Ökumenischer Tag der Schöpfung im Nationalpark-Zentrum Kellerwald

Vielfalt der Lebensräume erhalten

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Ökumenischer Gottesdienst: Weihbischof Karl-Heinz Diez, Propst Helmut Wöllenstein, Dekanin Petra Hegmann, Pfarrer Jörg Bickelhaupt, Ökumenereferentin Brigitte Görgen-Grether, Pfarrer Matthias Bringmann, Pfarrer Uwe Hesse und Pater Norbert Rasim (v.l.).

Vöhl-Herzhausen - Ins Schwärmen über die Natur rund um den Edersee geriet Propst Helmut Wöllenstein in seiner Predigt: „Was man hier sieht und erlebt, ist etwas Heiliges“, sagte er beim Gottesdienst zum ökumenischen Schöpfungstag am Freitagnachmittag.

„Zurück ins Paradies ?“ lautete die zentrale Frage bei der landesweiten Auftaktveranstaltung zur Schöpfungszeit. Erstmals fungierte der Nationalpark Kellerwald-Edersee als Kooperationspartner.

Pfarrer Jörg Bickelhaupt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft aller christlichen Kirchen, erläuterte das Motto: „Können wir Menschen ein Paradies schaffen und Landschaften wieder zum Leben verhelfen?“ Er regte zum Nachdenken an und appellierte an die Gottesdienstbesucher, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen.

„Weniger ist mehr“

Propst Helmut Wöllenstein bezeichnete die Landschaft als „lebendigen Garten Gottes“. Alte Eichen auf dem Knorr­eichenstieg, Wildkatze, Feuersalamander, Rot- und Schwarzmilan oder Schwarzspecht, er bewies sein Wissen über die heimische Natur, die sehr sensibel erschlossen sei. „Wachstum und Konkurrenz können auf Dauer kein Maßstab für ein Leben auf unserer Erde sein“, mahnte der Geistliche.

„Weniger ist mehr.“ Mit diesem Appell an die Konsumgesellschaft knüpfte der Fuldaer Weihbischof Karl-Heinz Diez im zweiten Teil der Predigt an. Er warb für das Tischgebet: „Das ist ein Innehalten für die Gaben der Schöpfung.“ In der aktuellen Situation der Flüchtlingsströme forderte er eine Kultur der Mitmenschlichkeit, Solidarität und Achtsamkeit. Er vermittelte Inhalte der aktuellen Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

Weitere Mitwirkende beim Festgottesdienst waren Ökumenereferentin Brigitte Görgen-Grether vom Bistum Limburg, Umweltpfarrer Uwe Hesse von der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, Dekanin Petra Hegmann aus Frankenberg, Pater Norbert Rasim vom katholischen Konvent Wetter und Pfarrer Matthias Bringmann aus Schmittlotheim. Mitglieder mehrerer Posaunenchöre aus der Region unter der Leitung von Dr. Marco Werchner gestalteten den Gottesdienst musikalisch.

Detlef Szymansky vom hessischen Umweltministerium erläuterte die hessische Biodiversitätsstrategie. Er bezeichnete die biologische Vielfalt als Schlüssel für wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wohlstand. Es gelte, die Vielfalt der Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten sowie deren genetische Varianz zu erhalten. In Wal­deck-Frankenberg wurden das Breitblättrige Knabenkraut und die Arnika als Leitarten ausgewählt. Die Untere Naturschutzbehörde bitte um Meldung von Vorkommen dieser Pflanzen.

Paradies näher kommen

Landrat Dr. Reinhard Kubat spannte den Bogen von der Bewahrung der Schöpfung mit viel Verantwortungsgefühl, Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit zur aktuellen Flüchtlingssituation. „Wenn wir damit Menschen helfen, die auf der Flucht vor Not, Gewalt, Krieg oder Elend zu uns kommen, bringt uns das dem Idealzustand Paradies wieder ein wenig näher“, betonte er. Kubat erinnerte an die eingebrachte Ernte und Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Nahrungsmittel, wodurch viele Menschen an Hunger sterben.

Nationalparkleiter Manfred Bauer bezeichnete das Großschutzgebiet als „Oase der Ruhe“, in der beobachtet, geforscht und ein wichtiger Bildungsauftrag erfüllt werde. Der Vöhler Bürgermeister Matthias Stappert sieht in dem Weltnaturerbe eine „Insel der Schöpfung“, die sich ungestört entwickeln könne. Die Welt sei ein fragiles System, das leicht aus dem Gleichgewicht geraten könne. Deshalb sei der Schöpfungstag so wichtig, betonte der Rathauschef.

Nach dem Gottesdienst gab es für fast alle Besucher eine Erfrischung mit Biomilchgetränken aus der Region. Am Nationalpark-Zentrum hatten Direktvermarkter Stände aufgebaut. Neben Wurst und Backhausbrot gab es auch seltene Pflanzen, Marmelade und Likör, Vogelnistkästen oder Tierzubehör. Eine „Weltladen“ bot fair gehandelte Produkte an.

Mitglieder des Arche-Vereins Kellerwald stellten bedrohte Haustierrassen vor: Lachshühner, Japanerkaninchen und eine Thüringer Waldziege. Pfarrer Uwe Hesse referierte nach dem Gottesdienst über Biodiversität in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung im Kinosaal des Nationalpark-Zentrums.

Von Frank Seumer

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