Marion-Samuel-Preis für engagierten Volkmarser

Lebenswerk von Ernst Klein in Augsburg und Ypern gewürdigt

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Mit dem Marion-Samuel-Preis wurde Ernst Klein aus Volkmarsen in Augsburg ausgezeichnet. Das : zeigt von links Klein, Ingrid Seinsch von der Stiftung Erinnerung mit einem Foto der Namensgeberin des Stiftungs-Preises und den Laudator Professor Diedfrid  Krause-Vilmar.

Ernst Klein, Gründer des Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen“ ist   in Augsburg   mit dem Marion-Samuel-Preis ausgezeichnet worden.

Die Preisverleihung in Augsburg fand im  Goldenen Saal des prächtigen Renaissance-Rathauses statt. Der Marion-Samuel-Preis wird seit 1999 verliehen und ging schon an so illustre Persönlichkeiten wie den Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly, an die Schauspielerin Barbara Fenner, den Liedermacher Wolf Biermann, an die Aktion Sühnezeichen und an die Georg-Elser-Initiative München.

Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird jedes Jahr von der von den Eheleuten Ingrid und Walter Seinsch ins Leben gerufenen Stiftung Erinnerung Lindau an Personen oder Institutionen verliehen, die sich auf besonders wirkungsvolle Weise gegen das Vergessen, Verdrängen und Relativieren der von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen wenden.

Großartiges Lebenswerk gegen das Vergessen

Diese Voraussetzung hat Ernst Klein unzweifelhaft seit Jahrzehnten erfüllt. Er setzte sich für die Aufarbeitung der Vertreibung der Volkmarsen Juden ein und schaffte es, Kontakt mit vielen überlebenden des Holocaust herzustellen. Viele ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens und deren Nachfahren konnte ernst Klein in aller Welt aufspüren und nach Volkmarsen einladen.

Hier schuf er mit Gleichgesinnten ein Museum, das im Laufe dieses Jahres in das vom Verein „Gegen das Vergessen“ angekaufte Mikwe-Haus im Steinweg einziehen konnte. Als Gustav-Hüneberg-Haus soll das Museum eine Dokumentations- und Begegnungsstätte zum Thema „jüdisches Leben in Nordhessen“ werden. Die Laudatio auf Preisträger Ernst Klein hielt im Augsburger Rathaus der Kasseler Historiker Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar.

Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro wurde übrigens schon im vergangenen Jahr ausgezahlt und auf Wunsch von Ernst Klein vom Verein Rückblende für den Kauf des Mikwe-Hauses im Steinweg verwendet. In dem nach Gustav Hüneberg benannten Haus ist ein Museum untergebracht. 

Versöhnung über den Kriegsgräbern von Ypern

Frieden und Versöhnung über den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs hat sich die belgische Stadt Ypern auf die Fahnen geschrieben. Und das, obwohl gerade diese Stadt durch das Bombardement der Wehrmacht förmlich dem Erdboden gleichgemacht wurde. 

Jedes Jahr am 10. November richtet die Stadt Ypern eine Gedenkveranstaltung aus, zu der diesmal Ernst Klein vom Verein „Rückblende - Gegen das Vergessen“ eingeladen wurde, um eine Gedenkrede zu halten und bei der Pflanzung von zwei Ginkgo-Bäumen dabei zu sein. 

Feierstunde in Ypern: Ernst Klein spricht vor Vertretern und Bürgern der belgischen Stadt, die im Ersten Weltkrieg stark zerstört wurde.

Einer stammte aus dem Samen eines in Hiroshima gewachsenen Baumes. Der zweite Gingko-Baum stammt aus Volkmarsen. Er wurde am 8. September 2018 beim deutsch-belgischen Tag in der ehemaligen belgischen Schule am Stadtbruch der belgischen Delegation mitgegeben. 

Die Veranstaltung im Gedenken an das Kriegsende vor 100 Jahren wurde von der Stadt Volkmarsen, vom Verein Rückblende und von Oberst a.D. Jürgen Damm vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam organisiert. Zur Erinnerung pflanzten die Anwesenden einen Ginkgo-Baum vor der ehemaligen belgischen Mittelpunktschule in Volkmarsen, der heutigen Grundschule "Villa R". 

Aus Kriegsgegnern wurden Freunde und Partner in Europa

Ein zweiter Baum wurde dem ehemaligen Lehrer an der belgischen Schule in Volkmarsen, Paul Thuerlinckx, mit in seine Heimat gegeben. Der pflanzte und pflegte den Baum ein Jahr lang in seinem Garten und nahm mit dem Bürgermeister der Stadt Ypern Kontakt auf. 

Der war von der Geste der Volkmarser so begeistert, dass er Ernst Klein einlud und um eine Gedenkansprache bat. Klein ging dabei auf den kriegsverherrlichenden Text einer Postkarte ein, die sein Großvater 1914 von der russischen Front nach Hause schickte. 

Die Folge seien Tod und Leid in ganz Europa gewesen. Schon in jungen Jahren habe er erkannt, dass das Kriegsende 1945 kein Tag der Niederlage, sondern ein Tag der Befreiung gewesen sei, so Klein. Während seiner Schulzeit in Arolsen habe er erlebt, wie aus Besatzungssoldaten Freunden wurden. 

Aus diesem Gefühl heraus habe er mit Gleichgesinnten den Verein „Rückblende“ gegründet, um an die Kriegsgräuel zu erinnern und um den Weg zur Versöhnung mit ehemaligen Kriegsgegnern zu ebnen.

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