Ausblick auf Jubiläumsfeier im August

900-jähriges Lütersheim: Sagenhafte Hollen als Paten des Dorfes

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Die Dorfkirche von Lütersheim und das dahinter liegende Dorfgemeinschaftshaus prägen den alten Dorfkern.  

Auf die erste urkundliche Erwähnung ihres Dorfes vor 900 Jahren wollen die Lütersheimer am 29. und 30. August 2020 stolz zurückblicken.

Volkmarsen-Lütersheim. Alle Vereine des 340-Seelen-Dorfes und viele Berufsstände wollen sich an den Feierlichkeiten beteiligen, wie bei einer Besprechung im Dorfgemeinschaftshaus deutlich wurde. Die Federführung hat ein Organisationskomitee unter Leitung von Ortsvorsteher Hartmut Fischer.

Schmied und Hufschmied, Schneiderei, Lackierer, Imker und Landwirte wollen ihr Metier darstellen. Holzofenbrot wird gebacken und mit der Motorsäge gefertigte Holzskulpturen werden erstellt.

Luftaufnahme von Lütersheim im Sommer 2019.

Es soll Führungen um die und in der barocken Rothweil-Kirche geben. Feuerwehrgeschichte wird dargestellt. Und natürlich wollen die Brandschützer das neue Löschfahrzeug im sanierten Feuerwehrhaus präsentieren.

Ein Zeitstrahl soll die Dorfentwicklung Lütersheims von der ersten Erwähnung bis heute im Spiegel großer Politik und örtlicher Ereignisse erlebbar machen. Ein kurzer Wanderweg wird die Gäste durch die bezaubernde Landschaft zu den „Stiegelgärten“ führen, wo weitere Attraktionen auf Entdeckung warten.

Landauer Schützenhilfe gibt es beim Heerlager-Nachbau gemäß der Zeit des 30-jährigen Krieges mit weiteren Attraktionen. Die Lützer Sportschützen denken über ein Armbrustschießen nach. Bei Brigitte Bölke sollen kleine Hollen getöpfert werden und unterhalb der Kirche wird ein Nachbau der Hollenkammer zu sehen sein, wofür Bruno Schaake bereits die Steine sammelt. 

Die Hollen, jene sagenhaften Wichtel aus der jüngst zum Geotop ausgezeichneten Lützer Felsformation, werden Polo- und T-Shirts, Schirme, Biergläser, Taschen und Beutel schmücken. Der Lütersheimer Jubiläumsschnaps wird eigens für den Anlass in Bad Arolsen abgefüllt und etikettiert.

Schlossbaumeister plante Dorfkirche

Auskunft über die historischen Zusammenhänge in der Lütersheimer Dorfgeschichte gibt das 1938 erschienene Buch über die Bau- und Kunstdenkmäler im Kreis der Twiste. Im Auftrag des damaligen Bezirkskonservators Friedrich Bleibaum recherchierten Gottfried Ganzauge, Walter Kramm und Wolfgang Medding. Das Haufendorf taucht erstmals in einer Urkunde des Klosters Corvey aus dem Jahre 1120 auf und wird darin Liudherissen genannt, 1276 ist von Lütersen die Rede.

 Die Schreibweise des Dorfes sollte sich über die Jahrhunderte noch manches Mal ändern. 1154 bestätigte Papst Adrian dem Kloster Corvey den Zehnten von dem Hof Liutersen. Um das Jahr 1303 wurden die Einnahmen zur Hälfte vom Kloster Corvey an Graf Heinrich von Waldeck verpfändet. 1442 wurde das Dorf von Heinrich von Gudenberg überfallen und geplündert.

 Um 1573 versuchte das Kloster Corvey vergeblich, die Pfandschaft wieder einzulösen. In der Dorfgeschichte ist von mehreren Brandkatastrophen die Rede, so im Jahr 1632, als zehn Häuser vernichtet wurden, 1669 brannt das ganze Dorf bis auf vier Häuser nieder, 1738 bestand das Dorf aus 33 Wohnhäusern. Eine Dorfkirche wurde erstmals im Jahr 1283 genannt, sie wurde später nach Landau eingepfarrt.

 1666 wird der erste evangelische Pfarrer hier erwähnt. Die heutige Kirche wurde in der Zeit von 1726 bis 1728 vom Arolser Schlossbaumeister Julius Ludwig Rothweil unter der Amtszeit von Pfarrer Johann Heinrich Rüselius erbaut. Das Kirchengebäude wird als barocke Saalkirche beschrieben. Der Sandsteinbau hat eine Empore auf Holzpfeilern und einen bemalten Holzaltar.

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