Zwölf Sprengungen sind vorgesehen

Felsen für Umgehungsstraße bei Dorfitter gesprengt

Trassenbau für die Umgehung um Dorfitter: Am Freitag wird ein Abschnitt des Kalkfelsens gesprengt. Dies übernimmt Sprengmeister Andreas Wichor von der Lausitzer Sprenggesellschaft.
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Ein Wummms, und Gestein springt in breiter Front nach oben: Mit Sprengungen müssen sich die Straßenbauer durch massive Kalkfelsen vorarbeiten, um die Trasse für die Umgehung um Dorfitter voranzutreiben.

Bei Dorfitter wird derzeit die Umgehungsstraße der Bundesstraße 252 gebaut. Weil Felsen im Weg stehen, sprengen Fachleute das Gestein jetzt weg.

Dorfitter – Ein kurzer Knall, Gestein springt in einer breiten Front nach oben, Staub steigt auf – das ist am Freitagmittag der krönende Abschluss von stundenlanger Arbeit. Sprengmeister Andreas Wichor von der Lausitzer Sprenggesellschaft hat sein Tagwerk geschafft: Ein weiteres Feld mit Geröll liegt vor ihm, schwere Bagger können es wegräumen. Langsam wird so die Trasse sichtbar, auf der in ein paar Monaten die neue Bundesstraße 252 verlaufen soll. Sie soll den Verkehr um Dorfitter herumführen.

Im Abschnitt zwischen den Fluren Galgenberg und „Auf den Steinen“ sind die Straßenbauer der Arbeitsgemeinschaft Rohde/Wachenfeld auf ein massives Hindernis gestoßen: Am einstigen Steinbruch des Dorfes sei die von Menschen gestaltete Geologie „herausfordernd“, beschreibt Pressesprecher Marco Lingemann von Hessen-Mobil.

Den Kalkfelsen des einstigen Steinbruchs folge ein Abschnitt, den die Einwohner nach dem Abbau der Steine mit weichen Material wieder aufgefüllt hätten, dahinter komme der nächste Abschnitt mit Fels. Diesem Gestein können auch schwere Bagger nichts anhaben, es lässt sich nur durch gezielte Sprengungen aufbrechen.

Sächsische Spezialisten beauftragt

Damit beauftragte die Arbeitsgemeinschaft die sächsischen Spezialisten. Das Gelände sei in drei Abschnitte eingeteilt worden, berichtet Lingemann: Der längste sei 100 bis 150 Meter lang, die anderen beiden 60 und 30 Meter. Vorgesehen seien zwölf Sprengungen, die vierte war am Freitag, die nächste ist für den 15. September geplant.

Das Team bohrt zunächst drei bis 4,50 Meter tiefe Löcher im Abstand von drei Metern in den Fels. Gestern Morgen bringt es den Spengstoff in die Bohrlöcher – Körner aus Ammoniumnitrat mit weiteren Zusätzen. Hinzu kommt der Zündstoff. Danach verkabelt Wichor die einzelnen Sprengsätze.

Vor der Sprengung: Sprengmeister Andreas Wichor prüft die Verkabelung. Rechts Dezernatsleiter Ralf Baier.

Außerdem füllt er die Löcher mit Kies auf: Er verkeilt sich bei der Sprengung und verhindert, dass der Druck nach oben entweicht – er soll ja das massive Felsgestein im Boden aufbrechen. Der Sprengmeister nutzt das „nicht elektrische Zündverfahren“, das in der Branche Standard ist. Die einzelnen Ladungen werden leicht zeitversetzt hochgejagt. Der „Sprengbereich“ wird in einem Radius von 300 Metern abgesperrt.

Regierungspräsidium überwacht die Arbeiten

Diplom-Ingenieur Ralf Baier vom Kasseler Regierungspräsidium überwacht alle Arbeiten. Der Dezernatsleiter für Arbeitsschutz kontrolliert nicht nur den korrekten Ablauf und die Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen, er prüft auch das Material. Denn sein Dezernat ist auch für die hessenweite „Marktüberwachung“ zuständig, wie er berichtet: „Wir prüfen: Ist alles gekennzeichnet? Werden sichere Produkte verwendet?“

Um Schäden im Dorf auszuschließen, gibt es Erschütterungsmessungen an einem Haus am Sportplatz. Das gesprengte Gestein wird mit Baggern zu einer Halde gebracht. Dort wird es mit speziellen Steinbrechern zu Kies verarbeitet.

14 Meter tiefer Einschnitt ins Gelände

In dem Abschnitt schneide die Straße künftig 14 Meter tief ins Gelände ein, rund 185 000 Kubikmeter Erde und Gestein müssten abgetragen werden, berichtet der Diplom-Ingenieur Rainer Mitze von Hessen-Mobil, der die Sprengung mit Dezernatsleiter Martin Herbst verfolgt.

Einige Meter weiter laufen bereits die Arbeiten an der Strecke. Auf der Gründung wird zunächst ein Kunststoffnetz ausgelegt, darauf kommen 25 Zentimeter Schotter und senkrecht stehende Gründungselemente aus Kunststoff. Sie werden wabenförmig angeordnet und mit Schotter aufgefüllt. Sie dienen als großes Polster, solle es zu Setzungen im Erdreich kommen.

Arbeiten an der Trasse: die Kunststoffnetze liegen.

Weitere Schichten werden noch aufgebracht - zwischen dem Kunststoffnetz und dem Asphalt der späteren Fahrbahn liegen am Ende drei Meter. Fachleute des hessischen Instituts für Baustoffprüfung überprüfen fast täglich den Boden.

„Holländische Rampe“ steht weitgehend

Am Nordanschuss der künftigen Umgehungsstraße seien die Erdarbeiten für die „Holländische Rampe“ mit ihren vier Zubringern schon weitgehend abgeschlossen, berichtet Mitze. Im Abschnitt nebenan ist die Trasse nach Osten schon gut sichtbar. Bagger tragen den Boden ab, Schlepper mit schweren Anhängern bringen ihn zum Steinbruch, wo das Material wieder in die stufenförmige Böschung des Einschnitts eingebaut wird. Weitere Erde kommt in den alten Steinbruch, der als Deponie genutzt werden darf. Das bedeutet kurze Transportwege, was wiederum Geld spart.

Im Abschnitt vor dem Beginn der Felsen ist der Untergrund weich, deshalb wird zur Stabilisierung der Strecke eine Schicht „vermörtelter Boden“ aus 70 Prozent Zement und 30 Prozent Kalk aufgebracht. Er wird 60 Zentimeter tief in den Boden gefräst.

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