Viele waren Opfer und Retter zugleich

Amokfahrt von Volkmarsen: Ersthelfer kümmerten sich um die Verletzten

Mehrere Rettungssanitäter, Polizeibeamte und Ersthelfer stehen und knien um am Boden liegenden Verletzten zu helfen. Eine dramaltische Szene aufgenommen nach der Amokfahrt vom 24. Februar 2020 in Volkmarsen.
+
Sie brachten Ordnung ins Chaos: Ersthelfer und Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten, nachdem ein Auto in den Volkmarser Rosenmontagsumzug gefahren war.

Mehr noch als die menschlichen Abgründe, die den Amokfahrer vom Rosenmontag zu seiner Tat bewegt haben mögen, sollten die vielen kleinen Heldentaten in Erinnerung bleiben, die die unmittelbar Betroffenen an jenem 24. Februar 2020 vollbrachten.

Volkmarsen/Kassel - Viele der Zeugen, die am Montag und Mittwoch vor der sechsten Großen Strafkammer des Landgerichts Kassel zu Wort kamen, sind Karnevalisten und Feuerwehrleute zugleich. Sie waren als Freundeskreis vor Ort, wollten ausgelassen mit ihrer Gruppe „Wilde 13“ feiern, hatten dazu einen kleinen Festwagen in Form einer Geburtstagstorte zu Ehren der Sesamstraße gebaut, die seit 50 Jahren Kinderfernsehen produziert.

Doch dann wurden viele von ihnen durch den unvermittelt heranbrausenden Amokfahrer verletzt und haben sich dann soweit wie eben möglich aufgerafft, um anderen am Boden liegenden geholfen.

Heldenhaft das Richtige getan

Rechtsanwalt Frank Scheffler aus Warburg, der eines der Opfer vor Gericht als Nebenkläger vertritt, brachte nach einer dieser unglaublichen Zeugenaussagen seine Bewunderung und Anerkennung für die jungen Männer und Frauen zum Ausdruck, die obwohl selber zu Boden geworfen, geschockt und verletzt, ohne lange nachzudenken, genau das Richtige taten, um anderen zu helfen.

Da war der junge Feuerwehrmann, dem seine Mutter gerade das Blut aus dem Gesicht gewaschen hatte, und der sich sofort aufmachte, sich um seine verletzten Freunde zu kümmern.

Nachfolgende Festwagen gewarnt

Und da war der andere Feuerwehrmann, der im Kostüm von Oskar aus der Sesamstraße den nachfolgenden Festwagen entgegenlief um die Karnevalisten zu warnen, vom Anschlagsort fernzuhalten und weitere Hilfe herbeizuholen.

Er habe einen kurzen Filmriss gehabt, sagt er dem Richter, habe dann vergewissert, dass Schwester und Freundin halbwegs wohlauf waren, und sei dann einfach losgelaufen, habe gerufen, die Motoren und Musik auszumachen und mitzukommen. Bis zum Wagen des Dreigestirns sei er gelaufen, und dann selber geholfen so weit es ging.

Verbandsmaterial organisiert

Zurück an der Unfallstelle organisierte er Verbandskästen aus geparkten Autos und brachte das Verbandsmaterialien all den vielen Helfern, die sich mühten, Blutungen zu stillen. Ein anderer im grünen Zottelkostüm brauchte eine kurze Weile, um sich wieder zu fassen, ließ sich eine Rettungsweste der Feuerwehr geben und wurde zunächst eingeteilt, eine Strichliste mit der Zahl der Verletzten zu erstellen, damit genügend Rettungsfahrzeuge alarmiert werden konnten. Später begleitete er den Leitenden Notarzt und half bei der Verteilung der Patienten auf die immer zahlreicher eintreffenden Krankenwagen.

Einer der Zeugen, Opfer, und Retter zugleich, brachte es so auf den Punkt: „Es herrschte großes Chaos, aber es gab auch viele, die geholfen haben. Bei jedem Verletzten kniete mindestens ein Ersthelfer.“ (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare