Fast 300 Jahre altes Kunstwerk

Altar in Herbser Kirche erstrahlt  in neuem Glanz

Mit kleinen Geschenken dankte Pfarrerin Anne-Rieke Palmié den mit der Restaurierung Befassten: (von links) Dr. Götz Pfeiffer, Kunstreferent der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, Restauratorin Silvia Behle und Christine Kenner vom Landesamt für Denkmalpflege. Foto: Ute Germann-Gysen

Volkmarsen-Herbsen. Nach dreimonatiger Restaurierung strahlt der Herbser Altar wieder in alter Frische. Ein Grund zum Feiern.

Am Erntedanksonntag wurde das Ergebnis von der Kirchengemeinde nach dem Gottesdienst zusammen mit Pfarrerin Anne-Rieke Palmié, die Restauratorin Silvia Behle und den Wissenschaftlern Dr. Götz Pfeiffer von der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und Christine Kenner vom Landesamt für Denkmalpflege gewürdigt.

Das gab es zu tun

Verschmutzungen aus Ruß, Wachs und einem ungeeigneten Überzug hatten die sechs Gemälde und die goldfarbenen Verzierungen stumpf und dunkel erscheinen lassen. Das aufgemalte Marmordekor war kaum mehr erkennbar. Diplom-Restauratorin Behle hatte zusammen mit ihrer Kollegin, Beate Demold, insgesamt vier Liter Azeton und 400 Gramm Watte benötigt, um den alten Firnis vom zweistöckigen Altar zu entfernen.

Nach der Entfernung der Schmutzschichten haben die Restauratorinnen Holzrisse in den Bildern gekittet, Fehlstellen retuschiert und einen neuen Überzug für mehr Tiefenwirkung und leuchtende Farben aufgetragen.

Ein Schmuckstück

„Planer und Gemeinde haben immer mal vorbeigeschaut. Es war hier eine große Freude, zu arbeiten“, berichtete Behle von der Arbeit in der Kirche.

Kunstreferent Dr. Götz Pfeiffer hatte sich mit der Geschichte der Kirche und insbesondere dem Altaraufsatz beschäftigt. Es war der „auffälligste und sicher auch damals kostspieligste Schmuck in der evangelischen Kirche zu Herbsen“, führt Pfeiffer in seiner Abhandlung aus.

Sie gaben die Aufträge

Die untere Ebene mit drei Gemälden entstand vermutlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Auftrag von Heinrich Reincke, einem wohlhabenden Bürger des Ortes. Etwas später muss der obere Teil entstanden sein, denn ihm fehlen die Reste roter und grüner Farbe, die bei der Renovierung am unteren Teil zutage traten.

Der obere Altarteil wurde den Recherchen von Dr. Pfeiffer zufolge von Johann Friedrich Stöcker finanziert, der auch Kirchenbänke sowie das große Gemälde „Jüngstes Gericht“ dem Gotteshaus widmete und in der Kirche begraben liegt.

Ungewöhnliches Stück

„Das ist ein ungewöhnliches Stück, auf das Sie sehr stolz sein können“, meinte Restaurationsleiterin Christine Kenner. Ein „Geschenk“ sei unter den alten Schichten zum Vorschein gekommen und sie sei glücklich, dass die Finanzierung der rund 70 000 Euro teuren Sanierung durch die Landeskirche und die Denkmalpflege zustande gekommen ist. In Zeiten schrumpfender Kirchengemeinden, wo es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sei sie froh über jedes Stück Kunst, das in konservierter Form weitergegeben werden kann, so Kenner.

Nachdem Organist Oliver Lippe „Von guten Mächten“ im Gotteshaus erklingen ließ und die Pfarrerin den an der Restauration Beteiligten kleine Geschenke überreicht hatte, erwartete der Gemeindevorstand seine Gäste bei strahlendem Sonnenschein am Kuchenbuffet im Kirchhof.

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