1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Vöhl

Vöhlerin betrügt Nachbarn mit EC-Karte um 10.700 Euro

Erstellt:

Von: Wilhelm Figge

Kommentare

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau tippt am 28.01.2010 in Hamburg die Pin der EC-Karte an der Tastatur eines Geldautomaten einer Bank ein. Foto: Marcus Brandt/dpa (zu dpa-Korr "Datenklau am Geldautomaten: Schaden sinkt auf elf Millionen Euro" vom 24.12.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Mit einer an sich genommen EC-Karte hat eine Frau über elf Tage verteilt 10.700 Euro abgehoben © Marcus Brandt/dpa (Symbolbild)

Mit einer im Auto liegen gelassenen EC-Karte hat eine Frau das Konto ihres Nachbarn leer geräumt. In Korbach ist ein Urteil gefallen.

Korbach/Vöhl – Nachdem sie an die EC-Karte ihres 79-jährigen Nachbarn gelangt war, hat eine Frau aus der Gemeinde Vöhl binnen elf Tagen 10.700 Euro von dessen Konto abgehoben. Wegen 24-fachen Computerbetrugs ist sie am Korbacher Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die 40-Jährige gestand: „Ich habe die Taten begangen und stehe auch dazu.“ Sie habe ein kleines Kind und sich in finanzieller Not befunden, berichtete auch von psychischen Problemen: „Ich habe es nicht mal auf die Reihe gekriegt, Arbeitslosengeld II zu beantragen.“ Als sie sich das Auto des Nachbarn auslieh, habe sie die Karte gesehen und an sich genommen. Die Geldsumme sei ihr dabei nicht bewusst geworden: „Mir ist nicht klar, wie ich so etwas tun und das Vertrauen des Herrn so ausnutzen konnte.“

EC-Karten Betrug: Tausende Euro in Korbach abgehoben

Mehr als 500 Euro wurden direkt für Einkäufe abgebucht, mehr als 10.000 Euro zwischen 16. und 26. März 2021 an Bankautomaten und in Geschäften abgehoben. „Ich war wie im Wahn“, sagte die Angeklagte – im Einzelnen könne sie nicht sagen, was sie damit kaufte. Sachen für ihr Kind seien es gewesen, auch viel unnützes.

Nicht vollends klar wurde, woher sie die PIN des Nachbarn hatte. Die beiden hatten sich kennengelernt, als sie sich einen Wagenheber lieh, ab und an tranken sie einen Kaffee; sie lieh sich sein Auto oder fuhr ihn. Die Angeklagte sagte, er habe seine PIN am Bankautomaten einmal laut ausgesprochen – der Senior bestritt das, aber beim gemeinsamen Einkauf könnte sie den Code gesehen haben.

Kurz vor seinem 80. Geburtstag sei er zur Bank gegangen und habe festgestellt, dass das Konto leer geräumt war. Das konnte er sich nicht erklären und stellte Strafanzeige. Später gab seine Nachbarin ihm dann die Karte zurück, die angeblich ein Bekannter gehabt hätte. „Sie wollte mir noch zum 80. gratulieren, aber das habe ich mir verbeten“, erklärte der Mann: „Ich bin sehr enttäuscht, würde aber auf der Straße weiter einen guten Tag wünschen.“

Bewährung möglich wegen Reue und guter Aussichten

Die Angeklagte rang über weite Teile der Verhandlung sichtbar um Fassung: „Es ist nicht zu entschuldigen, aber ich bereue es von tiefsten Herzen“, sagte sie dem Senior. Sie wolle „jeden Cent zurückzahlen“. Das muss sie von Gerichts wegen auch.

Geständnis, Notlage und Entschuldigung sprachen aus Sicht des Gerichts für die Angeklagte, gegen sie einige mit Geldstrafen belegte vorherige Vergehen. Zudem habe sie die Gutmütigkeit ihres Nachbarn ausgenutzt. Da sie einen Job und einen Partner gefunden hat, kamen Richterin und Staatsanwältin zu einer positiven Sozialprognose, was Bewährung ermöglichte. Mit vier Jahren dauert diese länger als normal – die Unterstützung des Bewährungshelfers könnte sie brauchen. Das Urteil ist rechtskräftig, sie begrüßte es: „Ich weiß, dass ich Hilfe brauche.“ (wf)

Auch interessant

Kommentare