren die unterschiedlichsten Stücke auf die Bühne, engagiert, witzig und nahe am Publikum. Nun stand der Schwank „Die verschollene Kirchenchronik“ auf dem Programm.

Vöhl-Buchenberg – Das Sechs-Personen Stück sollte eigentlich schon im Frühsommer über die Bühne gehen, musste aber personalbedingt auf den Herbst verschoben werden.

Die Geschichte ist einfach gestrickt und schnell erzählt: In Kleinkirchlingen ist das Kirchendach defekt, Geld zur Sanierung steht nicht zur Verfügung. So ist die Kirchengemeinde samt Pfarrerin in den Gemeindesaal umgezogen. Gemäß einer alten Kirchenchronik war das so verbrieft. Der zweite Band der Kirchenchronik, der mehr Aufschluss dazu geben könnte, ist allerdings verschollen. Die Bürgermeisterin möchte die Kirchenleute und die Pfarrerin aber gerne loswerden.

Um das zu verhindern, treten bei den folgenden Bürgermeisterwahlen gleich mehrere Gegenkandidaten an, von denen sich aber keiner durchsetzen kann: Absoluter Gleichstand. Ein Besucher aus USA sorgt zwischenzeitlich für Aufsehen, er ist auf der Suche nach den Wurzeln seiner Vorfahren. Die findet er schließlich auch, spendet ein neues Dach für die Kirche, und die bisherige Bürgermeisterin darf weiter regieren, und auch die verschollene Kirchenchronik taucht am Ende wieder auf.

Der Vier-Akter kommt dauerhaft mit derselben Kulisse aus. Es lebt weniger von einer originellen Geschichte, dafür umso mehr von den Darstellerinnen und Darstellern. Eine in Teilen hilflose Pfarrerin, die sich mit einer Haushälterin herumärgern muss, die nicht kochen kann. Diese, dargestellt von Carmen Dehof in breitem Schwäbisch, kommt überzeugend naiv, gleichzeitig witzig rüber. Ihr Mann, der Büttel des Ortes, versucht sich von ihrer Bevormundung freizumachen und entwickelt dazu seinerseits eigene Karriereambitionen.

Dann gibt es noch die schrille Künstlerin Rosa, etwas überdreht, aber sympathisch und die karriereverliebte Bürgermeisterin Adelgunde Haberecht, die ihrem Namen alle Ehre macht, gespielt von Regisseurin Renate Hamel. Der Amerikaner mischt die naiven Kleinkirchlinger etwas auf und punktet mit überzeugendem Slang und politischem Weitblick.

Die ganze Truppe spielte das Stück engagiert und locker runter, schaffte es sogar, spontane Kommentare über die knisternde Chipstüte eines Jugendlichen in der ersten Reihe mit einzubauen. Lediglich die zwei Pausen empfand manch geneigter Theaterfan etwas überlang. (Von Hans Peter Osterhold)

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