Hegegemeinschaft Vöhl-Frankenau bricht Lanze für das Reh

Vöhler Jäger: „Wild und Wald gehören zusammen“

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Der Rehbock, den der Naturfotograf Dieter Bark vor die Linse bekam, ist rund drei Jahre alt und trägt seine „Sommerdecke“ – das Fell ist rotbraun. Rehe sind Selektierer: Sie naschen.

Vöhl -  Vier Vöhler, alle selbst Jäger, brechen eine Lanze für das Reh, das Wildtier des Jahres 2019. Es müsse im rechten Maß vorkommen – nur vermehrt zu Schießen sei keine Lösung.

Es zählt zu den beliebtesten Waldbewohnern – und wird doch immer wieder zum Zankapfel: Das Reh. Das Wildtier des Jahres 2019 soll vermehrt unter Beschuss genommen werden, etwa im Frankenberger Land und in Lichtenfels, weil es an jungen Waldkulturen hohen Verbissschaden anrichten kann.

Allein: „Nur Schießen ist keine Lösung“, betonen Gero Hütte-von Essen, Karl Wittmer-Eigenbrodt und Dieter Emde von der Hegegemeinschaft Vöhl-Frankenau sowie Klaus Höbel, Vorsitzender des Hegerings Vöhl. Sie wollen eine Lanze brechen für den scheuen Waldbewohner, den Gero Hütte-von Essen als „Erfolgsmodell unter den Wildtieren“ bezeichnet: „Als Kulturfolger hat die kleinste und häufigste Hirschart Europas sich perfekt an den Menschen angepasst“.

Spray, Hüllen, Wolle oder Krepp: Dieter Emde (von links), Karl Wittmer-Eigenbrodt, Dr. Gero Hütte-von Essen zeigen, wie Rehe von Verbiss abgehalten werden.  

„Eine Bejagung gehört dazu, aber das Reh ist kein Schädling“, unterstreicht Dieter Emde. „Rehe sind Teil der Kulturlandschaft und müssen im rechten Maß vorkommen“, sagt Hütte-von Essen. Einen Mittelweg zu finden sei da nicht immer einfach, müsse aber oberstes Ziel sein. Es müsse austariert werden, was für alle Seiten tragbar sei – das sei eine Herausforderung für die von Grundstückseigentümern, Jagdrechtsinhabern und Jagdausübungsberechtigten paritätisch besetzten Hegegemeinschaft, die gerade wieder die Zahl der Abschüsse festsetze.

Schmeckefüchse

Rehe selektieren das Leckerste: Sie äsen im Frühling und Sommer frisches Grün und Kräuter auf Wiesen. Triebe würden sie vornehmlich im Winter Triebe verbeißen – vor allem, wenn Schnee liege und kein anderes Frischfutter zu finden sei, erklärt Karl Wittmer-Eigenbrodt, Vize- Vorsitzender und Gründungsmitglied der Hegegemeinschaft Vöhl-Frankenau. Dabei wählen sie, was viel Energie trage und an das sie auch bei viel Schnee gelangen: Knospen und Triebe von heranwachsenden Nadel- und Laubbäumen.

Ein Rat sei daher, „von einer Art ganz viele Pflanzen zu setzen“. Es gebe aber auch preiswertere Mittel, um Rehe vom Naschen abzuhalten: Ein Vergrämungsmittel, das auf heranwachsende Bäume gespritzt wird, sowie Schafwolle oder einfaches Kreppband. Beides wird um die Triebspritzen gebunden.

Viele Möglichkeiten, Bäume zu schützen

„Oft genügt ein einmaliges Eingreifen allerdings nicht, die Arbeiten müssen über einige Jahre regelmäßig wiederholt werden“, erklärt Dieter Emde. Um die Pflanzen müsse außerdem ein Fegeschutz angebracht werden – etwa in Form von Stöcken. Beim „Fegen“ reiben sich die Böcke jedes Jahr die Basthaut von ihren Geweihen, auch da kann Schaden entstehen. Der tierische „Frühjahrsputz“ der Böcke dauert noch bis Anfang Mai.

„Manche wählen auch einen zweigleisigen Weg: Sie bringen an den äußeren Rändern der Aufforstungsflächen widerstandsfähige Wuchshüllen an, im Inneren aber Wolle oder Krepp“, weiß Karl Wittmer-Eigenbrodt: „Bei hoher Wilddichte hilft jedoch nur eines richtig: ein Gatter aus Holz oder Einzelschutz, also Geflechtmanschetten, anzubringen“.

Hegepflicht  - Wildackerstreifen und Äsungsflächen

Zur Hegepflicht gehöre auch, Äsungsflächen an Waldschneisen oder Wegesrändern sowie Heckenstreifen und Wildackerfeldrandstreifen in ausgeräumter Natur anzulegen. So könnten die Tiere außerhalb der Wälder genügend Futter finden – und es lasse sich ein guter Mittelweg für alle finden, betont Wittmer-Eigenbrodt. (md)

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