Rüdiger Späth aus Vöhl bietet vier Touren an

Trend Waldbaden: Lauschen und Fühlen in der Natur

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Im Wald ist Rüdiger Späth oft und gern unterwegs. Jetzt bietet er Touren zum Thema Waldbaden an. 

Vöhl – Waldbaden: In Japan ist das bewusste Eintauchen in den Wald seit Jahrzehnten bekannt. Mittlerweile gibt es diese besondere Form des Spaziergangs auch in Deutschland und jetzt erstmals in Waldeck-Frankenberg. Rüdiger Späth beschäftigt sich seit Jahren mit „Shinrin-yoku“, wie Waldbaden auf Japanisch heißt. Wir sprachen mit ihm über bewusstes Lauschen und Fühlen und Kontakt zu Pflanzen.

Herr Späth, woher kommt der Trend Waldbaden?

In den späten 70er- und frühen 80er-Jahren ist das Waldbaden in Japan entwickelt worden. „Shinrin-yoku“ heißt es im Japanischen, das bedeutet soviel wie „Eintauchen oder Baden in der Waldatmosphäre“. In Japan haben sich Wissenschaftler und Ärzte auf den Weg gemacht und genauer hingeschaut, wie der Wald auf uns Menschen wirkt. Schnell konnte man den positiven Einfluss auf die Gesundheit von Patienten messen, wenn sie im Wald waren. Die Schulmedizin in Japan hat die Ergebnisse – das ist der Unterschied zu vielen westlichen Ländern – gut aufgenommen und verhältnismäßig schnell integriert.

Wie sind Sie aufs Thema Waldbaden gestoßen?

Das ist mehr als 15 Jahre her. Ich habe verschiedene Artikel darüber gelesen und fand es irre interessant. Die Initialzündung kam mit einem Buch: „Der Biophilia-Effekt“ von Clemens G. Arvay. Dort wurden viele Effekte beschrieben, die sich auch beim Waldbaden finden. Dann habe ich die Idee vertieft und ein Konzept erarbeitet, das ich jetzt anbieten möchte.

Was macht man beim Waldbaden? Wie muss man sich das vorstellen?

Die einfachste Form ist ein Spaziergang im Wald. Auch da gibt es Studien, die belegen, dass sich so ein Spaziergang positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn man das regelmäßig macht. Die Wirkung eines Waldspaziergangs kann bis zu fünf Tage anhalten.

Sie bieten Touren an, zu denen ein Sitzkissen mitgebracht werden soll. Wieso?

Es gibt unterschiedliche Formen des Waldbadens. Zum Beispiel, immer wieder den gleichen Pfad zu beschreiten. Das ist bei Gästen schwierig, die nur einmal da sind. Deswegen verfolge ich andere Ideen. Ich biete Achtsamkeitsübungen im Wald an. Da geht es zum Beispiel um achtsames Gehen. In einer anderen Übung geht es um achtsames Wahrnehmen der Waldgeräusche. Zusätzlich biete ich eine geführte Meditation an. Also Dinge, die im Sitzen angenehmer sind.

Es ist also nicht nur ein Spaziergang, sondern ein bewussteres Wahrnehmen?

Absolut. Je mehr Sinne man einsetzen kann, desto besser. Zudem besteht bei einer der Übungen die Möglichkeit, mit einem Baum in Kontakt zu treten. Dabei ist ein Ziel, den Baum als lebendiges Wesen zu begreifen. Aber natürlich ist alles freiwillig. Wer sich nicht auf jede Übung einlassen möchte: kein Problem. Zum Abschluss gibt es eine Geschichte oder Phantasiereise, die ich selbst geschrieben habe. Und zwischendurch immer wieder der Blick in die Geschichte. Wie haben unsere Vorfahren den Lebensraum Wald verstanden? Generell sind alle Übungen so angelegt, dass sie die Gäste zu Hause wiederholen können.

Die Deutschen lieben ihren Wald. Aber Sie denken, dass er doch nicht genug wahrgenommen wird?

Wir haben schon eine emotionale Bindung zum Wald. Auf der einen Seite nutzen wir Wald, wir sitzen beispielsweise auf Holzstühlen. Auf der anderen Seite berührt es viele, wenn Flächen gerodet werden oder einem Sturm zum Opfer fallen. Das Problem sehe ich darin, dass wir uns zu sehr von den Prozessen der Natur entkoppelt haben. Wald ist auch ein Lebensraum. Das nehmen viele Menschen so nicht mehr wahr, denke ich.

Was ist die Wirkung des Waldbadens auf Körper und Geist?

Im Bereich von psychosomatischen Krankheiten gibt es Studien, die ganz klar zeigen: Es wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Stresssymptome können gelindert werden. Und der Geist kann sich beruhigen, weil die meisten der „unnatürlichen Sinnesreize“, denen wir fast permanent ausgesetzt sind, schlicht fehlen. Meine persönliche Meinung ist, dass wir in diesem Bereich noch ganz viel erleben dürfen, wenn weiter geforscht wird. Aber: Waldbaden ersetzt keinen Arzt.

Kann man Waldbaden überall machen?

Es bietet sich an, negative Emotionen rauszulassen. Das heißt, es sollte ein Waldgebiet sein, in dem man sich wohlfühlt. Allerdings führt die Tour, die ich anbiete, ganz bewusst auch an einer Windwurffläche vorbei. So sieht man die Dynamik in der Natur. Das macht deutlich: Hier ist nicht Schluss, es geht immer weiter in der Natur.

Es gibt spezielle Ausbildungen für Menschen, die Waldbaden anbieten möchten.

Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit der fernöstlichen Philosophie und damit, wie immer mehr dieser Aspekte auch bei uns Einzug halten. Speziell zum Thema Waldbaden habe ich sehr viel gelesen und recherchiert. Ich bin also weitestgehend Autodidakt. Aber alles geht nicht aus Büchern, die Ausbildung steht auf meiner Agenda.

Müssen Teilnehmer beim Waldbaden etwas mitbringen, beispielsweise eine besondere Kondition?

Nein, aber toll finde ich es, wenn die Gäste Neugier mitbringen. Ich mag es, wenn viel gefragt wird, das bietet Raum für Austausch. Die Tour wird bestimmt kein bierernster und total wissenschaftlicher Exkurs. Gerne darf sie auch als kleine Auszeit verstanden werden. 

Vier Termine in diesem Jahr

Rüdiger Späth bietet im Auftrag des Naturparks Kellerwald-Edersee in diesem Jahr vier Termine zum Thema Waldbaden an (jeweils Sonntage): 28. April, 21. Juli, 8. September sowie 10. November, immer von 10 bis 14 Uhr.

Treffpunkt ist immer am Wanderparkplatz Hochstein in Vöhl, Zufahrt über die Lindenallee. Die Strecke, die von dort aus zurückgelegt wird, ist nur rund drei Kilometer lang. Die Teilnahme an einer Wanderung kostet pro Person fünf Euro, bis 17 Jahre ist sie kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig, wer mitgehen möchte, kommt einfach zum Treffpunkt.

Für die Tour sollte jeder möglichst ein Sitzkissen mitbringen.

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