Ausflugsziel in Herzhausen: Martin Kerste und Andy Gheorghiu haben Petition gestartet

Unterstützer kämpfen für Erhalt des Waldcafés am Edersee

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Mit dem Motto „Wir vermissen das Waldcafé!“ auf dem Banner sprechen Martin Kerste und Andy Gheorghiu den Freunden des Waldcafés aus dem Herzen. 

Herzhausen – Acht Jahre lang hat der Sozialpädagoge Martin Kerste das Waldcafé & Camp in Herzhausen am Edersee in den Sommermonaten mit „Leib und Seele“ geführt.

„Ich habe immer diesem Ort gedient“, betont er. Besucher kamen von weit her, um seine mit Biozutaten selbst gebackenen Kuchen und marokkanischen Milchkaffee zu verzehren sowie die Seele baumeln zu lassen. Im Oktober wurde dieses Idyll, das Menschen Ruhe vom hektischen Alltag bot, im Zuge der Rückübergabe des Zeltplatzes von der Gemeinde Vöhl an den Landkreis Waldeck-Frankenberg, geschlossen.

Mit einer Online-Petition, gerichtet an Landrat Reinhard Kubat, den Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese und den Geschäftsführer der Edersee Touristik Claus Günther, will nun Andy Gheorghiu vom Freundeskreis Waldcafé am Edersee das Waldcafé & Camp am Leben erhalten – natürlich zusammen mit Martin Kerste, weil er diesen Ort mit besonderer Menschlichkeit ausfülle. „Er war nicht nur Platzwart, sondern hatte Visionen und Vorstellungen, wie man Menschen und Natur hier integriert, wie man einen magischen Ort schafft, der Menschen anzieht“, betont Gheorghiu. 

Die Online-Petition habe bereits mehr als 600 Unterstützer. Der Landkreis wolle nun in diesen Ort investieren. „Wenn aber ein gewinnorientierter Betreiber hinkommt, muss bei der kleinen Fläche Zelt an Zelt stehen“, sagt Martin Kerste. Das Verweilen und Übernachten am Waldcafé & Camp muss für alle finanzierbar bleiben und es darf kein exklusiver Ort für besserverdienende Leute werden“, erklärt Gheorghiu. „Ich habe vor sechs Jahren ein optionales Entwicklungspotenzial erstellt, was man machen kann und worin ich mich verbürge, dass sich dieser Platz allein trägt“, betont Kerste. Dieser liege seit zwei Jahren bei der Kreisverwaltung.

Er wünsche sich nachhaltigen, sanften Tourismus mit Übernachtungen in Blockhütten, holzverkleideten Bauwagen und Camp-Parzellen für kleine und große Zelte. Er sei enttäuscht, dass ihn der Landkreis nicht in die Planungen einbeziehe.

„In den letzten acht Jahren hat es eine unglaubliche Entwicklung gegeben“, macht Gheorghiu deutlich. Jetzt, wo es erstmals eine Perspektive gebe, kicke man Kerste einfach raus, als habe nie eine Entwicklung durch ihn stattgefunden, die angesichts geringer Ressourcen enorm gewesen sei.

„Aus politischer Überlegung ist es fatal, Herrn Kerste nicht einzuladen und nach seinen Vorstellungen zu fragen“, sagt Andy Gheorghiu. Erst durch diese Grundlagen könne man verstehen, welches Potenzial der Ort habe. „An diesem Ort wird etwas abgeschöpft, was wertvoller ist als monetärer Gewinn, was im Einklang mit dieser Region steht und auch den Nationalpark ausmacht“, betont Gheorghiu. Man müsse „Raum für etwas Anderes“ lassen.

Landkreis: „Café muss heutigen Anforderungen entsprechen“

Das Waldcafé befindet sich als Teil des Jugendzeltplatzes „Am Hochstein“ im Eigentum des Landkreises, wurde aber in den vergangenen Jahrzehnten in Regie der Gemeinde Vöhl betrieben, die dort einen Pächter eingesetzt hatte. Darauf weist der Landkreis Waldeck-Frankenberg auf Anfrage unserer Zeitung hin.

„Die Gemeinde möchte aber den Zeltplatz und damit auch die Einrichtung nicht weiter betreiben und hat dem Pächter gekündigt sowie um Aufhebung des Pachtvertrages mit dem Landkreis gebeten. Da das gesamte Areal mittlerweile auch in die Jahre gekommen ist und heutigen Anforderungen an derartige Freizeiteinrichtungen nicht mehr entspricht, hat der Landkreis entschieden zu sanieren und zeitgemäß herzurichten“, heißt es in der Pressemitteilung aus dem Kreishaus. 

Eine Baugenehmigung liege bereits vor. Der Landkreis habe die Maßnahme im Haushalt verankert und es seien zudem Leader-Mittel bei der Europäischen Union beantragt worden. Einen konkreten Zeitplan für die Sanierung gebe es noch nicht, da die Maßnahme erst nach Vorliegen eines Bewilligungsbescheids in Angriff genommen werden könne. „Ziel ist es, den Jugendzeltplatz zu attraktivieren und das Waldcafé als Ausflugsziel und gastronomische Einrichtung zu erhalten, indem es baulich und von seiner Ausstattung her den heutigen Anforderungen entsprechend aufgewertet wird“, schreibt der Landkreis

Von Nadja Zecher-Christ

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