Vöhler Gemeindevertreter lehnen Bau des Windparks ab - Letzter Entscheider ist das RP

Windräder auf dem Mühlenberg passen nicht zum Weltnaturerbe

 
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Die Gemeindevertretung in Vöhl hat sich gegen den Bau des umstrittenen Windparks auf dem Mühlenberg ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag der Fraktionen von SPD, Freien Wählern, FDP und Linken wurde mehrheitlich angenommen. Auch die Fraktionen von CDU und BI Grüne Liste hatten einen Antrag eingebracht. Dieser wurde jedoch abgelehnt. 

Kontrovers und lang haben die Gemeindevertreter in Vöhl in den Ausschüssen über den geplanten Windpark auf dem Mühlenberg diskutiert. Am Montag ging es in der Gemeindevertretung vergleichsweise schnell – denn auf Vorschlag des Vorsitzenden Karl-Heinz Stadtler waren im Zuge der Corona-Auflagen Redezeitbeschränkungen festgelegt worden, um ein zeitliches Ausufern der Sitzung zu verhindern.

Trotz des straffen Zeitplans bekamen die vielen Zuhörer einen Eindruck davon, wie schwer es sich die Parlamentarier mit der Entscheidung gemacht haben. So herrschte zum Beispiel in Teilen der SPD-Fraktion Uneinigkeit darüber, ob man in der Stellungnahme gegenüber dem Regierungspräsidium Kassel, das am Ende über den Bau des Windparks entscheidet, gänzlich vom umstrittenen Windpark abrücken sollte.

Letztlich war dies aber die Mehrheitsmeinung. Vorausgegangen war ein Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes, der durch die Fraktionen von SPD, Freien Wählern, FDP und Linken noch erweitert wurde und der sich eindeutig gegen den Bau des Windparks positionierte. Die in der Stellungnahme formulierte Absage an das Projekt seitens der Gemeindevertretung, flankiert mit entsprechenden Stellungnahmen der Ortsbeiräte in Herzhausen und Buchenberg, wurde letztlich mit 15 Ja-, und acht Nein-Stimmen beschlossen.

Wie die Begründung im Detail aussah, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Volker König. „Wir sind nach wie vor für Windkraft, aber nicht an diesem Standort. Die geplanten Windräder befinden sich in absoluter Nähe zum Nationalpark. Die riesigen Anlagen wären das Eingangstor zum Weltnaturerbe. Dass die Unesco solche Titel wieder aberkennen kann, sieht man am Beispiel von Dresden.“ Fast 250 Meter hohe Windräder in der Nähe von Nationalpark und Edersee würden laut König die Glaubwürdigkeit der Tourismuswerbung untergraben und diesbezüglich wirtschaftlichen Schaden anrichten.

„Wir respektieren zudem die Sorgen der direkt betroffenen Menschen, insbesondere derer in Herzhausen. Hier seien nur die Stichworte Infraschall, Schattenwurf und die Angst vor fallenden Immobilienpreisen zu nennen“, so König. Die Ortsbeiräte Herzhausen und Buchenberg hätten sich bereits gegen den Windpark ausgesprochen, außerdem gebe es eine Bürgerinitiative gegen das Mühlenberg-Projekt. „Dass juristisch gegen die Realisierung des Vorhabens vorgegangen wird, gilt als sicher. Jahrelange Diskussionen um dieses Thema würden den Frieden in unserer Gemeinde stören. Dies alles ist ein Windpark auf dem Mühlenwerg nicht wert“, betonte König.

Die Gemeindevertretung Vöhl lehnt den Windpark ab. Ob er dennoch gebaut wird, entscheidet das RP. Als nächstes ist die Offenlegung geplant. Dort können Interessensgruppen, Verbände und Bürger Einwände und Stellungnahmen abgeben. Foto: Daum

Auch Hans-Joachim Dohl, Fraktionschef der Freien Wähler, betonte, dass der Bau des Windparks wegen der Punkte „Schallimmissionen“, „Wetterradar“, „Schattenwurf“, „Nähe zur Wohnbebauung“, „Wasser- und Bodenschutz im Mühlenberg“ sowie „Belange des Natur- und Artenschutzes“ abzulehnen sei. 

Eine große Befürchtung der Freien Wähler sei, dass durch den Windpark geschützte Arten wie Rotmilan, Schwarzstorch, Uhu und Fledermäuse nicht nur gefährdet, sondern auch getötet würden. Dies sei für eine Nationalparkgemeinde nicht hinnehmbar. 

Darüber hinaus werde über den Natur- und Artenschutz auch „Menschenschutz erreicht“. Ein großer Artenreichtum behindere laut Expertenmeinung nämlich die Ausbreitung gefährlicher Viren. 

Dohl: „Wir Freien Wähler sind froh, dass diese für uns sehr wichtigen Punkte Eingang in den Gesamtantrag gefunden haben.“

„Wollen wir jetzt unsere Meinung dazu ändern?“

Etwas anders sieht es Gertmann Sude. Für ihn ist die Rechnung ganz einfach: „Bei etwa 2500 Haushalten in Vöhl liegt der Gesamtstrombedarf bei rund zehn Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Und bereits eine der geplanten Windenergieanlagen ist in der Lage, mindestens elf Millionen Kilowattstunden zu liefern.“ Die Nutzung der Windenergie ist aus Sicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden daher „praktizierter Klima-, Natur- und Umweltschutz“. Dies sei nur einer der Gründe, warum sich auch die Gemeinde Vöhl weiterhin an der Energiewende beteteiligen müsse. 

Auch wenn die CDU-Fraktion im Vöhler Parlament am Montagabend ebenfalls Bedenken am Standort des geplanten Windparks auf dem Mühlenberg zum Ausdruck brachte, sprach sie sich nicht generell gegen den Bau von Windrädern in der Gemeinde aus. Vielmehr sollten die Bedenken geprüft werden, um weiterhin eine Basis für die Fortsetzung des Projektes zu behalten. 

Nicht umsonst habe die Gemeindevertretung im März einen entsprechenden Beschluss gefasst, der wie folgt laute: „Der Gemeindevorstand wird beauftragt, ein Energiekonzept für die Nationalparkgemeinde mit den Zielen zu erstellen, ihren Eigenbedarf durch Photovoltaik, Solarenergie, Blockheizkraftwerke beziehungsweise Windenergie eigenständig zu decken, um sich von anderen Energieversorgern unabhängig zu machen.“ Dies sei sogar ein SPD-Änderungsantrag zum Haushalt gewesen, der von der CDU unterstützt worden sei. „Wollen wir jetzt innerhalb von zwei Monaten unsere Meinung dazu ändern?“, fragte Sude. 

Die BI Gründe Liste ging noch einen Schritt weiter. Fraktionsvorsitzende Susanne Kubat wies auf die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels hin. Die Windvorrangfläche „Mühlenberg“ habe zudem in zwei übergeordneten Planverfahren bereits die ganzen Raster der Schutzgüter „Natur-, Umwelt-, und Artenschutz sowie Landschaftsbild“ durchlaufen und sei als unkritisch eingestuft worden. Natürlich nehme die BI Grüne Liste die Sorgen der Bevölkerung ernst. 

„Mit Blick auf die befürchteten Schallemissionen ist jedoch zu sagen, dass die Lautstärke der Rotoblätter auf 40 Dezibel als Emissionsschutzrichtwert beschränkt ist.“ 40 Dezibel sei der Geräuschpegel von leichtem Regen. Straßenverkehr produziere 80 bis 90 Dezibel. Beim Thema „Infraschall“ machte Kubat deutlich, dass es keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Infraschall gebe. Dass die Windräder zudem einen negativen Einfluss auf das Landschaftsbild haben werden, sehe die BI Grüne Liste nicht. „Dass solche Anlagen Unbehagen auslösen, ist immer auch eine subjektive Empfindung“, so Kubat.

Hintergrund: Das Projekt Mühlenberg

VEW will den Windpark Mühlenberg – gelegen zwischen Vöhl und Lichtenfels – bauen lassen. Sechs Windräder sind dort vorgesehen, die Nabenhöhe wird bei 164 Metern liegen. Insgesamt misst eine Anlage dann 235 Meter. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein. Die entsprechenden Anträge beim Regierungspräsidium in Kassel sind bereits eingereicht.

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