Hohe Kosten, keine Einnahmen

Waldeck-Frankenberger Waldbesitzer fordern Unterstützung von Bund und Land bei Forstbegang auf Hof Treisbach

Große Herausforderungen im Waldbau: Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher, die Landtagsabgeordneten Dr. Daniela Sommer und Claudia Ravensburg werden informiert von Familie Regenbogen-Backhaus (rechts), Uwe Steuber und Christian Raupach sowie weiteren Vertretern kommunaler und privater Waldbesitzer.
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Große Herausforderungen im Waldbau: Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher, die Landtagsabgeordneten Dr. Daniela Sommer und Claudia Ravensburg werden informiert von Familie Regenbogen-Backhaus (rechts), Uwe Steuber und Christian Raupach sowie weiteren Vertretern kommunaler und privater Waldbesitzer.

Waldeck-Frankenberger Waldbesitzer fordern Unterstützung von Bund und Land beim Forstbegang auf Hof Treisbach

„Die Situation ist sehr ernst, das Wasser steht uns bis zum Hals.“ Mit diesen Worten begrüßte Uwe Steuber zum Waldbegang bei Hof Treisbach zwischen Oberorke und Viermünden. Steuber ist Vorsitzender der Kreisgruppe Waldeck-Frankenberg im Hessischen Waldbesitzerverband, der die SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher sowie heimische Landtagsabgeordnete zum Waldbegang und politischen Gespräch eingeladen hatte. Claudia Ravensburg und Armin Schwarz (beide CDU) sowie Dr. Daniela Sommer (SPD) der Einladung ebenfalls gefolgt.

Die aktuelle Situation des Waldes, Wiederaufforstung nach schweren Schäden durch Stürme, Borkenkäfer und Klimawandel, zukünftige Holzgewinnung, Jagd, Kosten der Verkehrssicherungspflicht – das waren nur einige der Themen, die bei dem mehr als zweistündigen Waldbegang angerissen wurden. Deutlich machten die Vertreter der heimischen Kommunal- und Privatwaldbesitzer, von denen auch Tobias Canisius, Heino Pachschwöll und Heinrich Zölzer vor Ort waren, dass die Herausforderungen, vor denen sie durch die Auswirkungen des Klimawandels stehen, ohne finanzielle Hilfen des Bundes nicht mehr zu stemmen seien.

Schwerpunktthema: "Klimawandel"

„Das Schwerpunktthema der Politik und Gesellschaft muss nach Corona beim Klimawandel liegen. Die Waldbesitzer brauchen Hilfe des Bundes in dieser Situation. Die muss er so unbürokratisch gestalten, dass sie auch unbürokratisch und schnell bei den Waldbesitzern ankommt – und zwar bei den privaten und den kommunalen, denen sonst nur die Möglichkeit bleibt, die Grundsteuern zu erhöhen, um die Kosten zu tragen. Wir haben keine Zeit mehr“, sagte Steuber. 

Hendrik Block,Waldeckische Domanialverwaltung

„Der Wald hat schließlich viele Funktionen, die für die gesamte Gesellschaft lebenswichtig sind – Holzlieferant, Wasserspeicher, Temperaturregler, Sauerstoffproduzent, CO2-Binder“, schob Hendrik Block, Forstbetriebsleiter der Waldeckischen Domanialverwaltung, nachdrücklich hinterher.

"In wenigen Jahren ernste Holzknappheit"

Außerdem sei das Holz, das jetzt aufgrund von Schäden geschlagen werden müsse, eigentlich für die Holzversorgung in den nächsten nahen Jahrzehnten geplant gewesen. Das habe nicht nur negative Auswirkungen auf das Überleben der Waldbaubetriebe, sondern werde schon in absehbarer Zeit für eine ernste Holzknappheit sorgen. „Wir kommen daher nicht als Bittsteller“, unterstrich Christian Raupach, geschäftsführender Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbandes.

Finanzielle Unterstützung war nicht die einzige Forderung, die die Waldbauern Esther Dilcher und den Landtagsabgeordneten mit auf den Weg gaben: Waldbesitzer haben Verkehrssicherungspflicht. Die Straßen- und Verkehrsbehörde bestehe darauf, dass Waldbesitzer sämtliche Kosten bei einer Fällung übernehmen. „Bei der Taktung, die wir jetzt haben, ist das nicht bezahlbar. Wir fordern, dass Waldbesitzer die Kosten nur bis zu einer Verhältnismäßigkeitsgrenze zahlen müssen, Stichwort Verkehrswert, sonst werden sie in die Pleite getrieben“. 

 Novelle des Bundesjagdschutzgesetzes: Entwurf "enttäuschend"

Außerdem enttäusche der Entwurf zur Novelle des Bundesjagdschutzgesetzes; es müsse sichergestellt werden, dass sich der Wald ohne Schutzmaßnahme auf natürliche Weise verjüngen könne, der Abschusshöhe sollte ein Vegetationsgutachten zugrunde liegen, erklärte Raupach weiter.

Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont,Waldbesitzerverband

Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont, Präsidiumsmitglied des Hessischen Waldbesitzerverbandes, betonte abschließend: „Wir müssen jetzt Pflanzen auf den Bestand bringen und einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Wir übernehmen die Aufbauarbeit gern, brauchen aber Unterstützung, damit alles wieder in die Bahnen kommen kann. Wir geben alles dafür.“

„Normale Forstarbeit immer schwieriger“

Rund 110 Hektar PEFC-zertifizierter Wald gehört zum Betrieb von Waldbäuerin Charlotte Regenbogen-Backhaus auf Hof Treisbach. Zusammen mit ihrem Mann Ditmar und den Söhnen Frank – Forstreferendar des Landesforstes Niedersachsen – und Carsten war sie Gastgeberin des Waldbegangs. 

Auf 24 Hektar wachsen Buchen sowie Eiche, auf rund 80 Hektar Nadelhölzer – anfangs Fichte und Lärche, dann nur Fichte, dann Douglasie und Fichte, schließlich kam noch die Küstentanne hinzu, auch einige Hektar Kiefern stehen. „Wir haben einen Eigenjagdbezirk und sind darüber sehr froh, weil wir so Einfluss auf den Jagdbestand haben“, erklärte die Gastgeberin den Teilnehmern, zu denen auch Stephanie Wetekam und Matthias Eckel, Geschäftsführer der heimischen Bauernverbände, sowie Kreislandwirt Martin Vollbracht gehörten.

In den vergangenen 50 Jahren hätte es viele waldverändernde Ereignisse gegeben – Stürme seit den 1980er Jahren. Doch nach den Stürmen 2007 und 2018 schwinde der Holzvorrat rapide – Windwurf, Käfer, Klimawandel. „Wir laufen immer hinterher, eine normale Forstarbeit wird immer schwieriger.“ 

Sie hätten ein Vielfaches mehr an Holz einschlagen müssen als regulär vorgesehen. 40 bis 50 Hektar mit Schadholz hätten sie bereits geräumt, damit der Borkenkäfer sich nicht noch weiter verbreitet oder um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Das Holz bringe einen Anerkennungspreis von 50 Cent pro Festmeter – die Kosten lägen um ein Vielfaches darüber. Inzwischen sterbe sogar die Buche – der Beweis war vor Ort deutlich zu sehen. 

"Risikostreuung"

Das Holz sei für die Industrie meist nicht mehr verwertbar. Sei es nötig, den Baum aufgrund der  Verkehrssicherungspflicht zu fällen, sei das sehr gefährlich, daher nur mit Seilwinde zu machen und entsprechend teuer. 

Ein Weg, den die Waldbauerfamilie geht: „Risikostreuung: Aktiv andere Bäume in Reinbestände und viele Bäume auf die Fläche bringen, um das Risiko zu minimieren“, sagt Frank Backhaus. „Man muss auch nicht auf Alter setzen, kann die Umtriebszeit verkürzen“, zum Teil brauche die Industrie keine alten Bäume mehr. (Marianne Dämmer)

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