Diskussion um geplante Windkraftanlagen

Windpark Mühlenberg: Kritiker warnen, Planer bezieht Stellung

Windpark Mühlenberg: Kritiker warnen, Planer bezieht Stellung.
+
Windpark Mühlenberg: Kritiker warnen, Planer bezieht Stellung.

Mit dem Windpark Mühlenberg drohen Folgen für alle Lebewesen und den Tourismus. Dies erkannten die Teilnehmer einer Veranstaltung der Initiative Mensch und Natur Edertal.

Rolf Schreiber stellte die für die sechs Windräder genutzte Waldfläche von je einem Hektar Fläche pro Rad vor und die „Leistung“ der ausgewachsenen Buchen bei der Bindung von CO2 und anderen Schadstoffen, sowie der Neuproduktion von Sauerstoff, die auf längere Sicht ausfallen würde. Denn die zur Kompensation andernorts neu gepflanzten Bäume seien die ersten Jahre nahezu wirkungslos, so Schreiber.

Auf der anderen Seite würden schon für die Erstellung des Fundaments je Windrad 1952 Tonnen Beton benötigt. Die Verdichtung und Versiegelung der Böden würden zudem das Ökosystem Wald nachhaltig schädigen, betonte Schreiber. Die Windblatträder seien aus einem Verbundmaterial, das sich mit keiner bislang bekannten Technik entsorgen lasse.

Informierten über mögliche Beeinträchtigungen: Heidrun Paul-Schreiber und Rolf Schreiber. 

Nur 600.000 statt 1,8 Millionen Haushalte versorgt

Zudem, so Schreiber, würden die Maximalwerte, mit denen die Befürworter argumentierten, nur bei maximaler Windstärke von 12,5 Meter pro Sekunde erreicht. Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von sieben Metern pro Sekunde würden die rund 1000 hessischen Windkraftanlagen nicht den Idealwert von 16,8 Megawatt, sondern 5,6 Megawatt erzielen, also statt 1,8 Millionen nur 600.000 Haushalte mit Strom versorgen. 

Bislang stünde, laut Bundesrechnungshof, die CO2-Einsparung in keinem Verhältnis zum finanziellen Aufwand. Mehr Windräder seien dabei keineswegs die Lösung, sagte der Referent, denn in Spitzenzeiten erbrachte Mengen könnten aktuell nicht gespeichert werden, dann gebe es eine kostenpflichtige Entsorgung in fremde Netze oder Zahlungen an die Betreiber für Stillstand.

Schaden für Tourismus und Gesundheit?

Beim aktuellen Stand der Technik wäre „der Windpark am Mühlenberg eine durch nichts gerechtfertigte Schädigung von Mensch und Umwelt“. Denn die Bewohner der betroffenen Ortsteile müssten mit ökonomischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen. Der Tourismus sei andernorts wegen Windrädern bis zu 30 Prozent zurückgegangen, die Immobilienpreise eingebrochen.

Leistungsfähige Anlagen würden das Problem verschärfen, sagte Heidrun Paul-Schreiber: Je größer die Räder, desto stärker die Verwirbelungen. Dadurch würden auch die Druckwellen des Infraschalls steigen. Niederfrequenter Schall werde nicht vom Ohr wahrgenommen, doch die Reize würden vom Nervensystem aufgenommen und verarbeitet. 

Befürworter würden Risiken verheimlichen

Zu den Auswirkungen gehörten, so die Referentin, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Atemnot oder Angstzustände. Die Argumentation der Befürworter, dass der hörbare Schall der Windräder (55 Dezibel) ein leises Gespräch nicht überschreite, würde die wahren Risiken verheimlichen.

Bio-Landwirt Bertolt Halberstadt, der für die Linke im Vöhler Gemeindeparlament sitzt, verwies in der Diskussion darauf, dass etliche seiner Gäste „Windkraftflüchtlinge“ seien, die sich in Buchenberg von den Belastungen erholten. 

Das sagt Planer VEW

Wie viel Wald muss für den Windpark gerodet werden? Mit welchen Windgeschwindigkeiten wird geplant? Und welche Schallwerte gelten? Stefan Kieweg, Prokurist des Windpark-Planers VEW, bezieht Stellung zur Kritik.

Wie viel Wald gerodet wird, sei abhängig vom Standort, so Kieweg. Für den Windpark Mühlenberg sind es 3,7 Hektar, die zeitweise gerodet werden müssen, unter anderem für Fundamente und Wegebau. Dort wird anschließend der Großteil wieder aufgeforstet. 

Knapp 1,7 Hektar würden dauerhaft gerodet bleiben. Der Holzeinschlag, der entsteht, sei vom zuständigen Forstamt bereits eingeplant. Das bedeute, dass über Jahre betrachtet nicht mehr Holz eingeschlagen werde, als ohnehin geplant, so Kieweg.

Mittlere Windgeschwindigkeit berücksichtigt

Die Nennleistung einer Windkraftanlage werde meist bei zwölf bis 13 Metern pro Sekunde erreicht. Um das richtig einschätzen zu können, werde bei der Planung die mittlere Windgeschwindigkeit berücksichtigt. Weil der Wind unstet weht, laufen die meisten Anlagen aufs Jahr gesehen in Teillast. Niemand würde behaupten, dass eine Anlage das ganze Jahr Volllast laufe. 

Der bereits bestehende Windpark Gemünden habe insgesamt eine Nennleistung von 16,8 Megawatt, nennt Kieweg ein Beispiel. Bei mittlerer Windgeschwindigkeit und einem Haushaltsverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr könnten damit rechnerisch gut 12.700 Haushalte mit Strom versorgt werden.

"Schallgrenzwerte sicher einhalten"

Dringend erforderlich ist auch aus VEW-Sicht der Ausbau der Speichertechnologien. Es stelle sich aber die Frage, ob dies ein Argument gegen den Ausbau von erneuerbar erzeugtem Strom sei, so der Prokurist. Hier müssten gesetzliche Vorgaben justiert werden, „denn solange eine Speicherung nicht wirtschaftlich dargestellt werden kann, wird es auch nicht zum erforderlichen Ausbau kommen“.

Mit dem Blick auf das Argument, dass Infraschall den Menschen schädigen könne, sagt Kieweg, dass sich VEW an geltende Regeln und Gesetze halte. Ihm sei aber kein Fall bekannt, in dem einer der gut 30 000 Windkraftanlagen aufgrund von Infraschallauswirkungen der Betrieb untersagt wurde. 

Nachts gelten 45 Dezibel

Nachts würden in der Regel Werte von 45 Dezibel gelten für Kern-, Dorf- und Mischgebiete. In Nabenhöhe würden etwa 106 dB erreicht. „Der Schallpegel sinkt jedoch im Quadrat zur Entfernung“, so Stefan Kieweg. In einer Entfernung von 1000 Metern könnten die Schallgrenzwerte „sicher eingehalten werden“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare