Fleischreste ausgelegt, mutmaßlich um Vögel zu beeinflussen - Kripo ermittelt

Windpark bei Vöhl und Lichtenfels: Wurde ein Gutachten manipuliert?

Windpark-Planer stellte Strafanzeige wegen Verdacht auf Manipulation eines Gutachtens
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Windpark-Planer stellte Strafanzeige wegen Verdacht auf Manipulation eines Gutachtens

Das Verbands-Energie-Werk (VEW) hat bei der Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Grund: Im Gebiet des geplanten Windparks Mühlenberg zwischen Vöhl und Lichtenfels wurden Tierreste ausgelegt, mutmaßlich um Vogelbewegungen für Gutachten zu beeinflussen. Die Kripo ermittelt.

Sechs Windkraftanlagen möchte VEW in dem Waldstück zwischen Vöhl und Lichtenfels bauen lassen. Seit Jahren bereits laufen die Planungen und Genehmigungsverfahren und immer wieder regt sich in Teilen der betroffenen Kommunen Widerstand gegen das Vorhaben. Nun könnte das Projekt erneut ins Stocken geraten.

Möglicherweise muss das Gutachten, das die Vogelwelt am Mühlenberg beschreibt, erneut verfasst werden. Denn VEW vermutet, dass das Verhalten von Vögeln wie dem Rotmilan beeinflusst worden sein könnte. Die Ergebnisse des Gutachtens, das VEW selbst in den Jahren 2016 und 2017 anfertigen ließ, wichen ab von denen, die Naturschützer ihrerseits anschließend erstellten.

Jeden Fund tierischer Überreste haben die Gutachter in Fotos festgehalten.

Das an sich sei nicht ungewöhnlich, sagt Stefan Kieweg, Prokurist bei VEW, auf Anfrage. Die Gutachter des Windpark-Projektierers mussten noch einmal tätig werden. Bei diesen Nachuntersuchungen seien teils „atypische“ Verhaltensweisen der Tiere aufgefallen.

Im Frühjahr 2019 wurden erstmals Tierreste in dem Areal zwischen Herzhausen und Buchenberg gefunden, teils auch verwitterte Knochen, so Kieweg. Zumeist seien das Überreste von Hausschweinen gewesen wie Füße, Backen und Rippen. „Regelmäßig“ seien tierische Überreste entdeckt worden. Die Funde seien stets auf Fotos dokumentiert worden. Im April dieses Jahres wurde dann ein Mann von einem VEW-Gutachter dabei beobachtet, wie er aus seinem Auto Fleischreste auslud. Der Gutachter filmte das mit seinem Handy.

Zumeist wurden Überreste von Hausschweinen entdeckt.

Die Vermutung von VEW ist laut Kieweg, dass Windkraftgegner diese illegalen Futterplätze angelegt haben, um vermehrt Vögel wie den Rotmilan anzulocken – und durch das vermehrte Aufkommen dieser Tiere so den Windpark zu verhindern.

Weil das Auslegen gegen Abfall- und Jagdrecht sowie das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz verstoße, habe man Anzeige erstattet. Zahlreiche Fotos und das Video wurden nun der Polizei übergeben. Möglicherweise solle der Verursacher der aktuellen Verzögerung finanziell zur Rechenschaft gezogen werden, so Kieweg.

Polizei und Regierungspräsidium prüfen Fall

Polizeisprecher Jörg Dämmer bestätigt den Eingang der Strafanzeige, derzeit werde der Fall noch von der Kripo bearbeitet. Auch beim Regierungspräsidium in Kassel – der Genehmigungsbehörde für den Windpark – ist der Fall bekannt, bestätigt Sprecherin Katrin Walmanns. Eine Entscheidung, ob das Gutachten erneuet angefertigt werden muss, sei aber noch nicht gefallen. Der Fall sei noch in der Prüfung im entsprechenden Dezernat.

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