Martin Kerste bricht zum sechsten Mal auf nach Marokko

Vöhler fährt 12.000 Kilometer, um Spenden zu verteilen

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Startklar: Martin Kerste wird zum sechsten Mal mit seinem Mercedes-Bus nach Marokko reisen, um dort Hilfsgüter zu verteilen. 

Vöhl. Hosen und Pullover, Schuhe und Brillen, Shirts und Jacken: Mehr als 600 Kilo Hilfsgüter sind bereits in Kartons verstaut, am 18. November macht sich Martin Kerste aus Vöhl damit auf den Weg nach Marokko. In den ärmsten Regionen des afrikanischen Landes wird er seine Mitbringsel verteilen – auf eigene Faust.

„Das Projekt ist ein Selbstläufer“, sagt Martin Kerste, während er Kartons umräumt und stapelt. Offizielle Aufrufe, dass er Kleidungsspenden braucht, macht er nicht. Die Leute wüssten längst Bescheid. Wer Kleidung oder andere Gegenstände des täglichen Bedarfs abgeben will, stellt ihm die Kartons einfach in den Hof seines Bauernhauses in Vöhl. Einige Tausend Dinge, schätzt er, hat er für die nun anstehende Tour zusammenbekommen. „Ich nehme aber nur hochwertige Sachen“, betont er. „Dabei geht es schließlich auch um die Würde der Menschen.“ Der Großteil ist für Kinder gedacht. „Viele von ihnen laufen mit Plastiktüten als Schuhe herum – auch im Schnee“, beschreibt er die Beobachtungen früherer Touren.

Insgesamt wird er rund 12 000 Kilometer in den kommenden Monaten zurücklegen, davon etwa 7000 in Marokko. Hinzu kommt noch eine jeweils 54-stündige Überfahrt mit der Fähre.

Hilfe für Menschen in Marokko: An Erwachsene und Kinder verteilt Martin Kerste seine Hilfsgüter.

Bevor er seine Sachspenden unter die Menschen bringen kann, muss er durch den Zoll. Das werde schwierig, sagt Kerste. In Marokko sei er längst eine „unerwünschte Person“. Der Grund: „Angeblich geht es den Berbern gut.“ Sie würden keine Hilfe brauchen. Doch lediglich in Touristenhochburgen wie Casablanca oder Rabat würden für die ärmeren Menschen auch etwas durch Touristen abfallen, weiß er.

Seine Ziele liegen im Mittleren Atlas, dort gebe es die ärmsten Gebiete. „Die Menschen dort leben teils in Zelten aus Ziegenhaar.“ Im Winter werde es in der Region bis minus zehn Grad kalt, so manche Stadt schneie in der kalten Jahreszeit komplett ein und sei damit von der Außenwelt abgeschnitten. Nicht nur körperlich ist das für den Vöhler anstrengend. Er nimmt lediglich Hündin Ayaschi mit, ist oft allein. „Damit komme ich schwer zurecht.“ Doch mittlerweile habe er es gelernt. Bis an die algerische Grenze, nach Merzouga, wird er fahren.

Jede einzelne der Sachspenden, so sagt er, werde er dort an die Menschen verteilen. Doch nicht nur das, er hat auch eine Botschaft: „Viele wollen nach Europa. Ich versuche ihnen klar zu machen, dass die EU nicht das Paradies ist.“ Taschelheit, die Sprache der Berber, beherrsche er nur rudimentär, doch er lerne weiter. Während seiner monatelangen Tour schläft und lebt Martin Kerste mit den Einheimischen, teilt ihre Armut, wie er sagt. Nur manches Mal übernachte er in seinem Mercedes-Bus. Kerste liebt und lebt Bescheidenheit, ist Minimalist.

„Menschen sind dankbar“

In den vergangenen Jahren hat er immer wieder eines erlebt: „Je ärmer die Menschen, desto freundlicher sind sie.“ Teilweise gebe es aber auch aggressive Clans. Beim Verteilen seiner Spenden könne es schon einmal zu Tumulten kommen. „Die Menschen sind sehr dankbar, dass sie vom Westen wahrgenommen werden“, sagt der studierte Sozialpädagoge.

Wahrscheinlich werde er Mitte März zurück sein, sagt Kerste. Doch schon jetzt weiß er: So anstrengend die Fahrt auch wird: Es wird nicht seine letzte Hilfstour sein. „Was gibt es Sinnvolleres, als Tausende Menschen glücklich zu machen?“

Info: In unregelmäßigen Abständen wird Martin Kerste für die Waldeckische Landeszeitung von seinen Erlebnissen im afrikanischen Marokko berichten.

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