Einsatzbereitschaft tagsüber teils deutlich eingeschränkt

Vöhl braucht dringend mehr Feuerwehrleute

Feuerwehrauto Symbolfoto
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So steht es um den Brand- und Katastrophenschutz: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan analysiert jeden Aspekt rund um die Feuerwehr.

Wie gut sind die Ortsteilfeuerwehren personell aufgestellt? Welche Gebäude müssten saniert oder gar neu gebaut werden? Welche Risikopotenziale gibt es? Der aktuelle Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr Vöhl liefert einen Überblick.

Vöhl - Gemeindebrandinspektor Marco Amert hat mit seinen Stellvertretern Björn Knoche und Heiko Schäl auf gut 170 Seiten zusammengestellt, wie es um den Brandschutz in der Gemeinde bestellt ist. Dabei hat sich herauskristallisiert, was laut Feuerwehrführung der Schwerpunkt der kommenden Jahre ist: die Anwerbung von Einsatzkräften. Denn die erforderlichen Personalstärken werden nicht bei allen Wehren in den Ortsteilen erreicht.

280 Mitglieder hatten alle 14 Ortsteilfeuerwehren im ersten Quartal diesen Jahres. Damit gab es zwar eine leichte Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. 2019 waren es 277 und 2018 271 Aktive. Allerdings: „Auf Grundlage der negativen Bevölkerungsprognosen im Rahmen des demografischen Wandels wird dies zukünftig die wichtigste und schwierigste Herausforderung für die Freiwillige Feuerwehr, aber auch für alle Verantwortlichen der Nationalparkgemeinde Vöhl darstellen“, halten die Autoren fest. In einigen Ortsteilen gebe es bereits jetzt „hohen Handlungsbedarf“.

Ein besonderer Fokus müsse auf Asel, Harbshausen und Orke liegen. In Asel beispielsweise gebe es derzeit neun Aktive, die geforderte Reservestärke liege aber bei zwölf Einsatzkräften. In Harbshausen stehe gar in den kommenden beiden Jahren „ein massiver Personalschwund“ bevor. Nach aktuellem Stand würden dort nur sechs Feuerwehrleute übrig bleiben. „Die geforderte Reservestärke von zwölf Einsatzkräften würde somit deutlich unterschritten.“ Im Extremfall müsse man auch eine Pflichtfeuerwehr in Erwägung ziehen. In Orke gebe es derzeit zehn Aktive, vier von ihnen seien bereits älter als 50.

Werben mit Infoständen und Schnupperübungen

Diesem Mangel müsse man „umgehend mit Werbeaktionen entgegenwirken“. Auch Vorschläge für Maßnahmen liefern die Gemeindebrandinspektoren: So könne man mit Infoständen werben, zum Beispiel bei Festen, Tage der offenen Tür und Schnupperübungen könnten veranstaltet werden. Zunächst sollten jedoch die Einwohner der betroffenen Orte angeschrieben werden. Weitere Ideen würden derzeit gesammelt. „Je nach Erfolg müssen gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden.“

Ein weiteres Problem: Die Einsatzbereitschaft tagsüber ist deutlich eingeschränkter als nachts, da viele Aktive nicht in den Orten arbeiten, in denen sie leben und Feuerwehrmitglieder sind. Mancherorts stünden von morgens bis zum frühen Abend nur drei bis vier Einsatzkräfte bereit. In Harbshausen wären es laut Übersicht sogar nur ein bis zwei. Dabei sei diese Wehr aus Sicht der Führungskräfte eine besonders wichtige, da sie „an einem strategisch wichtigen Standort“ sei. Denn: „Keine andere Ortsteilwehr kann die Hilfsfristen für das Camp der Hessischen Sportjugend, das Albert-Schweitzer-Lager sowie den Campingplatz Asel-Süd einhalten.“

Mehrere Wehren gleichzeitig alarmieren

Um dennoch sicherzustellen, dass auch tagsüber genügend Ehrenamtliche im Fall der Fälle im Einsatz sind, gibt es seit längerem das sogenannte Rendezvous-Verfahren. Bedeutet: In der Regel werden gleich die Wehren aus mehreren Orten alarmiert. Dies soll auch künftig so bleiben, um die Tagesalarmsicherheit zu ermöglichen.

Doch nicht in jeder Vöhler Ortsteilfeuerwehr ist die Personalsituation kritisch. Zum Beispiel in Basdorf, Buchenberg, Marienhagen und Vöhl sind je deutlich mehr als 20 Aktive dabei. Zudem gibt es neun Jugendfeuerwehren mit 104 Mitgliedern. Aus ihnen heraus würden immer wieder Übernahmen in die Einsatzabteilungen in Aussicht stehen.

In manchen Gerätehäusern keine WCs

Für den Bedarfs- und Entwicklungsplan wurden auch alle Feuerwehrgerätehäuser der Gemeinde Vöhl analysiert und festgehalten, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Teils gibt es in den Gebäuden nicht einmal Toiletten oder von der Fahrzeughalle getrennte Umkleiden. Beispielsweise in Basdorf und Buchenberg ist es der Fall, dass sich die Einsatzkräfte direkt in der Fahrzeughalle umziehen. Dadurch sei die Schutzkleidung den Emissionen der Dieselabgase ausgesetzt. Auch Schimmel gibt es teilweise in den Gerätehäusern, unter anderem in Marienhagen.

Auch die Anregung für mögliche Fahrzeugbeschaffungen finden sich im Plan. So solle geprüft werden, ob ein Quad sinnvoll sei mit Blick auf die Erweiterung des Nationalparks um die Steilhänge. Teilweise könnten die Wanderwege dort nicht mit regulären Fahrzeugen befahren werden. (Julia Janzen)

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